_

G20-Gipfel : Obama spricht von historischem Treffen

von Yvonne Esterházy (London)

Um den Kampf gegen die schlimmste Rezession seit den 30er-Jahren aufzunehmen, haben sich die G20-Staaten auf eine Mischung aus weiteren Geldspritzen für IWF und Weltbank sowie auf striktere Regeln für die neue Finanzmarktarchitektur geeinigt.

US-Präsident Barack Obama zum Quelle: AP
US-Präsident Barack Obama zum Ende des G20-Gipfels in London Quelle: AP

Gastgeber Gordon Brown konnte zufrieden sein. Als der britische Premier seine Kollegen aus den zwanzig wichtigsten Wirtschaftsmächten der Welt am Ende ihres Gipfeltreffens in London verabschiedete, hatten die Finanzmärkte bereits ihre Zustimmung zu dem mühsam ausgehandelten Kompromiss signalisiert: In New York, London und Frankfurt schlossen die Aktienmärkte gestern Abend deutlich im Plus.

Anzeige

US-Präsident und Gipfelneuling Barack Obama – zweifellos der Star der eintägigen Veranstaltung, die in einem nüchternen Zweckbau im Osten der Londoner Docklands stattfand – sprach anschließend von einem „historischen Ereignis“. Der Präsident räumte jedoch ein, es habe „ehrliche Diskussionen und Differenzen“ gegeben und nicht alles, was ins Abschlusskommunique einging, habe auf der Prioritätenliste der USA ganz oben gestanden.

Länderhilfe statt neuer Konjunkturpakete

Tatsache ist: Obama hatte seine G20-Kollegen eigentlich zu neuen Konjunkturpaketen bewegen wollen, scheiterte mit diesem Vorhaben jedoch am Widerstand Deutschlands und Frankreichs. Beschlossen wurde stattdessen, die Gelder für den Internationalen Währungsfonds (IWF) und für die Weltbank auf über eine Billion Dollar (fast 820 Milliarden Euro) aufzustocken. Die Mittel für IWF und Weltbank helfen vor allem Ländern in Mittel- und Osteuropa sowie den Entwicklungsländern. In den vergangenen sechs Monaten hat der IWF bereits Notfallkredite von mehr als 55 Milliarden Dollar ausgezahlt -  und damit Island, die Ukraine und Pakistan vor dem Kollaps bewahrt. 

Unter dem Druck der globalen Krise gelang es immerhin, dass die zwanzig Teilnehmer des G20-Gipfels sich auf ein gemeinsames Abschlusspapier einigten und die Bereitschaft zu gemeinsamen Handeln bekundeten. Brown erklärte vollmundig: „Dies ist der Tag an dem Welt zusammenkam, um die Rezession zu bekämpfen“.

Leitlininen für Bonus-Banker

Wie unterschiedlich die Schwerpunkte dieser Erklärung anschließend interpretiert wurden, wurde jedoch bei den Pressekonferenzen der Regierungschefs deutlich. Nicht nur der politisch angeschlagene Brown sondern auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicholas Sarkozy fühlten sich bestätigt. Frau Merkel strahlte und  triumphierte geradezu, weil ihrem Drängen auf ein schärferes Regelwerk für die Finanzmärkte Rechnung getragen und gleichzeitig auf die Forderung nach neuen Stimuluspaketen verzichtet wurde. Während man sich auf deutscher Seite freute, dass die Regulierung der Hedgefonds und eine schärfere Aufsicht der Ratingagenturen nun nicht nur im Anhang erwähnt, sondern in einer eigenen „Erklärung der Staatschefs“ untergebracht wurden und dort auch Formulierungen über die künftigen Leitlinien für die Bonuszahlungen der Banker enthalten sind,  erwähnte Brown diese beiden Themen mit keinem Wort. Das ist nicht weiter verwunderlich: immerhin profitierte der Finanzplatz London jahrelang von der Laisser-faire-Haltung der Aufsichtsbehörden. 

Lesen Sie auf Seite 2, wie um ein Ende der Steueroasen und eine Erhöhung der IWF-Mittel gerungen wurde

Zu diesem Artikel
3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.04.2009, 14:39 UhrAnonymer Benutzer: grassus

    Viel war sowieso nicht zu erwarten vom Gipfel. Was allerdings jetzt"angeblich" herausgekommen ist, ist mehr als wenig, nämlich inflationierung der Probleme und keine Lösung. Die nächsten 6 Monate werden zeigen, ob überhaupt was rauskommt, ich bin eher skeptisch. Der größte witz ist die tatsache, dass der iWF Lösungen anbieten soll, diese Unfähigen haben noch nie etwas positives bewirkt.

  • 03.04.2009, 13:14 UhrAnonymer Benutzer: Ich las

    kurz vor dem Treffen einen Kommentar eines ehemaligen US-
    Finanzministers (1977 - 79) in der on- line Ausführung einer
    angesehenen deutschen Wochenzeitschrift.

    Mehr Geld, mehr Schulden, mehr Programme. So scheint es nun international abgesprochen. Aus Sicht eines älteren Deutschen,
    die Geschichte beobachtend, war ein Ergebnis in ähnlicher Form zu erwarten.

    ich kann mich gut an die z. T. bedrückenden Zustände an der Ostküste in den Vereinigten Staaten 1980 erinnern als es vielen Amerikanern an der Ostküste nicht gut ging. Der kleine Mann sprach damals von Depression, einer Zeit in der ein US-Auto
    bis nach bremerhaven schon für ca. 8000 US$ zu bekommen war. Autos verkauften sich in dieser Zeit schlecht, wie vieles andere auch.
    Man kann nur hoffen, dass auch der kleine Mann, der fleißige
    Arbeitnehmer, von dem jetzt beschlossenen Geldsegen etwas
    abbekommt, besonders der in den Vereinigten Staaten, sonst
    wird`s vermutlich im Fiasko enden. Hoffentlich nicht.

  • 03.04.2009, 11:41 UhrAnonymer Benutzer: Klumpatsch

    seit 20 Jahren läuft und wächst die Wirtschaft und das biP in Europa, Nordamerika und Asien. 2x hatte sich eine Rezission angekündigt, welche mit Hilfspaketen verhindert werden konnte. Die Mechanismen des Marktes werden nun ein drittes Mal ausser Gefecht gesetzt. Hoffen wir alle das es gelingt.

    Vielen ist nicht klar, dass eine Wirtschaft mit historisch hohen Schulden der Unternehmen und der Staaten mit noch höheren Schulden gerettet werden soll. Die Risiken liegen ganz klar in der inflationierung der Schulden wie der Guthaben. 1923 und 1948 kann man sich in der Geschicht von Papierwährungen in Deutschland ansehen, wie sowas endet.

    Die Sparer werden dabei enteignet, der Schuldner ist die Schulden los. Feine Sache wenn man zu den Schuldnern gehört.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.