Futtermittelskandal: Europaweit gab es 2010 bereits zehn Dioxin-Warnungen

Futtermittelskandal: Europaweit gab es 2010 bereits zehn Dioxin-Warnungen

von Henryk Hielscher

Der aktuelle Dioxinskandal ist nicht der einzige Fall in Europa, bei dem Dioxin-Rückstände in Futtermittel nachgewiesen wurden.

Über das europaweite Schnellwarnsystem im Bereich Lebens- und Futtermittel RASFF (Rapid Alert System for Food and Feed) erließen die EU-Länder im vergangenen Jahr 387 Futtermittelwarnungen und Folgeinformationen, darunter allein zehn Dioxin-Warnungen. Sobald in der EU gesundheitsgefährdende Lebensmittel auftauchen, tauschen die EU-Länder über das RASFF-System Informationen aus. Für die Koordination in Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zuständig.

Laut einer RASFF-Übersicht, die der WirtschaftsWoche vorliegt, fanden deutsche und belgische Behörden im Oktober beispielweise Dioxine in einem kanadischen Futtermittelzusatzstoff und schickten die Ware, insgesamt 30.000 Kilogramm, zurück. Auch in niederländischem Legehennen-Futter, marokkanischem Garnelenmehl, ägyptischem Basilikum und irischem Futtermittelzusatz entdeckten Kontrolleure das Gift. Fünf Tonnen einer belasteten Futtervormischung aus Indien nahm Belgien im Dezember vom Markt, 3,4 Tonnen einer chinesischen Vormischung wurden in Deutschland beseitigt. Am 28. Dezember meldete Deutschland dann unter dem Schnellwarnhinweis 2010/1771 „Dioxin in Futterfett pflanzlicher Herkunft für Schweine und Geflügel" – der aktuelle Fall begann.

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Gleichmaßen bedrohlich lesen sich die 524 Seiten umfassenden RASFF-Schnellwarnungen für 2010 im Bereich Lebensmittelsicherheit, also für all jene Produkte, die direkt mit der menschlichen Ernährung zu tun haben. Insgesamt dürfte es danach im vergangenen Jahr nach Schätzungen mehr als 5000 solcher Schnellwarnungen gegeben haben. Allein im Dezember meldete Deutschland etwa „Fremdkörper (Metallfragmente) in Wildschwein-Pastete aus Frankreich", Salmonellen in gefrorenen Enten und Fondue-Pfannen, aus denen Blei entwich.

Auch über Glasstückchen in britischem Bier, Quecksilber in Goldmakrelen, Hepatitis-A-Viren in algerischen Datteln und Aluminium in thailändischen Reisnudeln tauschten sich die Lebensmittelkontrolleure der EU-Länder Ende 2010 aus. Im neuen Jahr entdecken die polnischen Behörden bereits „Blei in Fruchtjoghurtdessert für Kleinkinder", ihre italienischen Kollegen sichteten Cadmium in Krabben und Tintenfisch.

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