Gbureks Geld-Geklimper: Griechenland und der Währungskrieg

kolumneGbureks Geld-Geklimper: Griechenland und der Währungskrieg

Kolumne von Manfred Gburek

Griechenland wird gerettet, aber bis dahin schwelt ein Konflikt um die Modalitäten. Der aktuell schwache Euro wird auf Dauer gegen den Dollar gewinnen.

Auch wenn Politiker und Banker noch um den heißen Brei herumreden: Die Umschuldung Griechenlands kommt. Modell steht nach wie vor die Bewältigung der Schuldenkrise lateinamerikanischer Länder über so genannte Brady-Bonds zu Beginn der 80er Jahre, wie hier schon am 12. Mai beschrieben. Das bedeutet, dass Banken – in diesem Fall einschließlich der Europäischen Zentralbank (EZB) - Opfer bringen müssen. Dies trifft allerdings nur bedingt auf griechische Banken zu. Denn um sie nicht pleite gehen zu lassen, sollen die von ihnen gehaltenen und die sonstigen bereits im Umlauf befindlichen griechischen Anleihen in solche des europäischen Rettungsschirms getauscht werden. Die würden dann von der EZB als vollwertig anerkannt – auch wegen des erheblichen als Sicherheit dienenden Auslandsvermögens der griechischen Banken.

Dass die EZB Risiken eingeht, ist ja hinreichend bekannt. Sonst wäre ihr Präsident Jean-Claude Trichet nicht unlängst auf die Schnapsidee gekommen, eine Art europäisches Finanzministerium vorzuschlagen: „eine direkte Einflussnahme durch Institutionen des Euro-Gebiets auf die Wirtschaftspolitik in dem betroffen Land“ bzw. eine „neuartige Form der Konföderation souveräner Staaten“. Doch daraus wird nichts. Stattdessen muss die EZB nun erst einmal für eine vernünftige Bewertung der von ihr aufgekauften maroden Anleihen sorgen. Dafür ist sie ausgerüstet, denn sie bestimmt selbst, welchen Wert sie den Anleihen beimisst. Sie muss jedoch auf deutsche Interessen Rücksicht nehmen, weil die Deutsche Bundesbank über 27 Prozent des EZB-Kapitals verfügt.

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Die schwache Flanke der Deutschen

Damit beginnt das Geschacher um die Verteilung der Lasten im Euro-Raum. Wobei die deutsche Seite, abgesehen vom 27-prozentigen Faustpfand der Bundesbank, durchaus auch ihre Schwächen hat. So haben beispielsweise deutsche Banken laut Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ihre führende Rolle als Besitzer griechischer Staatsanleihen von Ende 2010 bis Ende März 2011 von 22,7 auf 23,1 Milliarden Euro ausgebaut. Zum Vergleich: Nach dem drastischen Abbau ihrer Bestände hielten französische Banken Ende 2010 nur noch für 10,3 Milliarden Euro griechische Staatsanleihen, italienische Banken sogar nur für knapp 1,6 Milliarden Euro. Nicht allein der ganze übrige Euro-Raum fuhr seine Bestände an griechischen Staatsanleihen ebenfalls drastisch zurück, sondern auch der Rest der Welt.

Aus diesen Zahlen wird ersichtlich, dass seit 2010 ein regelrechter Währungskrieg stattfindet. Damit relativiert sich auch die an sich starke Stellung der 27-prozentigen Beteiligung der Bundesbank an der EZB. Und damit wird klar, warum Bundesbank-Präsident Jens Weidmann schon mal verlauten ließ, sein Institut spreche sich „nicht per se gegen eine Umschuldung“ Griechenlands aus.

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