Fußball-WM in Südafrika: Der WM-Aufschwung bleibt aus

Fußball-WM in Südafrika: Der WM-Aufschwung bleibt aus

Bild vergrößern

Wachstum schafft kaum Arbeitsplätze. Entwicklung des südafrikanischen Bruttoinlandprodukts und offizielle Arbeitslosenquote

Südafrika wollte die Fußballweltmeisterschaft als Initialzündung eines wirtschaftlichen Aufschwungs nutzen. Daraus wird nichts - das Land braucht keine Neubauten, sondern Bildung.

Viele Südafrikaner sind jetzt schon enttäuscht. Zum Beispiel Josephine Hlatshwayo aus der Township Soweto bei Johannesburg. Sie hat sich vor drei Jahren überreden lassen, ihr Häuschen zur Touristenpension umzubauen, das hat für ihre Verhältnisse ein Vermögen gekostet. Und jetzt kommt womöglich kein einziger Gast zu ihr: „Mir wurde gesagt, dass ich von der Fifa nicht mehr gebraucht werde und selbst nach Gästen suchen soll.“ Wie das gehen soll, haben die vom Weltfußballverband angeheuerten Geschäftsleute der Frau nicht erklärt.

Die Fifa und ihr kommerzieller Sachwalter, ein Unternehmen namens Match, hatten lange von 450 000 ausländischen Besuchern des sportlichen Großereignisses gesprochen. Jetzt rechnen sie offiziell mit 300 000, obwohl es nur 230 000 Buchungen gibt. Das Land am Kap liegt eben weit weg von den Hochburgen der Fußballbegeisterung in Europa und Südamerika, und Berichte über das Kriminalitätsproblem in südafrikanischen Großstädten sind auch nicht gerade anziehend. Für die Fans aus den armen Nachbarländern ist Südafrika richtig teuer, und darum wird man Besucher vom eigenen Kontinent bei der „ WM in und für Afrika“ (Fifa-Chef Sepp Blatter) in den kommenden Wochen mühsam suchen müssen.

Anzeige

Enttäuschte Hoffnung

Schon darum ist es fraglich, ob das Großereignis den Südafrikanern den dringend nötigen Schub zu einer stabilen und weniger von Rohstoffen abhängigen Entwicklung geben kann. Gewiss: Für die mehr als sechs Milliarden Euro, die der Staat in die Vorbereitung der WM investiert hat, sind neben den wunderschönen neuen Stadien Schnellzugverbindungen fertiggestellt und Autobahnen ausgebaut worden. Bernie Krone, Chef des Baukonzerns Esorfranki, gibt sich glücklich: „Die Fußballweltmeisterschaft 2010 und all die damit verbundenen Projekte waren ein fantastisches Ereignis für die Bauunternehmen.“ Fragt sich nur, wie es nach dem fantastischen Ereignis weitergeht, wenn die großen Projekte beendet sind.

Nach den ursprünglichen offiziellen Berechnungen sollten sich die sechs Milliarden Euro aus dem Staatshaushalt schnell amortisieren – durch die Verbesserung der Infrastruktur und ganz schnell durch unmittelbare WM-Einnahmen von 5,5 Milliarden Euro. Das wäre allerdings nur möglich gewesen, wenn sich die Zahl der zu erwartenden Gäste nicht annähernd halbiert hätte.

François Mercier, Ökonom bei der Citibank in Johannesburg, rechnet immer noch mit einem ökonomisch positiven Ergebnis der WM, aber „weniger als ursprünglich erwartet“. In der Umfrage einer Nachrichtenagentur schätzten 22 südafrikanische Ökonomen das zusätzliche Wirtschaftswachstum dank der Weltmeisterschaft auf 0,1 bis 0,7 Prozent.

Südafrikas Reichtum ist eben nicht auf den Fußballplätzen zu finden, sondern unter der Erde. Weil die Weltmarktpreise für Gold, Platin, Kupfer und Eisen gestiegen sind, kommt Südafrika besser durch die Weltkrise als viele andere Schwellenländer: So erreichte der Bergbau des Landes im ersten Quartal 2010 ein Plus von 15,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dagegen verloren in diesem Jahr bereits 64 000 Bauarbeiter ihre Stelle – weil die großen WM-Projekte fertiggestellt waren. Insgesamt verzeichnete das Land nach einem Minus im Jahr 2009 von erträglichen 1,8 Prozent Anfang dieses Jahres ein Wachstumsplus von 4,6 Prozent. So gut wird es aber nicht weitergehen: Für das gesamte Jahr 2010 rechnet die OECD mit 3,3 Prozent Wachstum. Hauptproblem ist der starke Rand.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%