kolumneGbureks Geld-Geklimper: Das Trojanische Pferd namens Euro-System

16. Dezember 2010
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trojanisches Pferd
Kolumne von Manfred Gburek

Die zurzeit heiß diskutierte EZB-Kapitalerhöhung würde auf raffinierten Umwegen deutsche Steuerzahler treffen. Anleger sollten wachsam sein.

Unternehmen erhöhen ihr Eigenkapital üblicherweise, um für die Zukunft gerüstet zu sein, und nicht, um Fehler der Vergangenheit auszubügeln. Die Europäische Zentralbank ist kein Unternehmen, also erlaubt sie sich gleich beides auf einmal: die Nachsorge für den Kauf maroder Staatsanleihen über 72 Milliarden Euro durch das Eurosystem allein in diesem Jahr und die Vorsorge für kommende Abschreibungen auf eben diese Anleihen. Wie es heißt, will sie ihr Eigenkapital mehr als verdoppeln. Jetzt besteht es aus 5,8 Milliarden Euro an gezeichnetem Kapital, wovon etwas über vier Milliarden Euro eingezahlt sind.

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Die 5,8 Milliarden reichen gerade aus, um gut vier Prozent der EZB-Bilanzsumme abzudecken. Für eine Geschäftsbank wäre das zu wenig zum Überleben. Nicht so für die EZB, denn sie ist ja in das aus 16 nationalen europäischen Notenbanken – und ihr selbst - bestehende Eurosystem eingebunden. Dessen Bilanzsumme beträgt fast zwei Billionen Euro. Im Vergleich dazu macht sich die marode Anleihenmasse von 72 Milliarden Euro fast schon mickrig aus.

Neuverteilung der Lasten

Warum also die ganze Aufregung um die EZB-Kapitalerhöhung? Platt gesagt, weil die nationalen Notenbanken unter Führung der Deutschen Bundesbank ihren Anteil dazu beitragen müssten. Das heißt, sie würden niedrigere Gewinne an ihre Staaten ausschütten, um das eigene Kapital zu erhöhen bzw. die Kapitalerhöhung der EZB zu finanzieren. Die Folge: 16 Staaten des Eurosystems hätten weniger Geld in der Kasse und die Steuerzahler das Nachsehen. Bei dieser Gelegenheit ließe sich auf Initiative der hoch verschuldeten Staaten unter den 16 womöglich noch ein Modus zur Umverteilung aushandeln, wobei Deutschland überproportional zur Kasse gebeten würd.Das Perfide daran ist, dass die Bundesregierung dann alle Schuld von sich weisen könnte - ganz nach dem Motto, sie sei doch nicht für das Eurosystem verantwortlich. Nebeneffekt: Die Lasten würden nicht schon jetzt, sondern frühestens vom nächsten Jahr an neu verteilt. Im Übrigen erhielte die EZB für den Fall unerwartet hoher Abschreibungen auf abgestürzte Staatsanleihen aus Griechenland, Irland, Spanien, Portugal usw. in den kommenden Jahren auch noch die Chance, ihre Kapitalerhöhung als vorausschauende, besonders weise Maßnahme feiern zu lassen.

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Kommentare | 32Alle Kommentare
  • 16.12.2010, 16:38 UhrTölzer

    Schon bezeichnend - offenbar ist gerade gewaltig Feuer unter dem Dach der EU. in einer großen Münchner Tageszeitung wurde heute eine komplette Seite eines interviews mit Theo Waigel gebracht - auf die Frage, was im schlimmsten Falle beim auseinanderbrechen der Eurozone mit den Ersparnissen der Deutschen passieren würde, hieß es diese seien sicher, "weil das Ausland vertrauen in Deutschland habe" - soll ich jetzt lachen oder weinen ??? Desweiteren hieß es, die Deutschen sollten froh sein, dass demnächst auch private Anleihe-investoren bei Staatspleiten beteiligt würden, und nicht nur die Regierung dafür aufkommt. Hat Herr Waigel vergessen, dass die Regierung lediglich das Geld der Steuerzahler "weiterreicht" - am Ende hat immer der bürger die Zeche zu zahlen - wo liegen denn die meisten Anleihen der Eurostaaten ? bei den Versicherungen, banken und Pensionskassen - ein Crash am Anleihemarkt bzw. ein zerfall des Euro trifft nicht nur DiE anonymen privaten investoren die demnächst mithaften, sondern ganz konkret JEDEN der für seine Altersvorsorge in Kapitallebensversicherung, privaten Rentenversicherungen etc. investiert.

    Verschaukeln kann ich mich alleine ! Eine bodenlose Frechheit wie man den Steuerzahler für dumm verkauft !

  • 16.12.2010, 17:36 UhrRon777

    Es deutet sich immer stärker an: der Euro avanciert zum destabilisierenden Element der EU, da er Ungleiche aneinander kettet. Die deutsche Konsenzgesellschaft mit ihren bildungsleuttürmen kann sich im internationalen Wettbewerb behaupten. Deutsche Produkte profitieren zudem vom moderaten Eurokurs. Gleichzeitig setzten sich Deindustrialisierung und Kapitalflucht in den Krisenstaaten des Euroraums fort. Die bevölkerung ist gerade in den Südländern zudem anders gesellschaftlich sozialisiert. Hier gilt außerhalb des Familienclans viel stärker die egoistische Vorteilswirtschaft, an der die wirtschaftliche Entwicklung krankt. Diese Ungleichgewichte werden unter beibehaltung des Euros zur Schmelze führen. Schon jetzt haben viele Südländer atemberaubende Arbeitslosenzahlen, eine Totalverschuldung der Privathaushalte und einen nur mühsam vor dem Kollabieren geschützen immobilien- und Finanzsektor. Noch gelingt es den Politikern, Deutschland als angeblich politisch verantwortlichen blitzableiter vorzuführen. Doch am Ende werden wir alle einsehen müssen, dass selbst eine Transferunion nur ein erbärmliches Dauer-Harz-4 für ganze Nationen sein kann.

  • 16.12.2010, 17:51 UhrNicht Dumm

    Merkel muss sich also Zeit lassen mit ihren Entscheidungen. Darf keine bürgschaften für Schuldnerländer unterschreiben. Sie muss an unser Volk denken. Die anderen tun das auch. Jeder muss an sich denken. So ist die Welt. ... Das Pferd würde ich ungeöffnet stehen lassen, bis die PiGS wieder herauskriechen.

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