Freytags-Frage: Darf man mit Lebensmitteln spekulieren?

kolumneFreytags-Frage: Darf man mit Lebensmitteln spekulieren?

Kolumne von Andreas Freytag

Weltweit hungern noch immer Millionen von Menschen. Die Schweizer sollen am Sonntag in einem Referendum über Spekulation mit Nahrungsmitteln entscheiden. Kann das den Hunger in der Welt beenden?

In der Schweiz wird am Sonntag erneut abgestimmt. Eine der Fragen, die die Bevölkerung beantworten soll, lautet: "Wollen Sie die Volksinitiative 'Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln!' annehmen?"

Diese Frage berührt ein hochemotionales Thema, denn immer noch leiden viel zu viele Menschen unter Hunger. Außerdem hat es in den vergangenen Jahren mehrfach Preisausschläge gegeben. Das hat viele Nichtregierungsorganisationen, aber auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nation (FAO) zu Kampagnen gegen Finanzgeschäfte bewogen.

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Hinter der Frage steht somit auch die These, dass Finanzmarktspekulationen mit Weizen, Baumwolle, Rinderhälften und anderen Lebensmitteln dazu führen, dass die Preise für Lebensmittel erstens volatil sind und zweitens steigen. Um diese Frage zu beantworten, bietet sich an, die Argumente theoretisch zu durchleuchten und einen Blick auf empirische Ergebnisse zu den Ursachen der Preisaufschläge zu werfen. Wir werden uns diese Zweiteilung hier sparen und die Argumente vortragen.

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Riegel von Mars und Snickers Quelle: REUTERS

Landwirtschaftliche Produktion ist recht wetterabhängig, das heißt die produzierte Menge kann stark schwanken. Dies sorgt auch für Preisschwankungen, die zunächst einmal unabhängig von der Marktorganisation und den Finanzierungsbedingungen sind. Solche Preisschwankungen können dazu führen, dass ein sog. Schweinezyklus entsteht, weil bei hohen Preisen für zum Beispiel Weizen (oder Schweine) viele Landwirte in den Weizenanbau (oder die Schweinezucht) investieren. Es ist leicht einzusehen, dass dann als Folge der gestiegenen Produktion die Preise wieder fallen.

Deswegen werden sich Anbieter zurückziehen mit der Folge von erneuten Preissteigerungen. So entsteht ein Zyklus, der übrigens gelegentlich auch auf anderen Märkten, zum Beispiel dem Arbeitsmarkt für Lehrer und Ingenieure, zu beobachten ist. Gegen diese Art von Preisschwankungen können sich Landwirte durch Terminverkauf seiner Produkte schützen. Sie nehmen entgangene hohe Gewinne in sehr guten Jahren in Kauf und schützen sich vor hohen Verlusten in schlechten Erntejahren. Im weiteren Verlauf kann der Käufer der Ware auf Termin wiederum mit dem Verkauf von Derivaten das Risiko für sich minimieren.

Im Idealfall wird dadurch eine stabile Preisentwicklung über die Zeit erreicht, zumindest im Trend. Grundsätzlich ist übrigens anzumerken, dass permanente Spekulation gegen den Trend zu Verlusten führt; anders gewendet: Im Idealfall führt Spekulation zu Glättung und nicht zu Volatilität Wie passt dies zum Befund drastisch steigender Lebensmittelpreise in den vergangenen zehn Jahren?

Darauf gibt es mehrere Antworten: Erstens ist der langfristige Trend der Lebensmittelpreise fallend, zumindest unter Berücksichtigung des real wachsenden Einkommens. Dies ist auch nachvollziehbar, denn die Nachfrage nach Lebensmittel sinkt mit steigenden Einkommen relativ – wenigstens ab einem Mindesteinkommen, das in manchen Entwicklungsländern nicht erreicht ist –, denn die Kapazität für Nahrungsaufnahme ist begrenzt. Was sich ändert, sind die Essgewohnheiten. Man isst bessere Produkte und vor allem mehr Fleisch.

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