Gefängnisse als Geldanlage: Das lukrative Renditemodell Knast

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Gefängnisse als Geldanlage: Das lukrative Renditemodell Knast

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1,8 Milliarden Dollar setzt der Betreiber des Gefängnisses von Nashville jedes Jahr mit Gefangenen um.

von Florian Willershausen

Kein Land der Welt inhaftiert mehr Menschen als die USA. Davon profitieren vor allem Konzerne, die Gefängnisse betreiben. Einblicke in ein absurdes Renditemodell.

Vier Tote binnen drei Tagen – ein ruhiges Wochenende in Chicago. Am Montagmorgen sitzt Elli Montgomery an ihrem Schreibtisch im Untersuchungsgefängnis von Chicago und registriert jeden potenziellen Kriminellen, den die Cops über Nacht festgenommen haben. Seit Schichtbeginn zählt sie 67 Neue. Überwiegend junge Männer schwarzer Hautfarbe, es sind die üblichen Vergehen: Nummer 63 hat ein Drogenproblem und wurde des Diebstahls überführt, Nummer 37 leidet an Depressionen und randalierte. Schwerwiegende Verbrechen hat keiner von ihnen begangen. Montgomery fasst zusammen: „Die haben alle Mist gebaut, aber die wenigsten sind wirklich kriminell.“

Nach Gesundheitscheck und Papierkram werden die Männer dennoch dem Richter vorgeführt, der im Schnitt binnen 30 Sekunden über jeden Haftbefehl entscheidet. Meistens heißt es dann: Ab in den Bau!

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Zwar ist Chicago die Mord-Hauptstadt der USA mit einem guten Dutzend Todesopfern an einem durchschnittlichen Wochenende und dennoch typisch für Amerika: Die Polizei verhaftet jeden kleinen Straftäter, die Richter verhängen die Gefängnisstrafen wie am Fließband.

So gaukelt der Staat sich und der Gesellschaft vor, das Kriminalitätsproblem im Griff zu haben. Dabei ist diese Praxis vor allem eins: teuer. Und sie beschert den Vereinigten Staaten von Amerika einen zweifelhaften Rekord: 2,3 Millionen Menschen sitzen in den Staaten hinter Gittern. Konkret bedeutet das, dass zwischen Ost- und Westküste mehr Strafgefangene einsitzen als in Russland und China zusammen. Relativ zur Bevölkerung sind die Häftlingszahlen im Mutterland der Freiheit neunmal höher als in Deutschland. Zahlen, die ein ordnungs- wie gesellschaftspolitisches Scheitern dokumentieren.

 „Wir kriminalisieren alle kleinen Sünder in diesem Land“, sagt Inimai Chettiar vom Brennan Center for Justice in New York. Es gebe in den USA eine Mentalität, wonach man jeden Sünder bestrafen müsse. „Und der Knast gilt da als ultimative Lösung.“

Profiteure des Desasters sind private Unternehmen: Börsennotierte Konzerne wie CCA, MTC oder Geo Group betreiben in Amerika acht Prozent der rund 3300 Gefängnisse. Es ist ein lukratives Geschäft, das den Marktführern hohe Umsatzrenditen beschert. Und die Branche hofft auf einen weiteren Aufschwung: Je weiter der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump mit seiner Law-and-Order-Rhetorik den öffentlichen Diskurs erobert, desto mehr verbreitet sich in den USA ein Klima des kurzen Prozesses. Kein Wunder, gibt es doch einfach zu viele Profiteure.

Barack Obama kämpft in seinen letzten Monaten als US-Präsident dagegen an, erst vor wenigen Tagen stellte er ein neues Resozialisierungsprogramm vor. Das Justizministerium entschärft die Strafgesetze, damit Richter häufiger Bewährung und freien Vollzug verhängen können.

Inside Chicago Warum Amerika so kriminell ist

Berlin ist größer als Chicago – und zählt trotzdem fünfmal weniger Morde im Jahr. Soziale Schieflagen, Gang-Gewalt und leicht verfügbare Waffen halten die Kriminalität hoch. Auf Nachtschicht mit einem Polizeireporter.

Viertel wie Altgeld Garden oder Englewood sind die Reviere von Gangs. Quelle: REUTERS

Die Kundschaft wächst und wächst

Nashville, Tennessee. In einer Ausfallstraße versteckt sich die Corrections Corporation of America, kurz CCA. Der älteste private Gefängnisbetreiber der USA ist seit 1983 am Markt und lebt vom Mythos, dass ein Unternehmen einen Knast kosteneffizienter betreiben kann als der Staat. 2015 steigerte der Konzern mit 53 Einrichtungen den Umsatz um 8,6 Prozent auf 1,79 Milliarden Dollar – bei einem Ebit-Gewinn von 282 Millionen. Die Geo Group ist bei 1,84 Milliarden Dollar Umsatz kaum größer und ähnlich profitabel.

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