Gefälschter Twitter-Tweet: Erst Denken, dann handeln

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KommentarGefälschter Twitter-Tweet: Erst Denken, dann handeln

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Die Twitter-Meldung der Nachrichtenagentur "Explosionen in Weißen Haus" sorgte für Wirbel an der Börse. Kurz darauf stellte sie sich als Falschmeldung von Hackern heraus.

von Angela Hennersdorf

Der gefälschte Tweet über zwei Explosionen im Weißen Haus löste in Sekundenschnelle einen Mini-Flash an der Börse aus.  Tja, so schnell kann’s gehen, wer blind vertraut, auf das, was da so kurz und knapp auf Twitter herausgehauen wird – selbst, wenn es von einer zuverlässigen Quelle kommt. Erst denken, dann handeln.

Twitter ist ein tolles Medium – Kind und Kegel können da was sie wollen in die Welt posten. Wichtige aktuelle Schlüsselbegriffe kriegen ein „Hashtag“ und schon geht’s raus mit dem Gezwitscher in die weite Welt. Was werden sich diese Hacker diebisch gefreut haben, nachdem sie gestern den Twitter-Account der weltweit größten Nachrichtenagentur Associated Press geknackt hatten, und kurz und knapp veröffentlichten: „Zwei Explosionen im Weißen Haus, US-Präsident Obama verletzt.“ Ein Tweet von AP gilt 150 Prozent vertrauenswürdig – aber eben auch nicht immer.

Binnen Sekunden machte das Tweet in der Welt die Runde und erreichte sofort Wall-Street. Drei Stunden vor Handelsschluss stürzte der Dow Jones Industrial Index daraufhin in die Verlustzone. Mit dem US-Leitindex ging es in sekundenschnelle auf rund 14554 Punkte steil abwärts. Nach Angaben von Reuters verlor der S&P-500-Index vorübergehend 136,5 Milliarden Dollar an Wert. Kurzzeitig legten auch die US-Staatsanleihen deutlich zu. Ein Händler sprach von "Chaos pur".

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Egal wie absurd die Meldung ist...

„Die Meldung war völliger Blödsinn, aber die Märkte sind sensibel und reagieren in Windeseile auf so was“, sagte später am Nachmittag ein Händler an der Wall Street. „Die Märkte?“ Wer oder was soll das sein?

„Die Märkte“ sind Menschen, die offenbar blind auf alles Vertrauen, was ihnen da so an Infos über ihre Bildschirme flimmert. Zeit zum Gegenscheck? Nee, die gibt’s längst nicht mehr, das ist ja nur lästig und uncool. Machen die das bei anderen wichtigen Entscheidungen auch so?

Während die Kurse stürzten, radelte US-Präsident Barack Obama fröhlich im Weißen Haus herum. Er hatte Wissenschaftsstudenten empfangen, die ihm ihre Erfindungen vorführten. Wer sich auch nur die kleine Mühe gemacht hätte, auf die Webseite des Weißen Hauses zu klicken, hätte da den Präsidenten der Vereinigten Staaten live auf einem Video gesehen – wohlauf und munter.  

SEC war bisher zögerlich bei Sozialen Medien

Prompt erwies sich die Twitter-Meldung als falsch. Der Twitter-Account von AP wurde gesperrt. Ihm folgen fast zwei Millionen Menschen. Die amerikanische Börsenaufsicht erlaubt es Unternehmen erst seit wenigen Wochen, wichtige Mitteilungen auch über Twitter oder Facebook zu verbreiten. Ob das wirklich so eine gute Idee ist, scheint fraglich. Auch die Twitter-Accounts von US-Firmen wie Chrysler oder Burger King sind in diesem Jahr schon geknackt worden.

Medienjournalist Jim Romenesko zufolge verschafften sich die Angreifer über eine gezielt gefälschte E-Mail an AP-Mitarbeiter Zugriff auf das Twitter-Konto. Die Nachricht habe einen verseuchten Link enthalten, sei allerdings geschickt so gestaltet gewesen, dass sie legitim ausgesehen habe.

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Nun wird die US-Börsenaufsicht SEC die genaueren Umstände des geknackten AP-Accounts untersuchen: „Ich weiß nicht genau, wonach wir suchen, aber natürlich wollen wir große Veränderungen wie diese verstehen, wie kurz sie auch war“, sagte Daniel Gallagher von der Börsenaufsicht. Der britische Sender BBC berichtet, auch die amerikanische Bundespolizei FBI habe Ermittlungen zu dem Vorfall aufgenommen.

US-Medienberichten zufolge erklärte eine Gruppe mit dem Namen „Syrische Elektronische Armee“, für den Hack verantwortlich zu sein. Die AP bestätigte das jedoch nicht. Ein angebliches Twitter-Profil der Gruppe war am Mittwoch gesperrt. Angreifer unter diesem Namen kaperten vor einigen Wochen bereits Profile des britischen Fernsehsenders BBC und verschickten ebenfalls Falschmeldungen.

Sicher, Twitter ist ein tolles Medium – für uns Journalisten sowieso. Doch bitte Leute, hört trotzdem nicht auf selbst zu denken! Wie sagte der alte Lenin richtig: „Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.“

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