Freytags-Frage: Warum schwächeln die BRICS-Staaten?

kolumneFreytags-Frage: Warum schwächeln die BRICS-Staaten?

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Kolumne von Andreas Freytag

Sie wollten dem Westen Konkurrenz machen, doch seit einige Zeit schwächeln die führenden Schwellenländer - wirtschaftlich wie politisch. Das ist für Europa und die USA allerdings keine gute Nachricht.

In den letzten Jahren ist viel davon zu hören gewesen, dass es Zeit sei, die westliche Hegemonie in der Weltwirtschaft zu überwinden. Gemeint war das liberale Gesellschaftsmodell mit Demokratie, methodologischem Individualismus, offenen Märkten und Wettbewerb. Als Resultat dieses Modells existiert eine von Offenheit und Nichtdiskriminierung geprägte Welthandelsordnung. Diese hat den Entwicklungs- und Transformationsländern gerade die Möglichkeit gegeben, sich in die globale Arbeitsteilung zu integrieren. Länder, die die Integration vorangetrieben, konnten viele Menschen aus der Armut befreien, z.B. Polen oder China. Wer sich verweigerte, stagnierte zumindest, z.B. Kuba oder Nordkorea.

In diesem Zusammenhang wird den sogenannten BRICS-Ländern, also Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika die Chance eingeräumt, ein Gegengewicht zu den OECD-Ländern, darunter vor allem die Vereinigten Staaten (USA) und die Europäische Union (EU) zu bilden. Die BRICS selbst haben wiederholt diesen Anspruch formuliert, zuletzt mit der formalen (noch nicht materiellen) Gründung einer eigenen Entwicklungsbank, die Projekte in den BRICS selbst und in Entwicklungsländern fördern soll. Eine Abkehr vom westlichen Modell wird dabei immer wieder als Leitmotiv angedeutet.

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Interessanterweise wird die Kritik am Westen vor allem an den letzten beiden Punkten (Marktwirtschaft und Wettbewerb) festgemacht, ohne dabei zu berücksichtigen, dass es eine Interdependenz der Wirtschaftsordnung mit der Gesellschaftsordnung gibt. Während die – zumeist wohlhabenden westlichen – Kritiker des liberalen Modells die Demokratie hochhalten, scheinen sie sich eine nicht klar definierte Alternative zur Marktwirtschaft zu wünschen. Demokratie kann aber ohne Marktwirtschaft nicht existieren. Kollektivierung von Privateigentum in Verbindung mit Monopolisierung erstickt die Eigeninitiative und die Innovationskraft; sie fördert Nepotismus und Korruption. Letztendlich muss sie in den Totalitarismus führen.

Politischer Sprengstoff

Sehr wohl können sich aber Autokratien öffnen und eine Weile wirtschaftlich wachsen, ohne sich politisch zu öffnen. China bildet dafür das gegenwärtig prominenteste Beispiel; ein anderes Beispiel ist Chile in den 1970ern. Die empirische Evidenz ist nicht eindeutig: In der mittleren Frist sind Demokratien den Autokratien hinsichtlich des Wirtschaftswachstums nicht eindeutig überlegen.

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Spannend wird es aber zu beobachten, wie sich die Autokratien im Zuge der wirtschaftlichen Öffnung weiterentwickeln. Es ist nachvollziehbar, dass die Menschen zunächst materielle Ziele haben, zumal wenn sie – wie in die überwiegende Mehrzahl der Chinesen Ender der 1970er Jahre – in bitterster Armut leben müssen. Die politische Unterdrückung mag im Aufstiegsprozess für die Mehrheit in den Hintergrund rücken. Mit steigendem Wohlstand ändert sich dies – politische Freiheiten gewinnen an Bedeutung, zumal auch China nicht ewig in dem bisherigen Tempo weiterwachsen wird. Die Erfahrung Deutschlands und anderer nach dem Krieg schnell wachsender Länder legt nahe, dass es zu einer Verlangsamung des chinesischen Aufstiegs kommen muss, wenn der Wohlstand steigt. Das könnte politischen Sprengstoff bergen.

Noch eines ist bemerkenswert: Gerade Chinas Aufstieg entspricht nicht im Geringsten der Kritik am westlichen Kapitalismus. Hier führt ein Land den Wettbewerb und eine – wenn auch limitierte – Marktwirtschaft ein, ohne sich politisch zu öffnen und ist damit zunächst erfolgreich. Gewünscht wird aber eine umfassende Demokratie bei Abschaffung des Kapitalismus, wie gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.

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