Freytags-Frage: Müssen wir uns vor den BRICS fürchten?

kolumneFreytags-Frage: Müssen wir uns vor den BRICS fürchten?

Kolumne von Andreas Freytag

Die so genannten BRICS-Staaten trafen sich diese Woche zum fünften Mal, um über ihre Rolle in der Weltwirtschaft zu sprechen. Verantwortung dafür wollen sie allerdings nicht so recht übernehmen.

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Indiens Premierminister Manmohan Singh, Chinas Präsident Xi Jinping, Südafrikas Präsident Jacob Zuma, Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff und Russlands Präsident Wladimir Putin posieren in Durban.

Während sich der Westen, allen voran die Eurozone, größte Mühe gibt, seinen Wohlstand zu verspielen, wollen die Menschen in den Schwellen- und Entwicklungsländern aufholen und ihren Anteil am weltweiten Wohlstand erarbeiten. In der Tat wirkt der Westen gegenüber den dynamischen Schwellenländern, allen voran China und Indien, sehr müde. Wachstumsraten von knapp zehn Prozent sind dort schon lange die Realität, hingegen sich die Regierungen hier verzweifelt – und recht dilettantisch – gegen eine weitere Verlängerung und Vertiefung der Krise zu wehren versuchen.

Für manchen steht gar eine neue Weltordnung bevor, in der die Schwellenländer eine führende Rolle spielen werden. Als Beispiel seien die BRICS genannt. In den fünf Mitgliedsländern – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – erwirtschaften 40 Prozent der Weltbevölkerung rund ein Viertel des Weltsozialprodukts. Mit steigender Tendenz. Diese Gruppe hat aber nicht nur ökonomisch einiges Gewicht; zwei ihrer Mitglieder, nämlich Russland (als Öl- und Gaslieferant) und China (als größter Sparer und Gläubiger der Welt und ansonsten sowieso) sind auch politische Giganten. Indien, Brasilien und Südafrika spielen zumindest auf ihren jeweiligen Kontinenten eine Hauptrolle. Ein Ziel der BRICS-Länder ist es, eine stärkere Unabhängigkeit und Abgrenzung vom „westlichen Modell“ zu erreichen.

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Das allein reicht natürlich noch nicht aus, um die Weltordnung neu zu schreiben, zumal nicht ganz klar ist, ob und inwieweit die Interessen dieser fünf recht unterschiedlichen Länder harmonieren. So sind Indien, Brasilien und Südafrika (die auch noch in einer gemeinsamen Gruppe, der IBSA, organisiert sind) Demokratien, während Russland und China eher als totalitäre Systeme einzustufen sind. Südafrika als das jüngste Mitglied der BRICS wiederum ist wesentlich kleiner als seine vier Partner. Manche Beobachter kommentieren, Südafrika boxe jenseits seiner Gewichtsklasse und argwöhnen, die Aufnahme Südafrikas sei vor allem durch China wegen seines dann wahrscheinlich verbesserten Zugangs zu den Ressourcen Afrikas forciert worden. Südafrika versucht bereits seit langem, eine wichtige Rolle als “Gateway to Africa“ einzunehmen. Gleichzeitig gibt sich die südafrikanische Regierung recht liebdienerisch gegenüber der chinesischen Führung, was nicht nur im Inland Kritik erzeugt.

Schwellenländer BRICS-Staaten gründen eigene Entwicklungsbank

Sie möchten sich vom Dollar und der Weltbank abnabeln: Kurz vor Beginn ihres Gipfeltreffens kündigen die BRIC-Staaten die Gründung einer eigenen Entwicklungsbank an. Sie wollen ihre eigene Währung stärker nutzen.

Rousseff und Thembelani Thulas Nxesi Quelle: REUTERS

Die BRICS-Länder erzeugen im Moment jedenfalls nicht nur ökonomisch eine hohe Dynamik, wie der fünfte BRICS-Gipfel in Durban in dieser Woche deutlich machte. Es wurde dort als zentrales Ergebnis beschlossen, stärker bei der Fakturierung von Handel auf eigene Währungen zu setzen sowie eine eigene Entwicklungsbank zu gründen. Allerdings stehen weder der Sitz der Bank, die genauen Aufgaben noch Details der finanziellen Ausstattung fest. Es scheint geplant, in den Entwicklungsländern Projekte zur Entwicklungsförderung zu finanzieren. Die Bank soll dem Vernehmen nach streng marktwirtschaftlichen Gesetzen folgen. Allerdings wird noch einige Zeit vergehen, bis die Bank die Arbeit aufnehmen kann.

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