G20-Gipfel in London: Die Retter der Welt sind bei der Krisenbekämpfung uneins

G20-Gipfel in London: Die Retter der Welt sind bei der Krisenbekämpfung uneins

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U.S. Präsident Barack Obama und der britische Premierminister Gordon Brown mit ihren Frauen: Zwischen der EU und Amerika wird es eine harte Konfrontation geben

Morgen treffen sich die führenden Nationen in London zum G20-Finanzgipfel. In der Krise brechen jedoch Gräben auf. Während die Europäer auf eine Regulierung der Finanzmärkte drängen, fordern die Amerikaner mehr Konjunkturhilfen.

London rüstet auf: Der britische Geheimdienst, Spezialeinheiten von Scotland Yard, ein Großaufgebot der Polizei und selbst der US-Geheimdienst CIA bereiten sich seit Wochen auf den 2. April 2009 vor. Bis zu 40 bewaffnete Konvois stehen bereit, um die Staats- und Regierungschefs zwischen dem abgelegenen Tagungsort im Osten der britischen Hauptstadt und dem zentral gelegenen Regierungssitz 10 Downing Street zu eskortieren.

Eigentlich fehlt nur noch die amerikanische Atlantik-Flotte, die Präsident Barack Obama an die Themse schickt, um die Weltfinanzkonferenz der 20 führenden Volkswirtschaften (G20) wahlweise zu schützen oder auf Vordermann zu bringen. Verbal zumindest holt der Chef der Supermacht schon im Vorfeld des Londoner Treffens zum Schlag aus. „Die Vereinigten Staaten sind bereit, die Führung zu übernehmen“, rief Obama vorige Woche der Welt zu und forderte „unsere Partner“ auf, zu folgen – womit insbesondere gigantische Konjunkturhilfen gemeint sind.

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Gastgeber Gordon Brown will sich jedoch nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und verkündet seinerseits, dass „Europa beim Kampf gegen den Abschwung führen muss“. Aus dem dritten Kraftzentrum dieser Welt, aus China, kommen ebenfalls selbstbewusste Töne. Forsch verlangt Peking eine Abkehr vom Dollar als Weltleitwährung. Die Chinesen agieren aus einer Position der Stärke: Sie sind der größte Gläubiger der Supermacht USA mit Dollar-Reserven in Höhe von 1,4 Billionen, das sind 70 Prozent der gesamten Reserven. In Peking und auch in Washington spricht man bereits von „G2“, und bei diesem exklusiven Club wären die Europäer außen vor.

Inzwischen ist es vorbei mit der Harmonie bei der G20

Bei so viel politischem Testosteron verspricht der G20-Gipfel am 2. April auch für die einzige weibliche Teilnehmerin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, spannend zu werden. Zwischen Weltenrettung und totalem Fehlschlag sind alle Ergebnisse denkbar. London wird zeigen, ob die führenden Volkswirtschaften willens und in der Lage sind, die richtigen Schlussfolgerungen aus der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise zu ziehen. Zumindest ihr erstes Treffen am 15. November 2008 in Washington hatte noch in gutem Einvernehmen stattgefunden.

Unter dem Eindruck der zusammengebrochenen US-Investmentbank Lehman Brothers hatten sich die G20-Staaten dazu bekannt, künftig alle Finanzmärkte, Produkte und Marktteilnehmer einer besseren Kontrolle durch Regulierung und Aufsicht zu unterwerfen. Bundeskanzlerin Merkel und ihr Finanzminister Peer Steinbrück waren hochzufrieden, hatten sie dies doch schon vor Ausbruch der Krise im Sommer 2007 beim G8-Gipfel in Heiligendamm gefordert – damals vergeblich. Einig waren sich die G20-Teilnehmer in Washington auch, der weltweiten Rezession mit massiven Konjunkturhilfen zu begegnen.

Doch inzwischen ist es vorbei mit der Harmonie. Die wirtschaftliche Talfahrt hat rund um den Globus derart erschreckende Ausmaße angenommen, dass eine Rette-sich-wer-kann-Mentalität um sich greift. Die Prognosen sind beängstigend. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass die Weltwirtschaft 2009 zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg schrumpft. Besonders betroffen sind laut Global Insight die USA (minus 3,7 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt), die Euro-Zone (minus 3,0) und vor allem Japan (minus 6,7). Noch dramatischer ist die aktuelle Prognose der Commerzbank. Sie erwartet Einbrüche für die USA von 4,0 Prozent, für Japan von 7,0 und für den Euro-Raum von 4,5, davon für Deutschland von sechs bis sieben Prozent.

Sogar China fürchtet Abschwung

Selbst China fürchtet nach 30 Jahren ständigem starkem Wachstum einen heftigen Rückschlag. Das Wirtschaftswachstum soll sich von den gewohnten jährlichen 10 bis 13 Prozent in diesem Jahr auf fünf bis sechs Prozent verlangsamen. Zu wenig angesichts der Produktivitätsschübe und der Landflucht. Seit einigen Monaten wächst das Heer der Arbeitslosen, gewalttätige Demonstrationen vor geschlossenen Fabriktoren lehren die Regierung in Peking das Fürchten. China will mehr als 470 Milliarden Euro in diesem und im kommenden Jahr in die Infrastruktur des Riesenreiches investieren – das größte Konjunkturpaket nach dem amerikanischen.

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