Freytags-Frage: Eine Handelsverschwörung gegen die USA?

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US-Präsident Donald Trump.

Kolumne von Andreas Freytag

Donald Trump will Leistungsbilanzdefizite nicht länger akzeptieren – und könnte hart gegen Deutschland vorgehen. Doch sind die überhaupt ein Problem? Und was kann der Präsident wirklich dagegen tun? Vier Antworten.

Der neue Präsident der Vereinigten Staaten zeigt sich in seiner ersten Amtswoche hyperaktiv. Die Medien werden zu Feinden erklärt, die Mauer muss her, den Klimawandel gibt es nicht, die transpazifische Partnerschaft (TPP) soll rückgängig gemacht und Chicago von kriminellen Elementen gesäubert werden, die Gesundheitspolitik wird auf den Kopf gestellt. Noch nicht auf die Agenda hat es die Leistungsbilanz geschafft – irgendetwas muss ja noch für die zweite Arbeitswoche übrigbleiben.

Dabei hat die Bundesbank doch eine ordentliche Vorlage für einen neuen kernigen Tweet (wie wäre es mit „Crooked Europeans dump their bloody exports – will kill them all“) geliefert. In ihrem jüngsten Monatsbericht hat sie dargelegt, dass die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) zu einer Abwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar beigetragen haben. Nun fürchten viele Beobachter, dass die neue US-Administration die Europäer und vor allem die Deutschen wegen ihres Leistungsbilanzüberschusses attackieren werden.

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Protektionistische Maßnahmen drohten, so die Befürchtung. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat ja bereits deutlich geäußert, dass er bilaterale Handelsbilanzdefizite nicht länger akzeptieren will. Damit zeigt er wiederum ein enormes Unverständnis für gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge und gefährdet die amerikanische Volkswirtschaft.

Die Begründung dieser These ist am einfachsten mittels der Beantwortung der folgenden vier Fragen zu leisten.

Erstens: Ist ein Leistungsbilanzdefizit im Grundsatz ein Problem?
Zweitens: Was sagen uns bilaterale Leistungsbilanzüberschüsse?
Drittens: Sorgt eine Abwertung automatisch für Leistungsbilanzüberschüsse?
Viertens: Kann man die Leistungsbilanz mit Hilfe von Zöllen oder Importverboten ausgleichen?

Die Antworten auf diese Fragen hängen natürlich eng zusammen. Wenn es erstrebenswert ist, eine aktive Leistungsbilanz aufzuweisen, müsste man in der Tat Maßnahmen zu ihrer Aktivierung, also einem Überschuss, ergreifen. Die Merkantilisten haben dies geglaubt, ein Glaube, der auch heute noch viele Anhänger, vor allem in der Politik, aber auch in den Medien und sogar in der Wissenschaft hat.

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Ganz oben auf Trumps To-Do-Liste stehen die Ungleichgewichte im internationalen Handel. Doch Vorsicht: Strafzölle sind kein geeignetes Instrument, um Ungleichgewichte im internationalen Handel zu bekämpfen.

US-Dollar Quelle: dpa

Um die erste Frage zu beantworten, muss man deshalb auf die Gründe für ein Leistungsbilanzdefizit eingehen. Wie kommt ein Leistungsbilanzdefizit zustande? Es hilft zur Beantwortung dieser Frage sehr, sich die Logik der Zahlungsbilanz näher anzusehen. Die Leistungsbilanz hängt spiegelbildlich an der Kapitalbilanz, das ergibt sich aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Das Volkseinkommen kann entweder gespart oder konsumiert werden, so sagt es die Verwendungsrechnung. Die alternative Entstehungsrechnung addiert die Komponenten der Entstehung, das heißt Konsumnachfrage, Investitionsnachfrage und Exportnachfrage, und zieht die Importe davon ab. Drückt man diese simplen Rechnungen in Gleichungsform aus und zieht eine Gleichung von der anderen ab, so ergibt sich eine Identität:

Export – Importe = Ersparnis – Investition.

Mit anderen Worten. Der Leistungsbilanzüberschuss entspricht einem Kapitalbilanzdefizit (zuzüglich der Veränderung der Währungsreserven) oder ein Defizit in der Leistungsbilanz entspricht einem Überschuss an Nettokapitalströmen. Daran lässt sich nichts ändern.

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