G8-Gipfel in Italien: Regierungschefs in Ruinen

G8-Gipfel in Italien: Regierungschefs in Ruinen

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Silvio Berlusconi verlegt den G8-Gipfelin die Abruzzen-Hauptstadt L'Aquila

Nachdem Italien seine Minister vor einigen Monaten bereits zwischen neapolitanischen Müllbergen bewundern konnte, darf sich das Land jetzt auf Regierungschefs in Ruinen freuen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi überzeugte sein Kabinett mit dem Vorschlag, den für Anfang Juli geplanten G8-Gipfel in Italien von der sardischen Inselgruppe La Maddalena mitten ins Erdbebengebiet Abruzzen zu verlegen.

Neuer Veranstaltungsort ist die Regionshauptstadt L’Aquila, die seit dem schweren Erdbeben vom 6. April in Schutt und Asche liegt. Wie bestellt ließ dort in der Nacht zum Freitag, nur wenige Stunden nach Berlusconis Ankündigung,eines der zahlreichen Nachbeben mal wieder die Erde zittern. Auch die Zahl der Todesopfer stieg weiterauf nun 297 an, da ein bei dem Hauptbeben verletzter Rentner im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag und ein Arbeiter bei Aufräumarbeiten von den Trümmern einer Mauer erschlagen wurde.

Ob diese durch das Nachbeben einstürzte, war am Freitag noch unklar, denn nicht nur die Erde setzt den derzeit größtenteils in Zeltstädten Überlebenden zu: Seit Tagen wird die Region zudem von schweren Unwettern geplagt, Helfer ziehen pausenlos Gräben um die Notquartiere herum, um die Wassermengen in Schach zu halten. Nichtsdestotrotz, so berichtet die römische Tageszeitung „La Repubblica“, stamme die Idee der Gipfel-Verlegung mitten hinein ins Katastrophengebiet von Italiens oberstem Zivilschützer Guido Bertolaso persönlich.

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Fast ganz Italien ist begeistert

Wie genau Berlusconi auf die angekündigten 220 Mill. Euro kommen will, die die Gipfel-Verlegung auf Sardinien einsparen und stattdessen für den Wiederaufbau der Abruzzen bereitstellen soll, obwohl die Bau-und Vorbereitungsmaßnahmen auf den sardischen Inseln schon in vollem Gange sind, weiß allenfalls die Regierung selbst.

Trotzdem zeigt sich fast ganz Italien - einschließlich der Opposition - nahezu begeistert von dem Vorschlag, L'Aquila mit dem Gipfel aus den Ruinen auferstehen zu lassen. Offene Kritik wird jedenfalls kaum geäußert. Hauptaustragungsort wird ein Ort sein, der der Fernsehwelt schon bekannt ist, nämlich die Ausbildungskaserne der Guardia di Finanza, wo bereits die bewegende Staatstrauerfeier am Karfreitag stattfand und in endlosen Reihen die Särge der Opfer aufgebahrt waren.

Abgesehen von dem symbolischen Wert der Verlegung, sieht Berlusconi auch ganz praktische Gründe dafür: Angesichts der schrecklichen Situation in dem Erdbebengebiet würden die Proteste der Gipfel-Gegner wohl deutlich sanfter ausfallen, glaubt er. Italien erinnert sich nur allzu gut noch an das Drama um den G8-Gipfel in Genua, bei dem unter anderem ein junger Demonstrant erschossen wurde und Dutzende angaben, von der Polizei verprügelt wordenzu sein.

In Bezug auf L’Aquila erklärten die ersten "no globals" bereits, Berlusconi werde sie auch dort treffen, schließlich seien sie seit dem Beben mit ihren Hilfsorganisationen vor Ort. Gehässige Zungen behaupten zudem, L'Aquila sei ein höchst praktischer Ort für Querulanten, Steine zum Schmeißen lägen da schließlich genug herum.

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