G20-Gipfel: "Hohe Exporte sind keine Gefahr"

InterviewG20-Gipfel: "Hohe Exporte sind keine Gefahr"

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Rolf Langhammer, Vizepräsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel

von Mark Fehr

US-Finanzminister Geithner will exportstarke Nationen wie Deutschland bremsen. Doch das ist der falsche Weg. Die Amerikaner sollten lieber ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken, sagt IfW-Vizepräsident Rolf Langhammer.

Professor Langhammer, warum fürchten die USA plötzlich Exportnationen wie Deutschland, China oder Japan?

Langhammer: Traditionell sind die Amerikaner stets bereite Abnehmer internationaler Güter gewesen – von Furcht konnte also lange Zeit keine Rede sein. Doch spätestens die Finanzkrise hat gezeigt: Mit Ersparnissen anderer Länder üppigen Konsum zu finanzieren, kann kein nachhaltiges Wirtschaftmodell sein. Daher wollen die USA jetzt ihren eigenen Exportsektor stärken.

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Amerikas Forderung an seine Handelspartner, Überschüsse durch Aufwertung ihrer Währungen abzubauen, entspringt also Eigennutz statt weltwirtschaftlicher Verantwortung?

Langhammer: Ja, denn verteuern sich ausländische Konkurrenzerzeugnisse, steigt der Spielraum für US-Hersteller. Diese sehen sich auch auf dem Heimatmarkt zunehmend von starken ausländischen Wettbewerbern bedroht. Amerikas Verbraucher bevorzugen oft deutsche Autos oder Textilien "made in China" gegenüber Produkten heimischer Lieferanten.

Die Lieferländer verbuchen deshalb Exportüberschüsse. Viele Politiker und Ökonomen warnen, dass dies ein gefährliches Ungleichgewicht schafft.

Langhammer: Von Exportüberschüssen einzelner Staaten geht zunächst keine Gefahr für die Weltwirtschaft aus – sofern diese nicht durch unfaire staatliche Eingriffe entstehen.

Welche unfairen Eingriffe sind das?

Langhammer: Ein Land darf die internationale Nachfrage nach seinen Produkten nicht durch gezielte Subventionen fördern. Dazu zählen billige Exportkredite oder die Manipulation des realen Wechselkurses der nationalen Währung.

So haben es die Chinesen lange Zeit gemacht, vor allem, bevor sie der Welthandelsorganisation beitraten. 

Langhammer: Die Bindung des nominalen Wechselkurses des chinesischen Yuan an den US-Dollar ist für sich genommen noch keine Wettbewerbsverzerrung. Entscheidend ist stattdessen der reale Wechselkurs. Doch es lässt sich nicht so einfach feststellen, ob dieser im Fall Chinas tatsächlich unterbewertet ist.

Verdankt Deutschland seinen Erfolg im Außenhandel unfairen Methoden?

Langhammer: Für die deutsche Industrie spielt der Wechselkurs keine so große Rolle, weil ein sehr großer Teil der Exporte in Länder der Euro-Zone fließt. Außerdem konzentrieren sich deutsche Unternehmen geschickt auf Produktionsschritte, die sie am besten beherrschen. Vorprodukte werden daher aus Ländern importiert, die diese billiger fertigen können. Übrigens: Würde die Statistik nur die Wertschöpfung berücksichtigen, die in Deutschland vollzogen wird, wäre der Überschuss im Handel mit anderen Ländern deutlich geringer.

Folgen andere Nationen dem deutschen Vorbild?

Langhammer: Ja, auch China nutzt die industrielle Vernetzung mit Nachbarländern, um Vorstufen der Produktion ins Ausland zu verlagern. Die Chinesen verdanken also längst nicht ihre gesamte Exportstärke dem günstigen Wechselkurs oder Subventionen.

Verglichen damit hat ausgerechnet die Technologiemacht USA weniger Erfolg auf dem Weltmarkt. Warum?

Langhammer: In der klassischen verarbeitenden Industrie fehlen den amerikanischen Herstellern schon auf ihrem Heimatmarkt Wettbewerbsvorteile. Viele etablierte US-Unternehmen haben die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter ebenso vernachlässigt wie die internationalen Wertschöpfungsketten. Deshalb können sie keine technisch hochwertigen Produkte hervorbringen. Der Autokonzern General Motors etwa kann gegen die ausländische Konkurrenz kaum etwas ausrichten.

Deshalb sollen wir jetzt weniger exportieren?

Langhammer: Amerika darf die Lösung nationaler Probleme nicht ins Ausland verlagern. Wenn die USA ihr Handelsdefizit abbauen und netto mehr exportieren wollen, dann müssen sie ihre eigenen wirtschaftspolitischen Weichen in Richtung Ersparnis und weniger Binnenkonsum stellen. Deshalb wäre ein Ende der extrem expansiven Geldpolitik geboten – trotz sehr labiler US-Konjunktur.

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