G20-Treffen: Top-Wirtschaftsmächte schonen China

G20-Treffen: Top-Wirtschaftsmächte schonen China

Chinas Konjunkturabschwung ist ein Risiko für die Weltkonjunktur. Doch selbst beim anvisierten Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik mogeln sich die G20 um eine Schelte für Peking herum.

Allenfalls zwischen den Zeilen lassen die Top-Wirtschaftsmächte bei ihrem Treffen in Ankara die Sorge um Chinas Konjunkturflaute durchblicken. „Wir begrüßen die Stärkung der Wirtschaft in einigen Volkswirtschaften, aber das globale Wachstum bleibt unter unseren Erwartungen“, schreiben die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) am Ende in ihrer Erklärung diplomatisch.

Schon vor den zweitägigen Beratungen in der türkischen Hauptstadt musste die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nicht allzu viel Schelte der G20-Partner befürchten. Auch nicht von den Europäern, die ausnahmsweise einmal nicht wegen der Griechenland- und der Staatsschuldenkrise im Fokus stehen. „Hinter den Kulissen wird Klartext gesprochen, aber es wird niemand öffentlich an den Pranger gestellt“, fasst ein Unterhändler den nach außen hin eher sanften Umgang der meisten G20-Länder mit den Chinesen zusammen.

Anzeige

PremiumBoom in Schwellenländern vorbei Der Weltwirtschaft droht die nächste Dauerkrise

Der China-Crash und die Auswirkungen für die Weltwirtschaft.

Der China-Crash und die Auswirkungen für die Weltwirtschaft. Quelle: Illustration: Dmitri Broido, Foto: Fotolia

Und das nicht nur, weil Peking schon vor der Ankara-Runde gebeten hatte, im G20-Kommuniqué nicht gesondert erwähnt oder gar gerügt zu werden. Sondern auch, weil die Mehrzahl der G20-Partner an der aktuellen Währungspolitik der kommunistischen Regierung und deren weiterer Marktöffnung eigentlich nicht so viel zu kritisieren hat. Die Hoffnung ruht auch auf den enormen Finanz-Reserven der Volksrepublik, um einen Einbruch abzufedern.

Einzig Japans Finanzminister Taro Aso soll am Rande mit den Chinesen härter ins Gericht gegangen sein - angesichts der Dauer-Spannungen zwischen beiden Ländern nicht verwunderlich. Aso soll Peking vorgeworfen haben, die globale Wirtschaft zu gefährden und zu wenig zu tun. Was unter den anderen Delegationen für Irritationen gesorgt haben soll. Zumal Japan selbst nicht gerade glänze an der Konjunkturfront, wie es heißt: „Zum Showdown zwischen Japan und China kam es in den Sitzungen aber nicht.“

Stichwort: Die schwärzesten Tage für den Dax seit 1987

  • Hintergrund

    Frankfurt, 24. Aug (Reuters) - Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China hat die Aktienmärkte am Montag auf Talfahrt geschickt. Der Frankfurter Leitindex Dax rutschte erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke von 10.000 Punkten, zeitweise fiel er um bis 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

    Eindeutige Kriterien für einen Crash gibt es nicht - außer Panik, hohe Umsätze und hohe Verluste. Beim bislang größten Börsenkrach der Nachkriegszeit am 19. Oktober 1987, als Spekulationen auf Zinserhöhungen den Dow-Jones-Index an der Wall Street um 23 Prozent einbrechen ließ, gab es den Dax noch nicht. Er wurde erst am 1. Juli 1988 erstmals berechnet.

    Im folgenden eine Übersicht über die prozentual höchsten Verluste des Dax seither:

    DIE 1990er JAHRE UND DIE ANSCHLÄGE VON 9/11

  • 16. Oktober 1989

    Der Dax fällt um rund 13 Prozent und folgt damit der Wall Street, wo Finanzierungs-Schwierigkeiten bei einem Unternehmensverkauf einen Ausverkauf auslösten.

  • 19. August 1991

    Ein später gescheiterten Putsch gegen den damaligen sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow drückt den Dax um gut neun Prozent ins Minus.

  • 20. Oktober 1997

    Im Sog der Asienkrise sackt der Dax im Handelsverlauf um bis zu 13 Prozent ab und schließt mit 3567 Punkten acht Prozent niedriger.

  • 1. Oktober 1998

    Die Angst vor einem Flächenbrand im Bankenwesen nach der Schieflage eines Hedgefonds in den USA und einer Eskalation der Krisen in Asien, Japan, Lateinamerika und Russland drücken den Dax um acht Prozent ins Minus.

  • 11. September 2001

    Nach den Terroranschlägen in den USA fällt der Dax um neun Prozent.

  • Finanzkrise 2008

    Sie hinterlässt tiefe Spuren im Dax.

  • 21. Januar 2008

    Angst vor einer Rezession in den USA drückt den Dax um sieben Prozent auf 6790 Punkte ins Minus. Bei der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September kommt er aber glimpflich davon und verliert nur moderate 2,7 Prozent.

  • 6. Oktober 2008

    Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

  • 8. Oktober 2008

    Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

  • 10. Oktober 2008

    Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

  • 24. Oktober 2008

    Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

  • 8. August 2011

    Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

  • 5. September 2011

    Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

  • 1. November 2011

    Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

  • 29. Juni 2015

    Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

Chinas Kassenwart und seine Notenbanker stellen sich den kritischen Fragen in Ankara durchaus selbstbewusst, wie Teilnehmer berichten. Präzise hätten sie die Lage geschildert. Trotz massiver Zweifel vieler Ökonomen hätten die Chinesen auch klargestellt: Die für 2015 angepeilte Wachstumsrate zwischen 6,5 bis 7,0 Prozent werde schon geschafft. Das wäre allerdings dennoch das niedrigste Plus seit etlichen Jahren.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) jedenfalls wirft den chinesischen Währungshütern keine Fehler vor. Im Gegenteil: Er sieht weiter Chancen, dass Chinas Währung Yuan (Renminbi) bald zu einer Weltreservewährung aufsteigt und in absehbarer Zeit auch im Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) landet. Das gilt vielen als ebenso wichtig wie der Beitritts Pekings zur Welthandelsorganisation WTO.

Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Schäuble bescheinigte Chinas Notenbank, zuletzt den Yuan-Kurs durchaus Richtung Marktentwicklung geführt zu haben. Auch deshalb sprach der deutsche Finanzminister schon im Vorfeld von einem „relativ entspannten Treffen“. Sein französischer und russischer Amtskollege blieben gleich ganz fern, ebenso die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen.

Die mächtigste Währungshüterin der Welt konnte es ihrem Stellvertreter überlassen, in Ankara die G20-Partner über die von den USA angekündigte Zinswende und ein Ende der Politik des billigen Geldes zu informieren. Unmut gibt es hier vor allem im Lager der aufstrebenden Schwellenländer.

Befürchtet wird ein Kapitalabfluss aus Ländern wie China oder Brasilien, wenn die Zinsen in den USA steigen und Geldanlagen dort wieder attraktiver werden. Einige G20-Länder hätten es sicher gern gesehen, wenn die sich abzeichnenden Zinserhöhungen in den USA und anderswo in der Erklärung als großes Risiko für die Weltwirtschaft gebrandmarkt worden wären. Im Feilschen um die G20-Erklärung sind sie damit aber gescheitert. Stattdessen ist von Transparenz und Kommunikation bei der Zinswende die Rede.

weitere Artikel

Das Wort „Währungskrieg“ taucht freilich nicht auf im G20-Dokument. Nach den jüngsten Währungsabwertungen in China und asiatischen Schwellenländern sieht so mancher Kassenwart aber durchaus eine solche Gefahr. So hält Washington Peking immer wieder vor, seine Währung abzuwerten, um der heimischen Wirtschaft Vorteile im globalen Wettbewerb zu verschaffen.

Am Ende belassen es die G20 bei einer Mahnung vor einem Abwertungswettlauf, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen. Ohne aber ein Land zu nennen. Wer will, kann aber auch dies als Ansage an die Machthaber in Peking verstehen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%