Freytags-Frage: Wie viel darf die Großwildjagd kosten?

kolumneFreytags-Frage: Wie viel darf die Großwildjagd kosten?

Kolumne von Andreas Freytag

350.000 US-Dollar für eine Lizenz zur Nashornjagd. Das schürt Proteste bei Tierschützern. Welche Vermarktungsmöglichkeiten es für Großwild gibt und welche Auswirkung das für den Tourismus hat.

Demnächst wird wieder ein Großwildjäger ein Nashorn erlegen, und zwar in Namibia. Dieses ist bereits reserviert für ihn (es wird stillschweigend angenommen, der anonyme Jäger sei männlich), und er hat dafür gezahlt.

Seitdem diese Nachricht bekannt ist, hat die öffentliche Diskussion darüber, ob Natur einen Preis haben darf, wieder Fahrt aufgenommen. Darf man das Recht, ein Tier in Afrika zu erlegen, kaufen? Sollte man nicht stattdessen die Großwildjagd ganz verbieten? Die Auktion musste übrigens unter Sicherheitsvorkehrungen abgehalten werden, weil es Drohungen gegen die Betreiber gab. Tierschutz als Mordunternehmen? Wenn man annimmt, dass die meisten Menschen den Tierschutz befürworten, sollte man die Debatte sachlich führen und einen Blick auf die Sachlage werden.

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Fakt ist, das sich die Bestände verschiedener Großwildarten in Afrika sehr unterschiedlich entwickeln. Dies gilt nicht nur für verschiedene Arten im Vergleich miteinander, sondern auch für den internationalen Vergleich innerhalb derselben Art. Die Anzahl an schwarzen Nashörnern in Südafrika ist seit den 1990er Jahren gestiegen, während sie in Kenia abgenommen hat. Es leben viele Löwen im südlichen Afrika, aber der Bestand in Westafrika nimmt ständig ab, sodass dort sogar das Aussterben der Großkatze befürchtet wird.

Freytags-Frage Wie nachhaltig ist Afrikas Aufschwung?

Etliche Länder Afrikas haben die Korruption reduziert, die Ansteckungsraten für Krankheiten verringert und die Einschreibraten in Schulen erhöht. Wandelt sich Afrika vom Hilfeempfänger zum Partner?

Afrika ist im Begriff, den Status des Bedürftigen zu verlassen und ein Partner zu werden. Quelle: Marcel Stahn für WirtschaftsWoche

Es scheint sich hinter diesen Befunden ein Muster zu verbergen. Das Aussterben droht vor allem dort, wo die Menschen die Fauna nicht für sich nutzen können, wo sie für die Menschen wertlos ist. Dort hingegen, wo das Großwild vermarktet werden kann, sieht es besser aus.

So stellt im südlichen Afrika Großwild aus Sicht der Menschen einen Wert dar, den sie vermarkten können. Dies geschieht in der Regel auf wenig martialische Weise, nämlich auf Fotosafaris. In den letzten Jahrzehnten sind etliche Lodges entstanden, und in zahlreichen Nationalparks können Besucher die Tiere beobachten. Diese Form von Tourismus ist relativ nachhaltig, und sie schafft viele Jobs, denn Tourismus ist ein arbeitsintensiver Sektor. Weitere Arbeitsplätze werden in Souvenirgeschäften, Restaurants, Autovermietungen und anderen Branchen geschaffen. Tourismus ist also positiv korreliert mit Artenreichtum und Biodiversität. Da Tourismus mit steigendem Einkommen überproportional nachgefragt wird, es sich also um ein sogenanntes superiores Gut handelt (Einkommenselastizität größer als eins), bietet er gute Chancen für eine positive Entwicklung in Afrika (und anderen unterentwickelten Regionen der Welt). Zahlreiche empirische Studien zeigen diesen Zusammenhang.

Manchmal sind dann auch Großwildjäger unterwegs, die jedes Mal einen hohen fünfstelligen oder gar einen sechsstelligen Betrag für einen Abschuss zahlen. Im jetzt bekanntgewordenen Fall soll ein alter Bulle erlegt werden, und der Erlös soll in den Tierschutz fließen. Dem Vernehmen nach unterstützen sogar einige Tierschützer den Abschuss des alten Nashorn-Bullen in Namibia.

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