Freytags-Frage: Liegen die Märkte der Zukunft für die deutsche Wirtschaft in Afrika?

kolumneFreytags-Frage: Liegen die Märkte der Zukunft für die deutsche Wirtschaft in Afrika?

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Nairobi in Kenia - einer der wirtschaftlichen Hotspots auf dem afrikanischen Kontinent.

Kolumne von Andreas Freytag

Sechs der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt liegen in Afrika. Der Kontinent erwacht aus seinem Dornröschenschlaf. Was die deutsche Wirtschaft dort erreichen und wie sie China übertrumpfen kann.

Vor dem Hintergrund der chronischen Probleme in der Eurozone, der Krise in den Schwellenländern und der chinesischen Wachstumsschwäche sollte die exportorientierte deutsche Wirtschaft nach Alternativen suchen. Da passt es, dass der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) jüngst noch einmal betont hat, dass Afrika "aus dem Dornröschenschlaf" erwache. Dabei hat der Verband auch die Sorge geäußert, die deutsche Wirtschaft Afrika auch weiterhin vernachlässigen würde. Dieser Befund deckt sich überdies mit dem Eindruck, dass Afrika in Deutschland weitgehend als Krisenkontinent wahrgenommen wird: Ebola, AIDS, Bürgerkriege, islamischer Terror und Flucht sind die vorherrschenden Themen der letzten Monate gewesen.

Diese Wahrnehmung ist nicht angemessen. Erstens ist Afrika überaus divers, das heißt, es gibt kein einheitliches Afrika, sondern insgesamt 54 Staaten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Neben gut regierten und sicheren Ländern wie Botswana oder Ruanda stehen sogenannte Krisenstaaten ("Failed states"), in denen das Chaos herrscht, allen voran die Demokratische Republik Kongo (DRC). Das bedeutet, dass ein Urteil über Afrika als eine Einheit sich verbietet.

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Zweitens hat Afrika mehr zu bieten als Krisen. Die Wachstumsraten in der vergangenen Dekade waren auf keinem Kontinent so hoch wie in Afrika, von den zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt kommen zur Zeit allein sechs aus Afrika. Bemerkenswerter Weise ist dieses Wachstum keineswegs nur rohstoffgetrieben; seit dem Beginn der Rohstoffbaisse konnte man keine wesentlichen Bremseffekte beobachten.

Dieses Wachstum braucht Investitionen, gerade in die Infrastruktur. Man denke nur an die Energieversorgung (immer noch sind etwa zwei von drei Afrikaner nicht an das Elektrizitätsnetz angeschlossen) und das Transportwesen; es mangelt zum Beispiel an gut ausgebauten Ost-West-Straßenverbindungen und an guten Flugverbindungen. Wenn es den Afrikanern gelingen soll, sich besser in die sogenannten globalen Wertschöpfungsketten (GVC) zu integrieren, müssen sie hier Abhilfe schaffen. Dies ist auch in der sogenannten Geber-Gemeinschaft erkannt worden, so dass zahlreiche Initiativen zur Verbesserung der Infrastruktur gestartet wurden. Deutsche Firmen sind im Bereich der Energieversorgung beispielsweise bereits recht gut aufgestellt; es könnte aber noch mehr sein.

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Was für die lange Frist aber noch wichtiger erscheint: In Afrika gibt es eine wachsende Mittelschicht, die Wasserversorgung verbessert sich, das Bildungsniveau steigt, und auch die Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben steigt. Die Millenniums-Entwicklungs-Ziele sind zwar noch nicht erreicht worden, aber viele Missstände sind in der Tat beseitigt worden. Die Mittelschicht ist nicht nur ökonomisch bedeutsam, sie kann auch erheblich zur politischen Stabilisierung beitragen.

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