Gasstreit: Gazprom will wieder liefern

Gasstreit: Gazprom will wieder liefern

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Alexei Miller, Gazprom-Chef

Gazprom-Chef Miller verspricht, die seit gestern unterbrochene Gaslieferung schnell wieder zu starten. Bedingung dafür ist aber, dass EU-Beobachter an den ukrainischen Pipelines den Gas-Fluss überwachen. Die EU will heute noch mit der Entsendung von Kontrollleuren beginnen.

Der russische Staatskonzern Gazprom ist unter Auflagen zu einer Wiederaufnahme der Gaslieferungen durch die Ukraine bereit. Voraussetzung dafür sei, dass EU-Beobachter an den Pipelines in der Ukraine den Gas-Fluss überwachen, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller in Brüssel. Auch am Donnerstag war rund ein Dutzend europäischer Staaten von russischem Gas, das über die Ukraine Richtung Westen fließt, abgeschnitten. 80 Prozent des Gases aus Russland kommen auf diesem Weg in die Europäische Union.

Sehr schwierig war die Lage in Südosteuropa, da hier viele Staaten fast zu 100 Prozent von den Gaslieferungen abhängig sind. In Serbien und Bulgarien froren Hunderttausende in ihren Wohnungen. „Sobald EU-Beobachter in der Ukraine sind und Zugang zu den Gas-Pipelines haben, soll die Gaszufuhr so schnell wie möglich wiederhergestellt werden“, erklärte Miller. Der 46-Jährige hatte zuvor mit EU-Vertretern über die Lage beraten. Der Präsident des Europa-Parlaments, Hans-Gert Pöttering, unterstützte dabei ebenso wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Entsendung europäischer Beobachter.

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„Dieses sollte heute beginnen, wenn das möglich ist“, sagte Pöttering. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Russland zum Einhalten seiner Verpflichtungen auf. Die EU erwarte, dass in Bulgarien, Serbien und Bosnien und den übrigen betroffenen Ländern wieder Gas ankomme, sagte Merkel am Donnerstag in Paris. Nach dem Totalausfall russischer Gaslieferungen am Dienstag hatten sich die Streithähne in der Nacht zu Donnerstag erstmals seit Silvester wieder zu Verhandlungen in Moskau getroffen.

Anschließend reisten Gazprom-Chef Miller und der Chef des ukrainischen Konzerns Naftogas, Oleg Dubina, nach Brüssel. „Möglicherweise werden wir heute Abend in Moskau die Verträge unterzeichnen“, sagte der ukrainische Energie-Beauftragte Bogdan Sokolowski der Deutschen Presse-Agentur dpa am Rande der Verhandlungen. „Ich hoffe, dass es dazu kommt.“ Russland verlangt von der Ukraine höhere Preise, Kiew wiederum will von Moskau mehr Geld für die Nutzung der Transitleitungen. Beide Staaten schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, wer für den beispiellosen Komplettausfall der Gasversorgung via Ukraine verantwortlich ist.

Laut russischer Darstellung hat die Ukraine die vier Transitleitungen gekappt, was eine Versorgung Westeuropas unmöglich mache. Aus der Ukraine heißt es hingegen, Russland habe seine Gaslieferungen über die Ukraine ohne Vorwarnung komplett gestoppt. Zuvor hatte Russland den Vorwurf erhoben, die Ukraine zapfe illegal für Westeuropa bestimmtes Gas aus den Transitleitungen ab.

Stützungslieferungen an Mitteleuropa

In der Versorgungskrise hilft unterdessen der größte deutsche Importeur E.ON Ruhrgas mitteleuropäischen Ländern mit „Stützungslieferungen“. Ungarn, die Slowakei und Italien bekämen derzeit solche Lieferungen, teilte das Unternehmen mit. Aus technischen Gründen kann nach Meinung von Experten auch nach einer Wiederaufnahme der Gaslieferungen nicht sofort wieder die übliche Menge Gas durch die Pipelines gepumpt werden - deshalb wird sich die Lage in Ost- und Südosteuropa wohl erst kommende Woche entspannen.

Die bulgarische Regierung ordnete drastische Sparmaßnahmen an. Aus den nationalen Gasreserven sollen nur noch die Industriebetriebe beliefert werden, die ihre Produktion nicht komplett einstellen können. Für alle anderen gilt ein Gasstopp. Dutzende Kindergärten und Schulen blieben geschlossen. Mit dem Sparprogramm soll der normale Gasverbrauch von zwölf Millionen Kubikmetern pro Tag auf höchstens sieben Millionen Kubikmeter Gas schrumpfen, sagte Energieminister Petar Dimitrow im Staatsrundfunk.

Zehntausende Serben mussten am Donnerstag bei Minustemperaturen und Schneefall auf ihre Heizung verzichten. In der drittgrößten Stadt Novi Sad blieben die Heizkörper für 80 000 Menschen kalt, berichteten die Medien. 30 000 Menschen saßen in der Stadt Pancevo bei Belgrad in kalten Wohnungen. Die Betroffenen versuchten, mit elektrischen Heizgeräten oder mit Klimaanlagen wenigstens ein wenig Wärme zu erzeugen.

Vielerorts schossen die Preise für die Geräte in die Höhe. In der Slowakei dürfen die tausend größten industriellen Abnehmer kein Gas mehr verbrauchen, um die Versorgung der Haushalte, Krankenhäuser und Schulen nicht zu gefährden. Die Automobilwerke von PSA Peugeot- Citroen in Trnava und Kia Slovakia in Zilina haben ihre Produktion für diese Woche eingestellt. In Ungarn verbesserte sich die Lage, weil der Frost leicht nachließ. Laut des Gasversorgers FGSZ steigert jedes zusätzliche Minusgrad den Gaskonsum um zwei Millionen Kubikmeter.

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