Geld, Handel, Schulden: Die globale Wirtschaft sortiert sich neu

Geld, Handel, Schulden: Die globale Wirtschaft sortiert sich neu

von Konrad Fischer und Anne Kunz

Mehr internationaler Handel, weniger Staatsschulden, globale Geldschwemme und neue Quellen des Reichtums – die Wirtschaft ändert sich und stellt neue Spielregeln auf.

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Die Weltwirtschaft verändert sich: Führungsrollen werden neu vergeben, Geld ist auf der gesamten Welt billig zu haben und Rohstoffnationen erlangen neue Bedeutung.

Wie gebannt blicken wir auf die Schuldenkrise in Europa. „Platzt der Euro?“, „Euro-Crash“, „Die Lebenslügen des Euro“ – allein die WirtschaftsWoche hat sich in diesem Jahr 16 Mal auf ihrem Titel mit dem Elend um die Gemeinschaftswährung auseinandergesetzt. Zweifellos wird auch im kommenden Jahr eine Reihe solcher Titel folgen. Doch so existenziell die Krise für Europa und Deutschland sein mag, sie drängt in den Hintergrund, dass die Weltwirtschaft viel größer als der in die Jahre gekommene Kontinent ist.

Verniedlichte Giganten

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Als „Schwellen“länder verniedlichte Giganten haben längst Führungsrollen inne. Im Welthandel entsteht dadurch eine neue Art von Offenheit, bei der die Welthandelsorganisation WTO keine Rolle mehr spielt. Weltweit, nicht nur in Europa, erhält Entschuldung eine nie gekannte Priorität.

Zugleich ist Geld auf dem Erdball so billig wie nie, Notenbanken allerorten begreifen es als ihre Aufgabe, eine neuerliche Rezession abzuwenden. Das Wachstum rund um den Globus schafft neue Mittelschichten, deren unersättlicher Konsumwille Rohstoffnationen neue Bedeutung verleiht. Alle diese Veränderungen haben Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre.

Zerreißprobe für die Währungsunion

Mario Monti ahnte wohl selbst nicht, welche hellseherische Fähigkeit er offenbaren würde. Im Mai 2009 hatte er davor gewarnt, die wachsende Ungleichheit werde zur Feuerprobe für die Marktwirtschaft. Damals war der heute 68-jährige Italiener noch EU-Kommissar für Wettbewerb. Inzwischen ist er Ministerpräsident und zugleich Finanz- und Wirtschaftsminister seines Landes und soll eben diese wachsende Ungleichheit, die sich nicht nur durch Italien, sondern ganz Europa zieht, aufhalten. Doch das wird ihm nicht gelingen.

Der Grund: Europa muss sparen. Das wird kurzfristig nicht nur zu einer Rezession führen, wie viele fürchten, sondern auch zu wachsender Ungleichheit, weil die Staatsausgaben zulasten der Ärmeren gekürzt werden müssen. Das ist zugleich Sprengstoff für die Währungsunion.

Wege aus dem Haushaltsloch

Grundsätzlich kann die Staatsverschuldung auf zwei Wegen abgebaut werden: durch einen Anstieg der Staatseinnahmen, also durch Steuererhöhungen, oder durch eine Kürzung der Ausgaben. „Kurzfristig sind Steuererhöhungen effektiver, weil sie schnell wirken. Doch um die Haushalte langfristig zu sanieren, müssen 2012 vor allem die Ausgaben gekürzt werden“, sagt Claudia Broyer von der Allianz.

Drückende Zinslast:

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Anteil der Zinszahlungen an den Staatsausgaben (in Prozent)

Auch die renommierten italienischen Wirtschaftswissenschaftler Alberto Alesina und Silvia Ardagna haben dies kürzlich in einem neuen Papier bekräftigt. Die Regierungen kommen also nicht umhin, ihre Ausgaben zu senken. Das geht besonders zulasten der Armen. Renten und Löhne für Staatsdiener müssen gesenkt, Leistungen aus dem Sozial- und Gesundheitswesen gekürzt werden.

Die Marktwirtschaft wird sich schwertun, diese Feuerprobe zu bestehen. Und damit auch die Währungsunion. Denn der Zusammenhalt bröckelt . „In diesem Jahr wird sich entscheiden, ob die Währungsunion in ihrer jetzigen Form weiter bestehen wird“, sagt Christoph Weil von der Commerzbank. Sollte alles gut gehen, dürfte die Euro-Zone um harmlose 0,4 Prozent schrumpfen. Gerät die Union jedoch ins Wanken, sind Einbrüche von zwei bis drei Prozent möglich. Und die wären dann vielleicht sogar das kleinste aller Probleme.

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