G20-Gipfel : Obama spricht von historischem Treffen - Seite 2

G20-Gipfel : Obama spricht von historischem Treffen

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Deutschland und Frankreich betrachten es auch als Sieg, dass im Kampf gegen die Steueroasen nun mit härteren Bandagen vorgegangen wird. „Das Bankgeheimnis in seiner bisherigen Form wird keinen Bestand mehr haben“, sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Die OECD veröffentlichte im Anschluss an den Gipfel eine schwarze Liste auf der sich nachlesen lässt, welche Länder sich unkooperativ verhalten. Demnach haben sich nur die Philippinen, Malaysia, Costa Rica und Uruguay noch nicht zur Einhaltung der Regeln verpflichtet. Sieben Staaten, darunter die Schweiz, Österreich, Luxemburg und  Andorra, haben der OECD zufolge in den vergangenen Wochen die Standards akzeptiert, aber noch kein Abkommen mit einem anderen Land geschlossen.

Zum dem erwarteten Disput über zusätzliche Konjunkturprogramme kam es in London nicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Brown erst vor zwei Wochen auf seinem Landsitz in Chequers besucht hatte, pochte schon damals beim gemeinsamen Frühlingsspaziergang darauf, keine neuen Konjunkturpakete zu verabschieden, solange die bereits beschlossenen nationalen Maßnahmen ihre Wirkung noch nicht voll entfalten konnten. Schützenhilfe erhielt sie von Sarkozy. Briten und Amerikaner machten einen Rückzieher. 

Größte Erhöhung seit 1944

Zugeben wollte der britische Premier das natürlich nicht. Er sagte die Staaten der Welt stellten in diesem und im nächsten Jahr aus Steuermitteln insgesamt fünf Billionen Dollar bereit, um die Weltwirtschaft wieder in Gang zu bringen. Das war alles schön addiert, aber im Grunde längst bekannt. Immerhin aber wollen die G20 die ärmsten Länder und den Welthandel mit mehr als einer Billion Dollar stützen – das geschieht durch eine Verdreifachung der Mittel des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf 750 Milliarden Dollar und eine Aufstockung der sogenannten IWF-Sonderziehungsrechte um zusätzliche 250 Milliarden Dollar. „Wir sprechen hier über die größte Erhöhung der Mittel seit 1944“, betonte Brown.

Japan, die EU und China haben bereits zugesagt, die ersten 250 Milliarden Dollar für den IWF zur Verfügung zu stellen – allein China ist mit 40 Milliarden Dollar dabei. Außerdem sollen unter anderem durch Goldverkäufe des IWF weitere sechs Milliarden Dollar in den nächsten zwei bis drei Jahren für die ärmsten Ländern locker gemacht werden. Ferner werden die Weltbank und andere Entwicklungsbanken weitere 100 Milliarden Dollar für die Unterstützung armer Länder erhalten und darüber hinaus soll der Welthandel mit einer Geldspritze von 250 Milliarden Dollar angekurbelt werden.

Die G20-Runde sprach sich auch für eine grundlegende Reform des IWF aus, damit die Schwellenländer China, Indien und Brasilien, den schon lange geforderten größeren Einfluss erhalten, um damit ihrer wachsenden wirtschaftlichen Macht Rechnung zu tragen. Unter anderem ist geplant, dass bei der Besetzung der Spitzenpositionen bei IWF und Weltbank, die bisher stets von den Europäern und Amerikanern gestellt werden, künftig das Leistungsprinzip gelten soll.

Einig über Hedgefonds-Aufsicht

Ausdrücklich sprachen sich die Gipfelteilnehmer für die von Deutschland gewünschte Verschärfung der Aufsicht über Hedgefonds aus. Rating-Agenturen, die die Gefahren von Finanzprodukten beurteilen sollen, aber in der Vergangenheit vielfach versagt haben, sollen künftig ebenfalls einer strikten Kontrolle unterstellt werden. Die Reformierung des Finanzsektors ist aber eine Herkules-Aufgabe und wie so oft steckt der Teufel im Detail. In Großbritannien werden die Hedgefondsmanager bereits von der Finanzaufsicht FSA kontrolliert – nicht aber ihre oft in Steueroasen registrierten Fonds. Künftig allerdings sollen sich Hedgefonds, die mit Risikokapital Geschäfte machen, einer Aufsicht unterstellen.

Die Briten, wollen keinesfalls alle Hedgefonds kontrolliert sehen, sondern nur die „systemrelevanten“ – hier dürfte man sich noch um Definitionen streiten. Fest steht aber schon jetzt, dass die G20 dem neuen Financial Stability Board (FSB) die Aufgabe übertragen will, gemeinsam mit dem IWF ein internationales Frühwarnsystem aufzubauen und dann mit den nationalen Aufsichtsbehörden der jeweiligen Länder zusammenzuarbeiten. Auf diese Weise erhofft man sich, drohende Schieflagen von Banken schneller zu erkennen als bisher.

Kurz vor ihrem Abflug wurde Angela Merkel gefragt, ob das „Monster“, wie das Banken- und Versicherungssystem auch schon genannt wurde, nun gezähmt sei. „Es wird gezähmt“, meinte sie zuversichtlich. Obamas Einschätzung war deutlich  skeptischer. Die in London beschlossenen Maßnahmen seien notwendig gewesen, ob sie ausreichten, werde sich  zeigen. „Der Patient wurde stabilisiert, aber er hat Wunden, die noch heilen müssen und es könnte immer noch Notfälle geben“, sagte der Präsident. Schon im Herbst dürfte – möglicherweise in New York - das nächste G20-Treffen stattfinden. Sollte sich die Lage der Weltwirtschaft bis dahin nochmals verschlechtert haben, dann kommt das Thema Konjunkturpaket mit Sicherheit wieder aufs Tapet. In IWF-Kreisen heißt es jedenfalls, derzeit wisse niemand, ob die Talsohle bereits erreicht sei.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.04.2009, 14:39 UhrAnonymer Benutzer: grassus

    Viel war sowieso nicht zu erwarten vom Gipfel. Was allerdings jetzt"angeblich" herausgekommen ist, ist mehr als wenig, nämlich inflationierung der Probleme und keine Lösung. Die nächsten 6 Monate werden zeigen, ob überhaupt was rauskommt, ich bin eher skeptisch. Der größte witz ist die tatsache, dass der iWF Lösungen anbieten soll, diese Unfähigen haben noch nie etwas positives bewirkt.

  • 03.04.2009, 13:14 UhrAnonymer Benutzer: Ich las

    kurz vor dem Treffen einen Kommentar eines ehemaligen US-
    Finanzministers (1977 - 79) in der on- line Ausführung einer
    angesehenen deutschen Wochenzeitschrift.

    Mehr Geld, mehr Schulden, mehr Programme. So scheint es nun international abgesprochen. Aus Sicht eines älteren Deutschen,
    die Geschichte beobachtend, war ein Ergebnis in ähnlicher Form zu erwarten.

    ich kann mich gut an die z. T. bedrückenden Zustände an der Ostküste in den Vereinigten Staaten 1980 erinnern als es vielen Amerikanern an der Ostküste nicht gut ging. Der kleine Mann sprach damals von Depression, einer Zeit in der ein US-Auto
    bis nach bremerhaven schon für ca. 8000 US$ zu bekommen war. Autos verkauften sich in dieser Zeit schlecht, wie vieles andere auch.
    Man kann nur hoffen, dass auch der kleine Mann, der fleißige
    Arbeitnehmer, von dem jetzt beschlossenen Geldsegen etwas
    abbekommt, besonders der in den Vereinigten Staaten, sonst
    wird`s vermutlich im Fiasko enden. Hoffentlich nicht.

  • 03.04.2009, 11:41 UhrAnonymer Benutzer: Klumpatsch

    seit 20 Jahren läuft und wächst die Wirtschaft und das biP in Europa, Nordamerika und Asien. 2x hatte sich eine Rezission angekündigt, welche mit Hilfspaketen verhindert werden konnte. Die Mechanismen des Marktes werden nun ein drittes Mal ausser Gefecht gesetzt. Hoffen wir alle das es gelingt.

    Vielen ist nicht klar, dass eine Wirtschaft mit historisch hohen Schulden der Unternehmen und der Staaten mit noch höheren Schulden gerettet werden soll. Die Risiken liegen ganz klar in der inflationierung der Schulden wie der Guthaben. 1923 und 1948 kann man sich in der Geschicht von Papierwährungen in Deutschland ansehen, wie sowas endet.

    Die Sparer werden dabei enteignet, der Schuldner ist die Schulden los. Feine Sache wenn man zu den Schuldnern gehört.

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