Gazprom: Ukraine stoppt vorerst russischen Gas-Import

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Gazprom: Ukraine stoppt vorerst russischen Gas-Import

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Ein Druckmessgerät an einer Gaspipeline.

Die Ukraine hat den Erdgas-Import aus Russland vorläufig eingestellt, um den Preis neu zu verhandeln. Russland hatte angedeutet, den während des Winters eingeräumten Preisnachlass zu verlängern.

Die Ukraine hat die Abnahme von Erdgas aus Russland am Mittwoch vorläufig eingestellt und will vor neuen Importen zunächst über einen günstigeren Preis verhandeln. „Wenn der Preis von 250 Dollar bestätigt wird, werden wir kaufen“, sagte Energieminister Wladimir Demtschischin örtlichen Medien zufolge in Kiew.

Im ersten Quartal zahlte die finanziell angeschlagene Ex-Sowjetrepublik 329 US-Dollar für 1000 Kubikmeter Gas. Der russische Gazprom-Konzern bestätigte, dass die Ukraine die Abnahme zum Mittwoch verringerte.

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Die Lieferungen von russischem Gas über die Ukraine nach Europa laufen derweil ungestört weiter, wie ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel bestätigte. Zudem begrüßte er die Ankündigung Russlands, jüngst gewährte Preisnachlässe an die Ukraine auch künftig anzubieten.

Die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas und Öl

  • Gas

    Deutschland kann aus eigenen Quellen gut zehn Prozent seines Bedarfs decken. Der Rest wird überwiegend aus Norwegen (gut ein Viertel) und den Niederlanden (knapp ein Fünftel) geliefert. In unterirdischen Speichern wird im Regelfall der Bedarf für mindestens zwei Monate vorgehalten. Russland ist somit größter Lieferant beider Brennstoffe für Deutschland. Beim Gas bezieht auch die EU insgesamt rund ein Viertel ihres Verbrauchs aus Russland.

  • Gastransport

    Die Hälfte des russischen Gases nimmt den Weg über die Ukraine. Da beide Länder schon häufig über Preise, Transitgebühren und Lieferungen stritten und zeitweise die Versorgung unterbrochen war, wurden in Europa Alternativen gesucht. So wurde die Pipeline Nord Stream, die von Russland über den Ostseegrund direkt nach Deutschland führt, gebaut. Sie ist nicht ausgelastet und könnte weiteres Gas aufnehmen, sollte über die Ukraine nicht mehr geliefert werden. Daneben strömt ein großer Teil des Brennstoffes auch über die Jamal-Pipeline über Weißrussland und Polen nach Deutschland.

    Ein weiterer Weg wäre der Import von flüssigem Erdgas etwa aus dem Nahen Osten über Tanker nach Deutschland. In der Bundesrepublik gibt es aber kein Terminal zum Entladen. Auch eine Einfuhr etwa über Rotterdam spielt kaum eine Rolle.

  • Gaseinsatz und -preis

    Gas wird in Deutschland zum Heizen, für die Industrie und die Stromherstellung gebraucht. Letztere hat im Zuge der Energiewende an Bedeutung verloren, da die Kraftwerke durch Ökostrom-Anlagen verdrängt werden.

    Daran ändert auch der Druck auf die Gaspreise weltweit nichts. Zwar steigt der Energiehunger in China und Indien. Auf der anderen Seite aber hat der Boom der Schiefergas-Gewinnung, dem sogenannten Fracking, die USA von Importen unabhängig gemacht. Das Land will nun sogar Gas ausführen. Auch die Ukraine wollte das Potenzial von Schiefergas nutzen und sich unabhängiger von Russland machen. Das erste Projekt zur Schiefergasförderung wurde Anfang 2013 zwischen der ukrainischen Regierung, dem Konzern Royal Dutch Shell und dem ukrainischen Partner Nadra geschlossen. Es geht um eine Fläche von der Größe des Saarlands. Der russische Gasmonopolist Gazprom hatte sich angesichts der Fracking-Konkurrenz zuletzt verstärkt bemüht, den Absatz nach Westeuropa zu sichern.

  • Öl

    Russland ist auch Deutschlands größter Öllieferant. An Position zwei und drei liegen Großbritannien und Norwegen mit jeweils um die zehn Prozent. Auch Libyen, Nigeria und Kasachstan spielen ein Rolle. Gespeichert wird in Deutschland Öl für den Bedarf von mindestens 90 Tagen.

  • Transport

    Der größte Teil des russischen Öls kommt über die Pipeline Druschba (Freundschaft) über Weißrussland und Polen ins brandenburgische Schwedt. Ein zweite Leitung führt über das Gebiet der Ukraine.

  • Öleinsatz und -preis

    Öl wird als Treibstoff, für die Chemie, aber auch in vielen anderen Grundstoff-Industrien benötigt. Auch als Heizöl wird es in Deutschland oft eingesetzt. Der Preis ist nach jahrelangem Anstieg auf dem Weltmarkt etwas zurückgegangen. Die EU und Deutschland versuchen sich über den Einsatz von Biokraftstoffen und Elektroautos langfristig unabhängiger von Erdöl zu machen. Die Abhängigkeit bleibt aber für die kommenden Jahrzehnte hoch.

Auch Demtschischin begrüßte die Ankündigung aus Moskau, den während des Winters eingeräumten Preisnachlass von 100 US-Dollar pro 1000 Kubikmeter im zweiten Quartal zu verlängern. „Die Hauptaufgabe ist zu begreifen, wie die Preisbildung bis zum Ende der Heizsaison 2016 aussehen wird“, betonte er. Dafür seien Vertragsabschlüsse notwendig.

weitere Artikel

Für Mitte April sind Gasgespräche unter EU-Vermittlung in Berlin geplant. Angestrebt ist eine Vereinbarung bis Ende 2016.

Die Ukraine ist das wichtigste Transitland für den Transport von russischem Gas in die Europäische Union. Moskau und Kiew hatten in den vergangenen Jahren jedoch immer wieder über Einzelheiten des Imports von russischem Gas gestritten. Dies führte auch zu Lieferstopps, die die Energieversorgung der EU gefährdeten.

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