Freytags-Frage: Was bleibt von den Olympischen Spielen?

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Die Olympischen Spiele in Sotchi sind die teuersten aller Zeiten. Rentieren wird es sich für Russland aber nicht

Kolumne von Andreas Freytag

Die Winterspiele in Sotschi nähern sich dem Ende. Was bleibt sind horrende Kosten für den Steuerzahler und Umweltschäden. Die Bürger gehören zu den Verlierern der Spiele.

Die Olympischen Winterspiele 2014 gehen in ihre letzten Tage. Die Jugend der Welt (z.B. Frau Pechstein) hat sich im fairen Wettkampf gemessen, und es gab viele verdiente und viel überraschende Sieger zu feiern; manche Favoriten stürzten im übertragenen und im wörtlichen Sinne. Insgesamt schöner Sport.

Also alles in Ordnung? Meines Erachtens nicht. Gerade die Winterspiele in Sotschi geben Anlass zum Nachdenken. Zum ersten sind sie die teuersten in der Geschichte der Winterspiele; ihre Kosten sollen etwa bei der Summe aller anderen Winterspiele der Neuzeit liegen. Von mindestens 30 Milliarden US-Dollar ist die Rede, die entweder direkt vom russischen Steuerzahler oder von Staatsunternehmen getragen, also letztlich auch vom Steuerzahler. Einige private Investoren kommen hinzu. Die Auftragsvergabe soll nicht völlig ohne Nepotismus und Korruption vorgegangen sein, auch keine echte Überraschung.

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Gastgeber von Olympia Chance und Risiko für aufstrebende Staaten

Das Austragen von Großereignissen wird immer teurer. Aber zahlt es sich für die Gastgeber aus? Vor allem Schwellenländer versprechen sich viel - Prestige und wirtschaftlichen Nutzen. Die Rechnung geht nicht immer auf.

Gastgeberland von Großereignissen wie den Olympischen Spielen zu sein, zahlt sich wirtschaftlich kaum aus. Quelle: dpa

Damit reiht sich dieses Olympia in Sotschi in die vielen sportlichen Großereignisse ein, die für die veranstaltenden Länder finanziell einen massiven Verlust brachten. Die Veranstaltungsorte selber haben bisweilen gewinnen können, so z.B. München von den Olympischen Sommerspielen 1972 oder Hannover von der WM 2006 (wohl in Verbindung mit der Expo 2000). Manche Sportstätten werden aber nur für die Spiele selber gebaut und anschließend kaum noch genutzt; man denke an das Stadion in Kapstadt, das im Grunde ungenutzt ist (von einigen Rockkonzerten abgesehen). Volkswirtschaftlich sind sportliche Großveranstaltungen kein überzeugendes Geschäftsmodell.

Russland schneidet schlechter ab als Südafrika

Wie verhält es sich zweitens mit den politischen Erträgen? Im Falle der Fußball-WM 2010 kann man wohl mit Recht von einem Imagegewinn der Gastgeber sprechen. Alle vorher geäußerten Befürchtungen – Gewalt, leere Stadien, Verkehrschaos, Stromausfälle – haben sich nicht bewahrheitet. Stattdessen gab es gute Spiele mit fairem Publikum; sogar die Bafana Bafana, die südafikanische Nationalmannschaft, konnte einigermaßen überzeugen. Im Falle der diesjährigen Winterspiele kann man sich da nicht so sicher sein. Protzige, aber oftmals schlecht funktionierende Bauten, extremste Sicherheitsvorkehrungen und offenbar unterdrückte Meinungsfreiheit, die zudem noch durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) unterstützt wird – sogar Trauerflor war als politische Meinungsäußerung nicht gestattet –, werfen kein gutes Licht auf die russische Regierung.

Das hat sogar dazu geführt, dass die sonstigen Gewinner solcher Großveranstaltungen, nämlich die Regierungsvertreter der Teilnehmerländer ihre Reisetätigkeit weitgehend eingestellt haben. Wer erinnert sich nicht gerne an jubelnde Minister, Bundeskanzlerinnen in Fußballerkabinen und ähnlich schöne Bilder? Sie fehlen dieses Mal. Bundespräsident Gauck hat ein Zeichen gesetzt, indem er seine Teilnahme abgesagt hat; Präsident Obama hat eine homosexuelle ehemalige Spitzensportlerin als Botschafterin der USA gesandt. Diese Gesten sollten nicht unterbewertet werden. Auf jeden Fall sind deutsche Spitzenpolitiker deutlich gehemmt, ihr übliches Brot-und-Spiele-Verhalten an den Tag zu legen. Gut so!

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