Geldanlage: Große Zinsunterschiede bei europäischen Staatsanleihen

Geldanlage: Große Zinsunterschiede bei europäischen Staatsanleihen

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Akropolis, Wahrzeichen von Athen: Viele EU-Länder müssen hohe Zinsen für geliehenes Geld zahlen

Selten waren Zinsunterschiede zwischen europäischen Staatsanleihen so groß wie jetzt. Doch die hochverzinsten Papiere bergen einige Risiken.

Griechenland, Spanien, Italien und Portugal – wer an diese Länder denkt, hat Bilder von Urlaub, Sonne und Meer im Kopf. Doch die Wirtschafts- und Finanzkrise macht auch vor den Urlaubsparadiesen nicht halt. Investoren verlangen immer höhere Risikoaufschläge, um ihr Geld hochverschuldeten Mittelmeerstaaten, aber auch Irland, Belgien oder Österreich zur Verfügung zu stellen. Nur mit hohen Zinsaufschlägen können die als weniger solvent eingestuften Länder noch Anleger locken.

Die Debatte um ein mögliches Auseinanderbrechen des Euro-Währungsraums hat die Kursverluste der Staatsanleihen außerhalb der EU-Kernländer Deutschland und Frankreich angeheizt. Ihre Renditen – die sich stets spiegelbildlich zum Kurs entwickeln – sind unter starken Schwankungen deutlich gestiegen. So stellt Griechenland Anlegern eine Verzinsung von fast sechs Prozent jährlich in Aussicht, damit diese eine zehnjährige Staatsanleihe zeichnen. In Irland sind es immerhin noch 5,5 Prozent. Deutsche Staatsanleihen werfen mit rund drei Prozent deutlich weniger ab – so als ob es den Euro als gemeinsame Währung gar nicht gäbe.

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Die Zinsunterschiede zwischen vermeintlich solventen und weniger solventen europäischen Ländern haben damit in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen: Vor einem Jahr zahlte Irland nur 0,24 und Griechenland 0,38 Prozentpunkte mehr an Zins als Deutschland für seine Staatsanleihen, heute sind es 2,5 bis knapp 3 Prozentpunkte mehr.

Höhere Rendite entspricht größerem Risiko

Der höheren Rendite entspricht nach Anlegermeinung auch ein größeres Risiko, was sich an den Versicherungen gegen Zahlungsausfälle, den Credit Default Swaps (CDS), ablesen lässt: Die Absicherung gegen einen Ausfall fünfjähriger irischer Staatsanleihen kostet aktuell mehr als das Fünffache, die gegen einen griechischen Zahlungsausfall das Vierfache der Gebühr, die für deutsche Staatsanleihen anfällt.

Da sich die Anleger nach Sicherheit sehnen, dürften die großen Unterschiede anhalten. „Die Renditeaufschläge bei unsicheren Ländern wie Irland, Griechenland aber auch Österreich werden kurzfristig sogar noch steigen“, sagt der Leiter der Zins- und Devisenstrategie der HypoVereinsbank, Michael Rottmann. Weitere steigende Zinsaufschläge könnten für Investoren dann verlockend sein – Zinsen von sechs oder sieben Prozent hatte seit Jahren kein Euroland mehr im Angebot. Wann der Zinsanstieg und die Kurstalfahrt der Anleihen enden, ist heute noch unklar.

Sicher ist: In den Problem-Ländern lahmt die Wirtschaft weiter. Spanien und Irland etwa setzt das Platzen der Immobilienblase zu. Die Ratingagentur Standard & Poor’s stufte daher Ende Januar die spanische Kreditwürdigkeit herab, von der Höchstnote AAA auf AA+, die gleiche Note wie zum Beispiel Belgien.

Auch Irland droht die Ratingagentur mit einer Herabstufung. Die Länder befinden sich in guter Gesellschaft: Moody’s, eine weitere Ratingagentur, prüft angesichts ausufernder Staatsschulden sogar eine Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit, die – trotz immenser Schulden – noch mit Bestnoten beurteilt wird.

Der Zerfall der Währungsunion ist zwar eher unwahrscheinlich. „Dafür profitieren die Länder viel zu stark vom Euro“, sagt Renten-Analyst Johannes Rudolph von HSBC Trinkaus. Doch Ratingherabstufungen und die mangelhafte Wettbewerbsfähigkeit einzelner Länder drücken nicht nur den Kurs ihrer Staatsanleihen, sie dürften auch den Kurs der gemeinsamen Währung unter Druck setzen. „Gegenüber dem Dollar, dem Yen, aber auch einem breiten Währungskorb wird der Euro wohl an Wert verlieren“, sagt Rottmann von der HypoVereinsbank. Euro-pessimistische Anleger können über Verkaufsoptionsscheine davon profitieren. Wer die Angst vor einem schwachen Euro übertrieben und die Probleme der Euro-Zone für lösbar hält, nimmt die Gegenposition ein.

Anlegern, denen eine Investition in die derzeit stark schwankenden Staatsanleihen und Währungsspekulationen zu riskant sind, weichen auf Unternehmensanleihen aus. Papiere von ThyssenKrupp oder Metro bringen locker sieben Prozent. Und nehmen ihnen gleichzeitig die Angst, nach einem Zusammenbruch der Währungsunion dann doch nur noch eine schwache Drachme in der Hand zu halten.

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