Geldanlage: Japans Schatten und die Inflationsgefahr

Geldanlage: Japans Schatten und die Inflationsgefahr

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Pumpmaschine - Entwicklung von Notenbank-Bilanzsumme und Aktien in den USA. Für eine größere Ansicht bitte auf das Bild klicken.

von Hauke Reimer, Martin Gerth, Christof Schürmann, Stefan Hajek, Niklas Hoyer, Frank Doll und Annina Reimann

Risiko aus dem Depot zu nehmen hilft nur kurzfristig. Anleger müssen sich jetzt gegen die Geldschwemme wappnen.

Ihre Einschätzung der Lage in Japan, erklären die Anlageexperten der niederländischen ING Bank, gelte für diesen Tag. „Aufgrund der sich ständig wandelnden Situation“ könne sie sich auch schnell „ändern“. Ehrlich gesprochen. Das Umweltdesaster in Japan lässt nicht nur die Politik, sondern auch Investoren umdenken; schneller denn je, öfter denn je.

Alle Vermögensklassen stehen auf dem Prüfstand: Aktien, die gestern noch als kaufenswert galten, kegeln die Anleger aus dem Depot – wie etwa Automobilzulieferer. Andere, denen eine düstere Zukunft vorausgesagt wurde, glänzen plötzlich mit Tageszuwächsen im zweistelligen Prozentbereich – etwa Wind- und Solaraktien. Die in vergangenen Monaten verschmähten Staatsanleihen aus den USA und Deutschland finden plötzlich Freunde, wohingegen das Krisenmetall Gold ein paar Prozent verliert.

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Japan überschattet alles. Durch die Dreifach-Katastrophe in Japan, mit Erdbeben, Tsunami und Atom-Krise, aber auch durch die kriegerischen Auseinandersetzungen in Nordafrika und die Unruhen im Nahen Osten sind Anleger weltweit verunsichert.

Zuflüsse in den Yen

Natürlich kann die japanische Tragödie auch an den Börsen weiterhin eine erhebliche Rolle spielen, vor allem, wenn wider allen Hoffnungen doch noch 35 Millionen Menschen im Großraum Tokio einer atomaren Wolke ausgesetzt würden.

Doch sollte der Schaden an Mensch und Natur nicht noch größer ausfallen als ohnehin schon, fahren Anleger besser, wenn sie jetzt an einer vernünftigen Aufteilung auf Aktien, Anleihen, Gold und Tagesgeld festhalten. Steuern sie aber hektisch um und flüchten in Sicherheit, könnte sie das erst recht in Gefahr bringen. Angesichts der Krise in Japan werden die Notenbanken ihre jüngsten Andeutungen überdenken; sie könnten die Zinspolitik doch nicht straffen. Halten sie die Geldhähne weiter offen, würde das mittelfristig die Inflation anheizen. Vermeintlich sicher aufgestellte Anleger würden auf dem falschen Fuß erwischt. Langlaufende Staatsanleihen wären plötzlich riskant. Ihre Kurse würden angesichts steigender Zinsen sinken, die Zahlungsversprechen wären im inflationierten Geld weniger wert. Mit vorgeblich risikoreicheren Investitionen in Aktien stünden Anleger deutlich besser da.

Japaner legten einen Großteil ihres Geldes im Ausland an, da sie dort mehr Zinsen bekommen als zu Hause, sagt Ulrich Leuchtmann, Leiter der Commerzbank-Devisen-Analyse. „Dieses Geld holen sie nun zurück, sie brauchen Yen.“ Gleich nach dem Beben hätten Anleger darauf gesetzt, dass japanische Versicherer Geld aus dem Ausland abziehen, um Schäden zu zahlen. Da Geldzuflüsse eine Währung stärken, legt der Yen zum Euro zu.

Langfristig allerdings dürfte Japan den Yen eher schwächen, um den Export zu stützen. In europäischen Staatsanleihen halten Japaner umgerechnet rund 800 Milliarden Dollar, in US-Staatsanleihen knapp 886 Milliarden Dollar. Das Land ist damit nach China der zweitgrößte ausländische Geldgeber der USA. Ziehen die Japaner ihr Geld ab oder finanzieren sie die USA nicht mehr mit stetig steigenden Beträgen, könnte das die Weltwirtschaft über Umwege treffen: Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) könnte in die Bresche springen, Anleihen gegen frisch gedruckte Dollar kaufen, die Geldmenge erhöhen und so die Inflation antreiben.

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