Gemeinschaftswährung: Euro-Verweigerer im Stimmungshoch

Gemeinschaftswährung: Euro-Verweigerer im Stimmungshoch

Die Schweiz, Dänemark, Großbritannien und Co. sind erleichtert: Sie haben sich stets geweigert, den Euro einzuführen. Durch die Schuldenkrise fühlen sie sich bestätigt. Schadenfreude macht sich breit. Eine Reise durch das Euro-skeptische Europa.

Großbritannien

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Die Briten halten hartnäckig an ihrer eigenen Währung fest. Der Big Ben während den Hochzeitsfeierlichkeiten zur Hochzeit von Prinz William und Kate

Nicht nur, dass Großbritannien eine Insel ist. Auch geldpolitisch trennen das Pfund und seine Hüter von der Bank of England (BoE) Welten vom europäischen Kontinent. Zeitgleich mit der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank verkündete die BoE diesen Monat, sie bleibe beim Leitzins von 0,5 Prozent. Der ist damit seit März 2009 unverändert, trotz einer Teuerungsrate von mehr als vier Prozent. Die Londoner Währungshüter halten die anhaltende konjunkturelle Schwäche Großbritanniens für viel gefährlicher als die Inflation.

Die extrem lockere Geldpolitik soll die konjunkturellen Folgen des Sparkurses der konservativen Regierung mildern. Premier David Cameron und seine Minister fanden voriges Jahr beim Regierungsantritt ein Haushaltsdefizit von 11,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor, das sie mit drastischen Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen bis 2015 auf weniger als drei Prozent reduzieren wollen. Die britische Konjunktur reagiert darauf mit Stagnation. Umso wichtiger ist darum der britischen Wirtschaft, dass die Zinsen niedrig bleiben. Das jedoch ist nur möglich, weil das Land nicht im Euro ist. Dennoch ist die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2011 möglicherweise geschrumpft – die endgültigen Zahlen liegen noch nicht vor.

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Unabhängigkeit ist wichtig

Euro in Britischem Pfund

Euro in Britischem Pfund

Eigentlich sollten die Unternehmen des Landes ganz unmittelbar vom freien Wechselkurs gegenüber dem Euro profitieren: Der seit Jahren sinkende Außenwert befördert prinzipiell die Wettbewerbsfähigkeit britischer Exporteure. Das Pfund hat seit 2007 mit einigen Unterbrechungen immerhin 25 Prozent gegenüber dem Euro eingebüßt – wegen der niedrigen Zinsen, aber auch wegen der in der Finanzkrise ausufernden Verschuldung. Das müsste sich auf dem Umweg über Exporterfolge jetzt eigentlich positiv auszahlen.

Großbritannien ist aber nach wie vor keine Exportnation. Die Industrie ist mit einem Anteil von zwölf Prozent an der Wertschöpfung des Landes nur noch ein Schatten ihrer selbst. Bis auf Luftfahrt, Rüstung und Pharma stellt sie kaum noch etwas her, für das sich Ausländer interessieren – und das liegt nicht an den Preisen. Das Handelsbilanzdefizit wächst entsprechend und lag im Mai bei 8,5 Milliarden Pfund. Großbritannien wird „in naher Zukunft keine vom Außenhandel angetriebene Wirtschaft“ sein, sagt Colin Ellis, Chefvolkswirt des British Venture Capital Association.

Da ist die Finanzwirtschaft in der Londoner City mit einem Beitrag von immerhin neun Prozent zum britischen BIP wohl der dynamischere Faktor. Internationales Investmentbanking und der Handel mit Wertpapieren am größten europäischen Finanzplatz funktionieren aber fast unabhängig von der lokalen Landeswährung. Als der Euro auf dem Kontinent eingeführt wurde, befürchteten einige Londoner Banker noch Nachteile für den eigenen Standort. Davon ist keine Rede mehr. Sie können mit dem Pfund gut leben.

Und sind mit vielen Landsleuten froh darüber, dass ihr hoch verschuldetes Land andere Möglichkeiten im Kampf gegen die Misere hat als etwa Irland. „Wären wir im Euro, wäre doch alles noch schlimmer“, meint der Europa-Experte Iain Begg von der London School of Economics.

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