Fußball: Fifa will Quote für einheimische Fußballspieler

Fußball: Fifa will Quote für einheimische Fußballspieler

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Lahm und Podolski

Fifa-Chef Joseph Blatter kämpft erbittert für eine Ausländerbeschränkung im Fußball. An 2010 sollen in den europäischen Vereinen sechs einheimische Kicker auf dem Rasen stehen. Die EU-Kommission lässt ihn auflaufen.

Seine Mitarbeiter sprachen von einem „Blitzbesuch“. Doch das Bemerkenswerte an Joseph Blatters Reise nach Prag war nicht der kurze Aufenthalt, sondern sein Gesprächspartner. Am Nachmittag des 23. Februar traf sich der Präsident des Weltfußballverbands Fifa mit dem tschechischen Präsidenten Vaclav Klaus. Der hat derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne und nutzt sie fleißig, um gegen die EU zu wettern.

Blatter konnte in Prag auf einen Doppelpass hoffen. „Der Sport muss sich selbst regulieren“, forderte er und bat Klaus, diese Botschaft doch bitte in Brüssel weiterzutragen. Europa dürfe sich nicht in den Fußball einmischen.

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Wenn sich jemand wie Blatter einen erklärten Euroskeptiker wie Klaus als Verbündeten sucht, dann steht Gewichtiges auf dem Spiel: Blatter will im Clubfußball wieder nationale Quoten einführen. Die EU-Kommission hält das schlicht für Diskriminierung und lehnt den Vorschlag ab.

Blatter will ab 2010 die neue Regel einführen

Am Dienstag hatten Fifa-Abgesandte einen Vorstoß in Brüssel unternommen und der für Sport zuständigen Generaldirektorin Odile Quintin erklärt, warum der Fußball die sogenannte 6+5-Regel braucht. Die besagt, dass bei Spielbeginn in den nationalen Ligen, sechs der elf Spieler auf dem Rasen das Recht haben müssen, in der Nationalmannschaft mitzuspielen.

„Wir wollen die Entwicklung junger Spieler ermuntern, Nationalmannschaften schützen, die Wettbewerbsfähigkeit erhalten und Spielergebnisse offenhalten“, begründet Blatter seinen Einsatz. Ab der Saison 2010/11 soll die Regel schrittweise eingeführt werden. Den Großteil der Fifa-Mitgliedsverbände weiß Blatter hinter sich, im vergangenen Jahr haben 155 Länderdelegierte die Regel unterstützt, nur fünf Nationen stimmten dagegen. Auch der deutsche Fußballbund befürwortet die Vorgabe.

Insider vermuten, Blatter gehe es nicht um die Zukunft des Fußballs, sondern um seinen eigenen Einfluss. Mit Unbehagen hat er erkannt, wie viel Macht der europäische Ligafußball angehäuft hat. Die 6+5- Regel würde das Gewicht wieder verschieben, weil sie die Nationalmannschaften und somit die nationalen Fußballverbände stärkt. Und denen verdankt Blatter sein Amt. „In diesem Geschäft geht es immer um Macht“, sagt der Bayern-München-Vorsitzende Karl-Heinz Rummenigge.

Als Vorsitzender der Vereinigung europäischer Fußballclubs (ECA) spricht sich Rummenigge gegen Blatters Regel aus: „Das wäre ein nicht unerheblicher Eingriff in den Markt.“ Rummenigge will jahrelange Rechtsstreitigkeiten vermeiden: „Die britische Premier League hat angekündigt, dass sie juristisch Sturm laufen wird.“ Außerdem kann er sich nicht vorstellen, dass die EU-Kommission der Regel zustimmen könnte. „Bei meinen Gesprächen mit Sportkommissar Jan Figel und Sozialkommissar Vladimir Spidla bekam ich die klare Auskunft, dass die Regel nicht mit EU-Recht vereinbar wäre.“

„Der EU-Vertrag beauftragt uns, Diskriminierung zu verhindern“, sagt Spidla. „Wenn ein Mitgliedsland dieses Prinzip verletzt, indem es die 6+5-Regel zulässt, dann muss die Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten.“

Nationale Quoten im Fußball wurden 1995 abgeschafft

Eine nationale Quote hat die EU-Kommission 1995 abgeschafft. Damals hat der Europäische Gerichtshof im Fall Bosman entschieden, dass es sich bei Fußballern um Arbeitnehmer handelt, für die EU-Recht gilt. Jegliche Vorgaben zur Nationalität sind somit illegal, weil sie gegen den Grundsatz der Arbeitnehmerfreizügigkeit verstoßen.

Eine legale Alternative zur Fifa-Regel wäre die Regel, die die Uefa seit 2006 in der Champions League anwendet. Danach müssen 8 von 25 Spielern des Kaders mindestens drei Jahre im Heimatland des Clubs trainiert haben im Alter von 15 bis 21. Weil sich die im Fachjargon „Homegrown-Rule“ genannte Regel nicht auf die Staatsangehörigkeit bezieht, hat die EU-Kommission dagegen keine Einwände.

„Die Uefa-Regel funktioniert sehr gut“, sagt Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. „Wir sind gezwungen, Spieler auszubilden.“ So trainieren derzeit bei den Bayern zwei Nachwuchsspieler mit italienischem Pass, die nach der Regel als Vereinsgewächse gelten würden.

Am kommenden Mittwoch wird sich Rummenigge in Genf mit Blatter zusammensetzen, um über die 6+5-Regel zu diskutieren. „Wir müssen uns dem Thema mit großer Sensibilität nähern“, sagt der Bayern-Chef. Blatter dürfte einen anderen Stil bevorzugen. Schon bei früherer Gelegenheit hat er seine Kompromisslosigkeit angedeutet: „Solange ich Fifa-Präsident bin, werde ich diese Regel verteidigen.“

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