Freytags-Frage: Was kommt nach Nelson Mandela?

kolumneFreytags-Frage: Was kommt nach Nelson Mandela?

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Blumen und Kerzen wurden vor einem Bild Mandelas niedergelegt. Südafrika trauert um seinen Nationalhelden.

Kolumne von Andreas Freytag

Nelson Mandela, der große alte Mann Südafrikas, wenn nicht des ganzen afrikanischen Kontinents, ist tot. Überall in der Welt herrscht Trauer - und die Hoffnung, dass mit Mandela nicht auch sein Erbe dahingeht.

Überall wird der enormen Integrations- und Aufbauleistung des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela gedacht. Und überall wird vermutlich im Stillen gehofft, dass mit dem Menschen Mandela nicht auch sein Erbe dahingeht. Denn die menschliche und diplomatische Größe, die Mandela ausstrahlte, ist nicht allen seinen Nachfolgern und potentiellen Nachfolgern in der afrikanischen Politik gegeben.

Nun ist es nicht so, dass der auch respektvoll Madiba (nach seinem Clan) genannte Nelson Mandela seine Interessen bzw. die seines Volkes (in diesem Fall die schwarzen Südafrikaner) nicht energisch und mit harten Bandagen vertreten hätte. Seine Verhandlungsführung am Ende der Apartheid war hart und gekonnt. Das ist sowohl rational als auch angesichts der Verhärtungen und Erniedrigungen während der Apartheid verständlich. Insgesamt waren die Verhandlungen für den African National Congress (ANC) erfolgreich.

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Gleichzeitig aber hat Mandela den Verstand und die Größe besessen, die Interessen der weißen und anderen Minderheiten im Land zu berücksichtigen und in Friedens- und Versöhnungskommissionen dafür zu werben, ein buntes tolerantes Südafrika, eine Regenbogennation zu schaffen. Als Präsident war er sehr integrativ und hat Südafrika wieder in die Staatengemeinschaft zurückgeführt.

Es ist nicht nur für Südafrika von immenser Bedeutung, dass dieser Weg der friedvollen Integration aller Gruppen weiter beschritten wird. Nur dann kann es gelingen, die hohe Arbeitslosigkeit zu verringern, die Ungleichheit von Einkommen und Vermögen zu beseitigen und die Funktion Südafrikas als Tor zu Afrika aufrecht zu erhalten. Die Welt wird genau hinschauen, ob Südafrika als Demokratie Bestand hat.

Dafür sprechen einige Gründe. Erstens gibt es inzwischen eine schlagkräftige Opposition im Lande. Die Democratic Alliance der Anti-Apartheid-Aktivistin Helen Zille regiert mit großem Erfolg die Provinz Western Cape. Diese ursprünglich weiße Partei hat inzwischen viele schwarze Wähler. Es werden ihr gute Chancen eingeräumt bei den nächsten Provinzwahlen neben dieser Provinz auch Gauteng (mit den Metropolen Johannesburg und Pretoria) zu gewinnen. Außerdem hat sich vor wenigen Monaten unter der Leitung von Mamphele Ramphele, der ehemaligen Weltbank-Direktorin und Witwe Steve Bikos eine weitere Partei mit dem Namen Agang gegründet. Auch Julius Malema, der vom ANC verstoßene ehemalige Kopf der ANC Youth League, hat im Oktober dieses Jahres eine Partei am linken Rand des politischen Spektrum gegründet. Somit scheint sich eine eher normale Parteienlandschaft mit konkurrierenden Politikmodellen herauszubilden; bisher hatte man eher den Eindruck, der ANC verstünde sich immer noch als Bewegung und nicht als Partei. Als Konsequenz schien im ANC nur ein sehr geringer Druck, wohlfahrtsteigernde Politik zu betreiben, verspürt worden zu sein.

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