Globaler Markt: Einkauf in China

Globaler Markt: Einkauf in China

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Textilproduktion in China: Kostenschub wirkt sich auch auf die Endverbraucherpreise aus.

In Chinas Küstenprovinzen steigen die Kosten, Firmen verlagern die Produktion. Welche Alternativen bieten sich Unternehmen beim globalen Einkauf?

Wegen ein paar Dollar mehr? Paul Hoogendoorn schüttelt den Kopf. Der gebürtige Holländer sitzt in seinem Büro im Hongkonger Stadtteils Hunghom, von wo aus er Produktion und Einkauf von Strickwaren für die Genfer Modefirma Repeat Group steuert. Natürlich sei es ärgerlich, wenn Lieferanten ihre Preise in diesem Jahr um 20 Prozent anheben. Aber neue Lieferanten suchen? Für uns „keine Alternative“. Hoogendoorn wird bei seinen Vertragsunternehmen in den nahen Kostenprovinzen bleiben.

Schon seit zehn Jahren lässt er hier hochwertige Strickwaren aus Cashmere, Wolle und Baumwolle produzieren. Vier Kollektionen pro Jahr mit etwa einer Million Teile, die in Westeuropa zu Preisen von bis zu mehreren Hundert Euro über die Ladentheke gehen. „Wir verkaufen Markenware“, sagt er. Da spielen die Arbeitskosten in Relation zum Materialeinsatz keine so große Rolle. Weder in Vietnam noch Indien könnten Firmen derzeit vergleichbar verlässlich produzieren und liefern. Dort einkaufen – das ist, so Hoogendoorn, „etwas für Firmen, die ihre Kollektion wegen zehn Cent verschieben“.

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In der Tat: Vor allem für die Unternehmen, die in einem scharfen Preiswettbewerb stehen, sind die jüngsten Kostensteigerungen ein Thema. Etwa für die Verkäufer von Aktionsware wie Tchibo oder Aldi. „Beschaffung in China wird teurer“, warnte jüngst eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers. Steigende Lohn- und Lohnnebenkosten, höhere Grundstückspreise, reduzierte Mehrwertsteuererstattung, die Aufwertung des Yuan, die Anhebung der Körperschaftsteuer für ausländische Unternehmen – all das treibt die Kosten. „Der Kostenschub wird sich auch in den Preisen für die Endverbraucher auswirken“, prognostiziert Wolfgang Ehmann von der Deutschen Auslandshandelskammer in Hongkong.

China weiterhin wichtigster Beschaffungsmarkt für Konsumgüter

Manche Unternehmen mit eher einfachen Produkten haben ihre Fabriken bereits aus China verlagert, weiß Sven Marlinghaus von der auf Einkauf spezialisierten Unternehmensberatung BrainNet: „Spinnereibetriebe investieren in der Mongolei und Myanmar, Schuhhersteller wandern ab nach Kambodscha.“

Aber wird China deshalb seine Stellung als weltweit wichtigster Beschaffungsmarkt für Konsumgüter einbüßen? Geht dem Drachen wegen „der Kostenexplosion die Luft aus“, wie das „Handelsblatt“ schreibt?

Nein, sagt Helmut Merkel, der im Arcandor-Vorstand von Hongkong aus den globalen Einkauf verantwortet. „Kein anderes Land kann derzeit solche Volumina übernehmen“. Der Großteil der Textilien, Spielzeuge, Schuhe oder Unterhaltungselektronik in den Supermarktregalen und Warenhäusern Europas und Amerikas stammt heute aus chinesischen Fabriken in den Küstenprovinzen. Von hier beziehen Handelsriesen wie Metro, Otto oder Karstadt nach Branchenschätzungen zwischen 60 und 70 Prozent ihres Warensortiments. Der amerikanische Supermarktgigant Wal-Mart kaufte im vergangenen Jahr für 27 Milliarden US-Dollar Waren in China ein.

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