Gipfeltreffen in Japan: Nuklearstrom spaltet G8

Gipfeltreffen in Japan: Nuklearstrom spaltet G8

Bild vergrößern

Bundeskanzerlin Angela Merkel (CDU, v) schaut sich am Montag (07.07.2008) zu Beginn des zweiten Gruppenfotos des G8 Gipfeltreffens in Toyako in Japan eine Steckdose im Fußboden genau an. Im Hintergrund steht der japanische Ministerpräsident Yasuo Fukuda. Bis Mittwoch (09.07.2008) beraten die Staats- und Regierungschefs der G8 Staaten auf der nordjapanischen Insel Hokkaido.

Die Atomenergie spaltet den G8-Gipfel im nordjapanischen Toyako. Nach schwerem us-amerikanischen Beschuss gegen den deutschen Ausstieg aus der Atomenergie konterte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag in Japan: die Zukunft der Kernenergie sei nicht entscheidend im Kampf gegen den Klimawandel.

 „Ich glaube nicht, dass sich der Klimaschutz an der Frage der Kernenergie alleine entscheidet“, betonte Merkel am Rande des G-8-Gipfels in Toyako. Zwar sei sie bekanntermaßen dagegen, Kernkraftwerke frühzeitig abzuschalten. „Aber wir müssen vor allen Dingen neue Wege gehen“, betonte die Kanzlerin. Dazu zählte sie die stärkere Nutzung erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz.

In der Klimadebatte hatten die Amerikaner in Japan den deutschen Ausstieg aus der Atomenergie so deutlich wie lange nicht an den Pranger gestellt. Der Umweltberater des Präsidenten, Jim Connaughton, nannte die Förderung von Nuklearenergie, einen „Lackmustest für die Ernsthaftigkeit eines Landes“, gegen die Klimaerwärmung vorzugehen. Wer wirklich die Ambition vertrete, den Ausstoß von Treibhausgasen zu halbieren, müsse Milliarden Tonnen von Kohlenstoffdioxid vermeiden. Das ginge jedoch nur mit dem Bau von mehreren hundert neuen Kernkraftwerken, weil diese „gar keine Treibhausgase verursachen“.

Anzeige

Zugespitzt forderte der US-Politiker „ein Land, dass die Fähigkeit hat, Atomkraft verantwortlich zu nutzen, hat aus meiner Sicht auch die Pflicht, das zu tun“. Wer bis dahin noch nicht gemerkt hatte, wohin der Wind bläst, wurde von Connaughton belehrt, Windenergie sei dafür untauglich. Um die von Deutschland vehement vertretenen Klimaziele zu erreichen, müßten Millionen Windenergieanlagen in die Landschaft gesetzt werden. Damit kritisierte Washington auch die Entscheidung der Bundesregierung vom Wochenende, diese Form der Stromerzeugung mit 30 Milliarden Euro zu fördern.

Zwar beteuerte der amerikanische Umweltberater später, er habe mit seinem Statement nicht Berlin gemeint, aber Angela Merkel steht mit ihrer offiziellen Atom-Haltung bei G8 allein auf weiter Flur. Vor allem Gastgeber Japan, der als energiearmes Industrieland sein Nuklearprogramm trotz aller Sicherheitsbedenken mit Brachialgewalt durchzieht, wird die amerikanische Position übernehmen. Auch Frankreich und Großbritannien sehen im Atomstrom eine wichtige Alternative zu teurem Öl und Gas.

"Von der Schönheit der Atomkraft überzeugen lassen"

US-Präsident Georg W. Bush selbst hatte schon vor seinem Eintreffen in Hokkaido deutlich Position bezogen. Gegenüber japanischen Journalisten forderte er, dass die Streiter für den Umweltschutz „sich einfach von der Schönheit der Atomkraft“ überzeugen lassen sollten.

Die Angst vor den Gefahren eines nuklearen Gaus zählt offenbar für den  USA-Präsidenten und – außer Merkel vielleicht – allen anderen Gipfelteilnehmern nicht. Selbst für den atomaren Abfall werde es sicher schon bald „neue Technologien geben, die den Menschen die Sorgen nehmen“, erklärte er gegenüber japanischen Medien.

Beobachter am Rande des G8-Gipfels schließen aus dieser amerikanischen „Atomoffensive“, dass Bush versuchen wird, bei der Diskussion im Kreis der Staatsführer am Dienstag das Thema Klimaschutz in diese Richtung zu lenken und damit den Druck von den USA als einer der größten Luftverschmutzer in der Welt zu nehmen.

Ein anderes Ziel hat Bush bei seinem achten und letzten G8-Treffen fast schon erreicht. Die Wahlfarce von Simbabwe dürfte reichen, eine Resolution zu verabschieden, die Diktator Robert Mugabe heftig kritisiert. In diesem Sinne nutzte auch Großbritanniens Premierminister Gordon Brown am Montag den um sieben afrikanische Führer erweiterten Gipfel, den Widerstand von Südafrikas Präsident Mbeki gegen internationalen Druck auf Mugabe deutlich abzuschwächen.

Einig waren sich alle versammelten Staats- und Regierungschefs, dass Afrika schnell und unbürokratisch Lebensmittelhilfe erhalten soll. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy forderte, dafür Exportbeschränkungen aufzuheben. Er unterstütze auch den Plan, auf dem G8-Gipfel festzuschreiben, den bedürftigsten Ländern Zugang zu den Nahrungsmittelüberschüssen der reichen Staaten zu gewähren. Deutschland will seine Entwicklungshilfe auf 800 Millionen Euro aufstocken und noch in diesem Jahr 500 Millionen Euro gegen eine drohende Hungerkrise bereit stellen. An diesem Punkt stand Angela Merkel wieder in einer Front mit den anderen Gipfelstürmern.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%