Frankreich, Tunesien, Kuwait: Mehr als 60 Tote bei drei Terroranschlägen

Frankreich, Tunesien, Kuwait: Mehr als 60 Tote bei drei Terroranschlägen

, aktualisiert 26. Juni 2015, 19:46 Uhr

Drei schlimme Anschläge innerhalb von wenigen Stunden: In Tunesien, Kuwait und Frankreich sterben mindestens 62 Menschen. Hinter allen drei Attentaten steckt offenbar die Terrormiliz Islamischer Staat.

Terror auf drei Kontinenten: Bei drei mutmaßlich islamistischen Anschlägen in Tunesien, Kuwait und Frankreich sind am Freitag innerhalb kurzer Zeit mindestens 63 Menschen getötet worden. Allein im Badeort Sousse an der tunesischen Mittelmeerküste gab es mindestens 37 Tote - die meisten davon Urlauber, die vor einem beliebten Hotel am Strand gelegen hatten. Darunter sind nach Angaben der örtlichen Behörden auch mehrere Deutsche. Vom Auswärtigen Amt gab es dafür zunächst jedoch keine Bestätigung.

In Kuwait-Stadt zündete ein Mann bei einem Selbstmord-Attentat in der Nähe einer schiitischen Moschee während des Freitagsgebets eine Bombe. Es gab mindestens 25 Tote. Frankreich wird durch einen besonders brutalen Mord erschüttert: Nach einem Überfall auf eine Industriegasefabrik bei Lyon wurde die Leiche eines enthaupteten Geschäftsmanns entdeckt. Der mutmaßliche Täter - ein 35-Jähriger mit Kontakten zur radikal-islamistischen Szene - hatte möglicherweise geplant, die Fabrik in die Luft zu sprengen.

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Islamischer Staat "Der Terror des IS wird uns über Jahrzehnte bedrohen"

Wilfried Buchta war fünf Jahre für die UN-Friedensmission im Irak. Im Interview spricht er über die verfehlte Irak-Politik der Amerikaner, wie sie den IS zu dem machte, was er heute ist und die Konsequenzen für Europa.

ISIS-Terror in Kobane Quelle: dpa Picture-Alliance

Ob die Anschläge in Zusammenhang stehen, war unklar. Überall gab es jedoch Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Am Dienstag nächster Woche jährt sich zum ersten Mal, dass die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) das Kalifat ausgerufen hat. Die Gruppe forderte auch dazu auf, während des laufenden Fastenmonats Ramadan Attentate auf „Feinde“ des Islams zu verüben. 

Angesichts der neuen Anschläge mahnte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem entschlossenen Kampf gegen den internationalen Terrorismus. „Die Meldungen machen uns allen noch einmal klar, vor welchen großen Herausforderungen wir stehen, wenn es um den Kampf gegen Terrorismus und islamistischen Terrorismus geht.“ Bundespräsident Joachim Gauck sprach den Tunesiern sein Beileid aus.

Der Angriff auf das Hotel „Imperial Marhaba“ in Sousse - 120 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Tunis - geht nach Angaben des tunesischen Innenministeriums auf das Konto von zwei Terroristen. Später war von einem Schützen die Rede, einem tunesischen Studenten, den Sicherheitskräfte töteten. Die Rolle des zweiten mutmaßlichen Täters, der nach offiziellen Angaben festgenommen wurde, blieb unklar.

Nach Angaben von Augenzeugen begann der Überfall am belebten Strand. Dort lagen auch nach Stunden noch Leichen von Urlaubern, von Handtüchern bedeckt.

Die Führer des IS

  • Abu Musab az-Zarqawi († 2006)

    az-Zarqawi wurde 1966 geboren und 2006 getötet. Auf seinem Kopf hatten die USA ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar ausgesetzt – das entspricht dem Kopfgeld, das auf Saddam Hussein ausgesetzt war. Er galt als Experte für chemische und biologische Kampfstoffe.

    Während des Irak-Kriegs gründete er al-Qaida im Irak – der Organisation aus der heute der Islamische Staat (IS) hervorgegangen ist. Er ist für mehrere Terroranschläge und die Enthauptung des Amerikaners Nicholas Berg verantwortlich.

    Am 7. Juni 2006 töteten ihn US-Spezialkräfte nördlich von Bagdad. Nachdem zu einem Gefecht zwischen US-Militärs und Anhängern az-Zarqawis kam, forderten die US-Soldaten einen gezielten Luftschlag auf sein Lager an. Infolge dieses Luftschlags soll az-Zarqawi gestorben sein.

  • Abu Abdullah ar-Raschid al-Baghdadi (Abu Umar al-Baghdadi) († 2010)

    Die Person hinter dem Pseudonym Abu Umar al-Baghdadi ist immer schattenhaft geblieben. Nach irakischen Angaben war er ein ehemaliger irakischer Armeeoffizier. 1985 soll er in dem Widerstand gegen Saddam Hussein beigetreten sein.
    1987 floh er nach Afghanistan, um erst 1991 zurück in den Irak zu kommen. Seine Festnahme wie sein Tod wurden mehrfach gemeldet. Beobachter äußerten immer wieder die Vermutung, hinter dem Kampfnamen existiere keine reale Person – oder er wäre nacheinander von unterschiedlichen Kämpfern verkörpert worden.
    Seit 2010 sind keine Ankündigungen von ihm mehr in die Öffentlichkeit gelangt, weshalb man ihn für tot hält.

  • Abu Bakr al-Baghdadi

    Al-Baghdadi wurde 1971 im Irak geboren. Seit 2010 ist er der Anführer des IS. Seitdem er Mitte 2014 in Teilen Syriens und des Iraks das Kalifat ausgerufen hat, nennt er sich Kalif Ibrahim.
    In Bagdad soll er ab seinem 19. Lebensjahr zehn Jahre lang in einem privaten Moscheegebäude gelebt und Religion studiert haben. Sein Studium soll er zu Beginn der 2000er Jahre mit einer Promotion in Islamischen Recht beendet haben.
    Als die USA 2003 im Irak einmarschierten, gründete al-Baghdadi eine militante Islamistengruppe. 2004 soll er von US-Streitkräften im Irak interniert worden sein.
    Seitdem er 2014 das Kalifat auf syrischem und irakischem Boden ausgerufen hat, ist er nach Ansicht seiner Anhänger oberster Führer der Muslime.

Nach Angaben des tunesischen Gesundheitsministeriums sind unter den Opfern Deutsche, Briten und Belgier. Im Auswärtigen Amt hieß es dazu, die Botschaft arbeite „mit Hochdruck“ an der Aufklärung. Der Reisekonzern Tui berichtete von aktuell etwa 260 deutschen Urlaubern in Sousse. Leider müsse man davon ausgehen, dass auch Tui-Kunden unter den Opfern seien. Erst im März waren bei einem Überfall von Islamisten auf ein Museum in Tunis mehr als 20 Menschen getötet worden. Den ausführlichen Bericht zu den Terroranschlägen in Tunesien lesen Sie hier.

Knapp ein halbes Jahr nach den Mordanschlägen von Paris wurde Frankreich erneut von einem islamistischen Attentat erschüttert. Auf dem Körper des enthaupteten Manns wurden arabische Schriftzeichen entdeckt. Sein Kopf steckte auf einem Zaun, der die Fabrik in der Gemeinde Saint-Quentin-Fallavier umgibt. In der Nähe waren nach Angaben von Augenzeugen zwei schwarze Islamistenflaggen zu sehen. Es gab auch zwei Verletzte.

Am Tatort wurde der 35-jährige Yassin S. überwältigt, der wegen radikaler Tendenzen schon 2006 aufgefallen war, jedoch nicht mehr unter Beobachtung stand. Nach Medienberichten gab es weitere Festnahmen, darunter auch die Ehefrau des Verdächtigen. Der Mann soll als Lieferant gearbeitet haben. Das Opfer soll sein Chef gewesen sein, den er getötet und enthauptet haben soll, bevor er sich auf den Weg zu der Fabrik machte. Den ausführlichen Artikel zum Attentat in Frankreich finden Sie hier.

weitere Links

In Kuwait-Stadt sprengte sich nach Angaben der offiziellen Nachrichtenagentur Kuna ein Selbstmord-Attentäter während des Freitagsgebets in der Imam-Sadik-Moschee in die Luft. Neben den vielen Toten wurden auch mindestens 25 Gläubige wurden verletzt. Im Internet kursierte eine Mitteilung, in der der IS die Verantwortung übernahm. Bei einem weiteren IS-Anschlag im Nordosten von Syrien wurden nach Angaben von Menschenrechtlern mindestens 20 Menschen getötet. Den vollständigen Bericht zum Anschlag auf die Moschee in Kuwait lesen Sie hier.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte in einer Reaktion auf die Anschläge, die Verantwortlichen für diese „entsetzlichen Taten“ zur Rechenschaft zu ziehen. Auf die Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland hatten die Anschläge zunächst keine Auswirkungen. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte der dpa: „Im Moment ist es nicht seriös, irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen.“

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