Glaubwürdige Quellen: Fake News als Thema im US-Sozialkunde-Unterricht

Glaubwürdige Quellen: Fake News als Thema im US-Sozialkunde-Unterricht

, aktualisiert 14. Februar 2017, 20:08 Uhr
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Ausreichend Anschauungsmaterial zu Fake News findet sich, aber in politischer Hinsicht gehen die Meinungen über wahr und falsch – in einem gespaltenen Land – auch bei den US-Schülern auseinander.

Quelle:Handelsblatt Online

Aufklärung über Fake News gehört in den Unterricht – sind sich die meisten Lehrer in den USA einig. Jugendliche könnten sich so am besten gegen Fehlinformationen im Netz wappnen. Doch es ist Überzeugungsarbeit nötig.

WilliamsvilleDie Zeitungsente war noch eine berechenbare Gegnerin. Fake News aber sind gefährlichere Täuscher und Verführer. Ihr Aufblühen im Internet stellt Schulen und Lehrer vor die große Aufgabe, Kinder und Jugendliche gezielt für falsche und irreführende Nachrichten zu sensibilisieren. „Ich denke, dass nur Bildung dieses Problem lösen kann“, sagt Pat Winters Lauro von der Kean-Universität in New Jersey.

Viele Pädagogen stimmen der Professorin zu: Wenn Schüler aufmerksam die Tweets, Posts und Nachrichten prüften, würden Schlagzeilen wie „Papst stellt sich hinter Trump“ viel leichter und schneller entlarvt.

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In den USA haben sich Lehrer aller Schularten auf den Weg gemacht. Mit dem Aufkommen der Online-Medien als Nachrichtenkanäle setzte sich die Stony-Brook-Universität in New York schon vor rund zehn Jahren dafür ein, nicht nur Journalisten, sondern auch die Konsumenten entsprechend auszurüsten.

Die Uni ist weiter aktiv auf dem Feld, zuletzt startete sie in Kooperation mit einer Hochschule in Hongkong einen kostenlosen Online-Kurs. Inzwischen reagieren immer mehr Schulen, auch der Ruf nach politischer Regelung wird laut: In Kalifornien brachte ein Abgeordneter im vergangenen Monat einen Gesetzesentwurf ein, der Fake-News-Aufklärung ab Jahrgangsstufe sieben vorsieht.

Früher sei es einfacher gewesen, zu beurteilen, ob eine Nachricht glaubhaft ist, meint Lauros Mitarbeiter Mike Roche an der Kean-Universität. Die Quellen seien überschaubarer gewesen, oft Zeitungen und Zeitschriften. „Jetzt kommt alles über das gleiche Medium, dem Handy oder dem Computer, damit können die Linien leicht verschwimmen“, erklärt er. Die Unterscheidung zwischen wahr und falsch werde schwerer.

Lauro sieht noch eine weitere große Herausforderung: Das Klarstellen, dass ein Herausfiltern falscher Nachrichten nichts mit politischer Meinungsmache zu tun hat. „Es ist kein schwieriges Thema, wenn es darum geht, Material zu finden“, sagt Lauro. „Aber es ist schwierig in Bezug auf Politik, weil wir ein so geteiltes Land haben. Und bei den Ansichten unserer Schüler gibt es diese Teilung genauso.“

Die Schüler werteten es manchmal als politisches Statement statt reiner Vermittlung journalistischer Standards für Fakten und deren Überprüfung auf den Wahrheitsgehalt. Sie unterstellten ihr dann schon einmal, „anti“ das eine oder das andere Thema zu sein.

Quer durch alle Schularten soll die Auseinandersetzung mit irreführenden Posts und Tweets erfolgen, fordert der Dozent Tom Boll an der Syracuse-Universität im US-Staat New York. „Für mich ist es die neue Sozialkunde“, sagt er. Seit alle Posts verbreiten und teilen könnten, seien die Tage der Nachrichten aus Sendenetzwerken und der Zeitungsredakteure, die Nachrichten aufbereiten, vorbei. „Die Türen stehen weit offen“, erklärt Boll. „Und es liegt an uns, herauszufinden, was man glauben kann.“

Lehrer Bill Ferriter aus North Carolina impft seinen Schülern ein, immer erst den gesunden Menschenverstand zurate zu ziehen, wenn es darum geht, ob eine Geschichte wahr sein kann. Dann lenkt er den Blick auf die Adresse der Webseiten und auf die Autoren, um nach Hinweisen auf eine mögliche Fälschung zu suchen. Sensibilisierung schreibt Ferriter groß. Seine größte Schwierigkeit sei oft, die Schüler „zu überzeugen, dass es so etwas wie fragwürdige Inhalte im Netz überhaupt gibt“.

In der Klasse von Lesley Battaglia, die Fake News in der Wahlkampfzeit in den Stundenplan aufgenommen hat, werden aber auch gegenläufige Bedenken laut. Falsche Nachrichten könnten das Vertrauen selbst in glaubwürdige Quellen zerstören, geben die Schüler zu bedenken. Dann könnten in einflussreichen Kreisen alle missliebigen Meldungen als falsch abgetan werden. Der Willkür wäre der Weg bereitet, meint Katie Peter. „Wenn die Menschen anfangen, allen Quellen zu misstrauen, dann ermöglicht das den Leuten an der Macht, zu tun, was sie wollen“, sagt sie. „Und das ist sehr beängstigend.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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