Georg Milbradt: "Der teuerste Weg für den Steuerzahler"

Georg Milbradt: "Der teuerste Weg für den Steuerzahler"

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Georg Milbradt

von Christian Ramthun

Georg Milbradt kritisiert die Rettungsaktionen für den Euro und fordert den Austritt Griechenlands aus der Währungsunion. Die Rettungspolitik in Griechenlans sei die teuerste - und wenig aussichtsreich.

WirtschaftsWoche: Herr Milbradt, was machen die Euro-Retter falsch, dass nun auch große Länder wie Italien und Spanien von der Europäischen Zentralbank gestützt werden müssen?

Milbradt: Dass die EZB Anleihen dieser Länder überhaupt aufkauft, ist ein weiterer schwerer Fehler in einem insgesamt falschen Rettungskonzept.

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Was haben Sie gegen den Anleihenkauf, den EZB-Präsident Jean-Claude Trichet veranlasst hat – und den Nicolas Sarkozy und Angela Merkel unterstützen?

Berlusconi hat sich in Italien über Jahre um wichtige Strukturreformen herumgedrückt, weil sie unpopulär sind. Nun zwingen ihn die Märkte durch höhere Zinsen dazu. Und kaum geschieht dies, grätscht die EZB dazwischen und nimmt den Reformdruck. Das ist kontraproduktiv und unverantwortlich...

...aber bequem...

... und dabei kann sich Italien – wie auch Spanien – ohne Euro-Rettungsschirm selbst aus der Krise befreien.

Könnte sich womöglich auch Griechenland selbst aus dem Schlamassel ziehen?

Griechenland ist ein anderer Fall und innerhalb der Währungsunion nicht mehr sanierbar. Die Schulden des Landes bilden nur die Spitze eines Eisberges. Das grundsätzliche Dilemma der Griechen ist die katastrophale Produktivität ihrer Wirtschaft und ein untragbares Außenhandelsdefizit. Die notwendige Senkung der Löhne um 20 bis 30 Prozent würde aber Griechenland wahrscheinlich in einen Bürgerkrieg stürzen und ist politisch nicht durchsetzbar.

Und die Alternative?

Die weniger schmerzhafte Alternative wäre eine entsprechende Währungsabwertung, die allerdings auch von europäischen Hilfen begleitet werden müsste. Deshalb sollte Griechenland im eigenen Interesse vorübergehend aus dem Euro-Raum austreten – wenn es nicht am Dauertropf der anderen Länder und von uns Steuerzahlern hängen soll. Das könnte möglicherweise auch bei Portugal die bessere Option sein, wenn es nicht schnell genug gelingt, die Löhne zu senken oder die Produktivität erheblich zu erhöhen.

Ist das nicht arg akademisch gedacht? Merkel und Sarkozy halten einen Verbleib aller Euro-Länder für alternativlos.

Ein verantwortungsvoller Politiker behält stets Alternativen in der Hand. Was will man denn im Falle von Griechenland machen, wenn die Bevölkerung nicht bereit ist, die von uns verordnete Medizin einer längeren Depression zu schlucken und berechtigterweise am Erfolg zweifelt? Ungarn zum Beispiel hat seine Landeswährung Forint drastisch abgewertet und löst so seine Probleme, ohne die Märkte zu verstören und zum Transferempfänger zu werden. Die jetzige Euro-Rettungs-politik in Griechenland ist der teuerste Weg für den Steuerzahler – und für Griechenland der am wenigsten aussichtsreiche.

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