Fünf Fragen zu Syrien: Was ein Syrien-Einsatz bedeutet

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Fünf Fragen zu Syrien: Was ein Syrien-Einsatz bedeutet

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Niemand weiß genau, was bei einem Kriegseinsatz herauskommt. Das haben die Amerikaner in Afghanistan und im Irak gelernt.

von Jacqueline Goebel und Artur Lebedew

Nach den Giftgas-Attacken in Syrien scheint eine Intervention der Westmächte kurz bevorzustehen. Dabei drängen sich einige Fragen unvermeidbar auf: Wie teuer wird der Einsatz werden? Und: Wie beteiligt sich Deutschland?

1. Wie könnten die Westmächte in Syrien eingreifen?

Bei der Diskussion geht es darum, ob die Westmächte selbst in den Krieg eingreifen oder die Assad-Gegner unterstützen. Im zweiten Fall müssten die Alliierten die Aufständischen massiv mit Waffen beliefern. Die Lieferungen könnten allerdings in die falschen Hände gelangen. Denn unter den Aufständischen gibt es nicht viele radikale Islamisten, die aus amerikanischer Sicht viel gefährlicher sind als Assad.

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Die Alternative sind direkte Angriffe: Präsident Obama erwägt einen kurzen, nur zwei Tage dauernden Luftwaffeneinsatz gegen die syrischen Einheiten. Ziel soll es sein, Assad an weiteren Giftgasangriffen zu hindern, meldet die „Washington Post". Obama möchte so verhindern, tiefer in den Konflikt hineingezogen zu werden.

Pufferzonen für Zivilisten als sicherer Rückzugsort stehen nicht zur Debatte, weil die Westmächte dafür Bodentruppen einsetzen müssten. Die Folgen wären viele tote und verletzte amerikanische Soldaten. Auch die Einrichtung einer Flugverbotszone wäre gefährlich: Erst einmal müsste Assads Luftabwehr ausgeschaltet werden.  Eine Entscheidung soll noch in dieser Woche fallen.

Fragen und Antworten zum giftigen Sarin-Gas

  • Was ist Sarin?

    Das Nervengas Sarin zählt zu den giftigsten Kampfstoffen, die je hergestellt wurden. Die Phosphorverbindung wird durch Einatmen und über die Haut aufgenommen.

  • Wie hoch ist die tödliche Dosis?

    Schon ein Milligramm Sarin kann in Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen.

  • Seit wann gibt es Sarin?

    Das Gas wurde Ende der 1930er Jahre von deutschen Chemikern als Insektenvernichtungsmittel entwickelt und im Zweiten Weltkrieg als Kampfstoff produziert, aber nicht eingesetzt. Der Einsatz von Giftgas bei bewaffneten Konflikten gilt nach allen internationalen Konventionen als Kriegsverbrechen.

  • Besitzt Syrien große Mengen des Giftgases?

    Das Institut für Strategische Studien in London geht davon aus, dass Syrien seit den 1970er Jahren große Mengen Chemiewaffen produziert hat, darunter auch Sarin. Sein Arsenal gilt als das größte der Region und das viertgrößte weltweit. Sicherheitsexperten befürchten, dass das Giftgas von dort in die Hände von Terroristen gelangen könnte.

  • Gab es schon Terrorakte mit Sarin?

    Bereits 1995 war Sarin bei einem Anschlag eingesetzt worden. Die Aum-Sekte tötete damals mit dem Gas in Tokios U-Bahn zwölf Menschen, Tausende wurden verletzt.

2. Was würde ein militärischer Eingriff kosten?

Niemand weiß genau, was bei einem Kriegseinsatz herauskommt. Das haben die Amerikaner in Afghanistan und im Irak gelernt.

Auch Vergleiche mit Interventionen in anderen Ländern, wie Libyen oder Mali verzerren das Bild. Das syrische Militär ist sehr viel besser ausgerüstet. Eine Flugverbotszone durchzusetzen wäre daher wesentlich schwieriger.

Wie teuer eine militärische Intervention werden könnte, deutete vor wenigen Wochen US-Generalstabschef Martin Dempsey an. Gegenüber dem Kongress bezifferte er die Kosten der verschiedenen Militäroptionen für die USA: Weil für eine Flugverbotszone hunderte Kriegsflugzeuge nötig wären, lägen die Kosten bei einer Milliarde Dollar im Monat. Genauso viel würden Pufferzonen kosten, in denen Rebellen und Zivilisten vor Angriffen der syrischen Armee sicher wären. Wenn die Amerikaner die Kontrolle über Syriens Chemiewaffen erlangen wollte, müssten sie auch dafür eine Milliarde Dollar im Monat einsetzen. Hunderte Kampflugzeuge müssten eingesetzt werden, um Fabriken und Lager zu zerstören.

Mit 500 Millionen Dollar Kosten im Jahr ist die gezielte Beratung und auch Ausbildung der Rebellen die günstigste Option.

3. Kann Präsident Obama noch einen Krieg verkraften?

Sprengstoff ist die Frage, ob die USA noch einmal militärisch in den Nahen Osten eingreifen auf jeden Fall. Die Mehrheit der US-Amerikaner ist gegen eine Intervention in Syrien - auch, wenn das Assad-Regime Giftgas eingesetzt haben sollte. Nur neun Prozent der amerikanischen Bevölkerung ist laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters der Überzeugung, dass Obama den Einmarschbefehl geben sollte. Hinzu kommt die finanzielle Belastung des schon überspannten Haushalts durch eine Intervention.

Ein militärischer Eingriff dürfte Obamas Beliebtheit also weiter schmälern: Er ist der Präsident, der die amerikanischen Soldaten aus dem Nahen Osten zurückholen wollte.

Doch die Drohung, dass Syrien mit einem Giftgaseinsatz eine rote Linie überschreiten, kann Obama nicht zurücknehmen.

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