Freytags-Frage: Was ist das Problem des IWF?

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kolumneFreytags-Frage: Was ist das Problem des IWF?

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Will der IWF an Schlagkraft hinzugewinnen und den strukturellen Wandlungen der Weltwirtschaft gerecht werden, sollte bald damit begonnen werden, einige, teils grundlegende Veränderungen umzusetzen.

Kolumne von Andreas Freytag

Der Internationale Währungsfonds wirkt verunsichert, darüber können auch die markigen Worte von IWF-Chefin Christine Lagarde nicht hinwegtäuschen. Die Institution braucht eine neue Denke.

Gegenwärtig findet das Frühjahrstreffen von Internationalen Währungsfonds (IWF) und Weltbank statt, das insgesamt eine Woche dauert und am kommenden Sonntag beendet wird. Zahlreiche Themen zur Geld-, Währungs- und Fiskalpolitik auf der einen und Entwicklungspolitik auf der anderen Seite werden diskutiert; erwähnenswert sind einige Veranstaltungen zur Zukunft der Makroökonomik sowie detaillierte Betrachtungen entwicklungspolitischer Alternativen.

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Dieses Themenspektrum spiegelt erstens die generelle Arbeitsteilung zwischen dem (IWF) und der Weltbankgruppe wider. Ersterer soll sich um Zahlungsbilanzungleichgewichte, Währungskrisen und andere kurzfristigen makroökonomische Krisen kümmern, während die Weltbank für Strukturprobleme und deren Lösung, also für langfristige Entwicklung zuständig sein soll.

Zweitens deutet sich an, dass die beiden Institutionen nicht gleichermaßen gut aufgestellt sind. So wirkt der Internationale Währungsfonds auf der Suche nach grundsätzlichen Strategien zur Bewältigung der multiplen Krisen (Weltfinanz- und -wirtschaftskrise auf der einen, europäische Staatsschuldenkrise auf der anderen Seite) etwas überfordert, während die Weltbank den Eindruck vermittelt, sich gefangen zu haben und Politik zu machen, die im Einklang mit neuen entwicklungspolitischen Erkenntnissen ("Institutions matter!") ist.

Was ist das Problem des IWF, der im Augenblick verunsichert wirkt? Zunächst fällt auf, dass einige vormals anerkannte Zusammenhänge immer weniger Gültigkeit haben. So wird die Geldpolitik zwar immer expansiver, aber die relevante Geldmenge M3 verändert sich nicht (zumindest nicht in diesem Maße). Somit verpufft die zur Stimulierung angelegt Geldpolitik in den Industrieländern, schafft aber zugleich andere potentielle Probleme. Es droht Inflation am langen Ende, und die Regierungen werden immer stärker von niedrigen Zinssätzen abhängig, wie in Japan und in der sog. Peripherie der Eurozone zu beobachten. Insofern ist es nachvollziehbar, dass der IWF zwei Tage des Frühjahrstreffens zum Thema "Rethinking Macro Policy" verbringt.

Konjunkturausblick IWF schießt sich auf Europa ein

Der Internationale Währungsfonds kritisiert: Die schwache Wirtschaft im Euro-Raum ziehe die Weltwirtschaft runter. Die EZB solle nun eingreifen.

Brennende Euro-Münzen Quelle: dapd

Es wirkt allerdings nicht so, als ob den Verantwortlichen bislang allzu viel eingefallen wäre. Die in dieser Woche ebenfalls formulierte Sorge um Europa und die damit verbundenen Forderungen an die Akteure atmen den keynesianischen und interventionistischen Geist, für den der IWF seit seiner Gründung als eine der Bretton-Woods-Institutionen steht: Die EZB soll den Zins senken, denn die Zinsen seien für einige Länder zu hoch. Deutschland soll die Staatsausgaben steigern, denn es geht dem Land doch so gut! Alles wie gehabt; die Erfolgsaussichten dieser Empfehlungen dürften gering sein. Pflichtgemäß werden zudem Strukturreformen eingefordert, der bisherige Pfad der Eurozone wird gelobt; auch das ist bekannt aus der Geschichte der Artikel IV-Konsultationen. Der Grund dafür dürfte in der Organisationsstruktur des IWF (s.u.) liegen. Eventuell muss man einige Abstriche machen, was die wirkliche Auffassung der Ökonomen im IWF angeht. Die Leitung scheint eine französische Domäne zu sein, auch der Chefökonom ist ein Franzose. Dies erklärt vielleicht keynesianische, staatsgläubige Empfehlungen wenigstens zum Teil; wir erinnern uns: Die erste Empfehlung, die weltweiten Inflationsziele von zwei auf vier Prozent anzuheben, kam ebenfalls aus dem IWF, formuliert vom Chefökonomen.

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