Freytags-Frage: Ist Afrika Geschäftspartner oder Hilfeempfänger?

kolumneFreytags-Frage: Ist Afrika Geschäftspartner oder Hilfeempfänger?

Kolumne von Andreas Freytag

Es gibt immer noch viele Probleme, die in Afrika zu bewältigen sind. Dennoch könnte das Entwicklungsland für die deutsche Wirtschaft als Investitionsstandort und Markt interessant sein. Ein Grund mehr, die Doha-Rund zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen und die Ursachen der Defizite anzugehen.

Auch wenn es politisch nicht korrekt klingt: Die deutsche Wirtschaft ist vom Außenhandel abhängig wie kaum eine andere. Deshalb ist der Abschluss der Doha-Runde von enormer Bedeutung für die deutsche Wirtschaft. Man würde sich wünschen, dass der europäischen Delegation etwas einfällt, den indischen Kollegen ihre Blockade der Gespräche auszureden. Es wäre auch zu begrüßen, wenn die deutsche Regierung die Doha-Runde überhaupt zum Thema machte. Denn die Runde befasst sich mit den Entwicklungsländern, in denen eine in Europa zur Zeit nur schwer vorstellbare Dynamik entfaltet worden zu sein scheint, vor allem in den afrikanischen Ländern. Deshalb sollten die Deutschen ein Interesse am Außenhandel im Allgemeinen und an Afrika im Speziellen haben.

Neue Märkte Die Politik hat zu viel Angst vor Afrika

Die schwarz-gelbe Regierung hat die Afrikapolitik aus der Entwicklungshilfe geholt. Für die Zukunft erhofft sich die Wirtschaft noch mehr politische Unterstützung bei Investitionen auf dem schwarzen Kontinent.

Deutsche Investoren sind auf dem afrikanischen Kontinent noch eine Seltenheit. Quelle: dpa


Durchaus passend zu den Entwicklungen in der Doha-Runde geht es in der großen Koalition auch um die Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit. Unter der schwarz-gelben Koalition wurde diese tatsächlich zunehmend als wirtschaftliche Zusammenarbeit und weniger als die Verwaltung des Elends und die Ausschüttung von Hilfsmilliarden betrachtet. Dies war eindeutig ein großer Erfolg der alten Bundesregierung, denn es kann als erwiesen gelten, dass die alten Modelle der Entwicklungshilfe und der etwas herablassenden Haltung den Entwicklungsländern gegenüber ein wenig positive Wirkung haben. Diese neue Form Entwicklungszusammenarbeit hat positive Auswirkungen auf die Entwicklungsländer, aber auch auf die deutsche Wirtschaft, sofern sie die Möglichkeiten wahrnimmt, die sich ihr daraus bieten können. Man kann nur hoffen, dass die große Koalition diesen Weg beibehält.

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Was heißt dies konkret für Afrika? Moderne Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika nimmt die Ursachen der Probleme in den betroffenen Ländern in den Blick. Dies sind zum ersten institutionelle oder Governance-Probleme im weitesten Sinne, die eine weitere Entwicklung behindern. Darunter stechen Korruption, die Abwesenheit klar definierter privater Eigentumsrechte, fehlende Rechtssicherheit, Schwächen der Verwaltung und Finanzbehörden sowie schlecht organisierte Bildungs- und Gesundheitspolitik deutlich hervor. Zum zweiten sind die Wirtschaftsstrukturen oft einseitig auf wenige landwirtschaftliche Produkte oder Rohstoffe ausgerichtet, sodass drittens die afrikanischen Unternehmen zu selten gut in die sog. globalen Wertschöpfungsketten integriert sind. Konkret heißt dies, dass höhere Wertschöpfung auf Standorte außerhalb Afrikas konzentriert ist.

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