Gfk-Konsumexperte Rolf Bürkl: "Inflationsängste nehmen zu"

26. Mai 2010
Um das Konjunkturplus zu erhalten ist jetzt die Binnennachfrage gefordert Quelle: dpaBild vergrößern
Um das Konjunkturplus zu erhalten ist jetzt die Binnennachfrage gefordert Quelle: dpa
von Bert Losse

Immer mehr Bundesbürger haben Angst vor größeren Anschaffungen. Grund für das sich verschlechternde Konsumklima sind Inflationsängste.

Das Konsumklima in Deutschland hat sich eingetrübt. Der vom Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK ermittelte Konsumklimaindex für Juni sank gegenüber dem Vormonat von revidiert 3,7 auf 3,5 Punkte. Zuvor war der Indikator zwei Monate hintereinander gestiegen. Die Verbraucher schätzen die weitere Konjunkturentwicklung (minus 18,6 Punkte) und ihre persönlichen Einkommensperspektiven (minus elf Punkte) deutlich pessimistischer ein als noch im April. Die Bereitschaft der Bundesbürger zu größeren Anschaffungen sank um 3,5 Zähler, liegt aber immer noch über dem Vorjahreswert.

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wiwo.de sprach mit dem Gfk-Experten Rolf Bürkl über die Hintergründe.

wiwo.de: Herr Bürkl, obwohl die Wirtschaft wieder wächst, hat sich das Konsumklima in Deutschland verschlechtert. Was sind die Ursachen?

Bürkl: Ganz klar: Die Krise der Europäischen Währungsunion und der umstrittene Rettungsschirm haben bei den Verbrauchern erste Spuren hinterlassen. Unsere Befragungen liefen zwischen dem 30. April und 17. Mai und spiegeln daher die politische Debatte um die Zukunft des Euro gut wider. Die Bürger fürchten, dass die Rettungspakete für Griechenland und die hohen Schulden den Aufschwung in Deutschland bremsen könnten. Die Krise der Währungsunion  überlagert aus Sicht der Konsumenten derzeit die positiven Impulse durch steigende Exporte und den stabilen Arbeitsmarkt.

Spielen auch wachsende Inflationsängste eine Rolle?

Ja. Die Inflationsängste der Deutsche haben vor dem Hintergrund der Euro-Krise in den vergangenen Wochen  zugenommen. Der entsprechende Indikator der GfK ist im Mai von minus 38,2 auf minus 31,4 Punkte gestiegen. Das ist noch keine dramatische Entwicklung, der historische Mittelwert liegt etwa bei Null. Aber die Tendenz nach oben ist unverkennbar.

Und was heißt das für den realen Konsum?

Die deutschen Verbraucher reagieren traditionell stärker auf Inflationsgefahren als Konsumenten anderer Staaten. Vor allem Signalpreise wie der Benzinpreis schlagen sich in Deutschland schnell auf die Kauflaune nieder.

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Kommentare | 7Alle Kommentare
  • 09.08.2010, 22:32 UhrAnalyst

    zu Hägar.....aber bitte berücksichtigen, dass die Geldmenge -nicht nur in den USA- im Rahmen der Finanzmarkt- und bankenrettungsmassnahmen auch exorbitant in die Höhe getrieben wurde. Wenn heute jemand sagt "die Geldmenge fällt 10% - so stark wie seit 1933 nicht mehr" dann sollte man immer berücksichtigen "10% von WAS?" - 10% von einer fiskalpolitisch oder monetaristisch motiviert höheren Geldmenge (d.h. von einem weitaus höherem "Startpunkt") oder von einer "normalen" Geldmenge, die durch Eingriffe der Zentralbank eben nicht vorher in die Höhe geschraubt war. Dass ist die Sache mit den Prozentsätzen.....x% von was und was war "x" vorher und warum - erst wenn ich "x" kenne, kann das "%" besser beurteilen. Was die Zentralbanken derzeit machen ist nichts anderes als eben jene (Zentral-)bankgeldmenge wieder abzuschöpfen, die seinerzeit als "Liquidität" erforderlich war weil sich Kreditinsitute untereinander (Stichwort: interbankenmarkt) keine Zentralbankgelder mehr geliehen haben. Die banken tun dies nun vermehrt - ergo: kann auch die Zentralbank eben jene "Liquidität" wieder abschöpfen.

  • 27.05.2010, 14:39 UhrHaegar bitte

    Die armen Goldhaendler und immoentwickler, sie koennen denen doch nicht das Geschaeft madig reden.
    Die Leben doch von der inflationangst, betonung auf Angst.
    Die bildvwler vergessen bei ihrer ganzen inflationspanik, dass inflation vier Variabeln hat, Geldmenge, Umlaufgeschwindigkeit, Preisniveau, reale Produktion( oh das ist von Friedman sogar), das zwar bei gleichbleibenden Faktoren eine inflation bei Geldmengenausweitung vorhersagt, aber da liegt ja die Krux die Umlaufgeschwindigkeit wird immer niedriger(jaja die Kreditklemme die boese).

    Wenn jetzt auch noch in Folge der ganzen Weltuntergangsstimmung, die Leute kein Geld ausgeben, also die Sparquote in den industrielaendern hochgeht, verschaerft sich das sogar noch.
    So kann man sogar monetaristisch keine inflation herbeipredigen,
    jaja und dann wird in baelde von 2 % inflation getraeumt werden.

    Aber wie gesagt Gold ist eine tolle Geldanlage, leider nur fuer die die es mit Agio verkaufen!

  • 27.05.2010, 14:12 UhrHägar Schmidt

    Aufgepaßt: Eine enorme Geldmengen-Schrumpfung (!) ist gerade unterwegs. Eine baldige Deflation ist praktisch sicher. Die Verkleinerung der Geldmenge in den USA um fast 10% (!!!) ist die schlimmste seit der Großen Depression (siehe: http://www.businessinsider.com/money-supply-double-dip-2010-5). Das wird den inflationsangst-Opfern, die wie Lemmige in Gold und immobilien "investieren", noch viel Freude bereiten. ich habe's 100mal gesagt :-)

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