Globalisierung: Großer Frust für Unternehmen in China

Globalisierung: Großer Frust für Unternehmen in China

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Die Skyline von Hong Kong.

Sieben Jahre nach dem Beitritt zur Welthandelsorganisation behindern die Behörden in China immer noch systematisch europäische Unternehmen.

Wenn Hans-Jörg Probst könnte, wie er wollte, würde er die Expansion seines Unternehmens in China deutlich beschleunigen. „Der Markt entwickelt sich rasant“, schwärmt der stellvertretende Chef der Lebensversicherungssparte der Allianz in Shanghai, denn immer öfter entdeckten jetzt auch die Chinesen die Vorzüge von Kranken-, Lebens- oder Sachversicherungen: „Die Nachfrage ist riesig“, sagt Hans-Jörg Probst.

Obwohl das große Land gut ein Dutzend davon vertragen könnte, gibt es bislang erst sechs Allianz-Niederlassungen. In Kürze will Probst eine siebte Filiale in Peking eröffnen. Sein Problem: Ausländischen Versicherungen genehmigen die Behörden gerade mal zwei zusätzliche Niederlassungen pro Jahr. Dagegen können die mehr als 100 chinesischen Konkurrenten so viele Filialen eröffnen, wie sie wollen.

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Wie der Allianz ergeht es den meisten Versicherungen, Banken oder Anwaltskanzleien aus Europa. Obwohl sich China nach seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) in 2001 theoretisch auch zur Öffnung seines Dienstleistungssektors verpflichtet hat, bauen sich vor Dienstleistungsunternehmen aus Europa in der Praxis immer noch gewaltige Hürden auf. Viele Behörden behaupten, sie hätten zu wenig Personal, um die Anträge zügig zu bearbeiten. In der Realität behindern die Behörden viele ausländische Investoren gezielt und systematisch – um einheimische Unternehmen vor unliebsamer Konkurrenz zu schützen. „Nichttarifäre Handelshemmnisse sind ein Riesenproblem“, sagt Jörg Wuttke, Präsident der Europäischen Handelskammer in China (EUCCC). Inzwischen vermuten, einer aktuellen Umfrage der EUCCC zufolge, 22 Prozent der europäischen Firmen in China, dass die Behörden absichtlich die Umsetzung der WTO-Vorschriften verschleppen. Im vergangenen Jahr waren es erst 19 Prozent. Der Schaden ist enorm: Mehr als 55 Millionen Euro täglich, berechnete die EU-Kommission, verlieren europäische Firmen aufgrund der Handelshemmnisse.

Besonders hart trifft es Finanzdienstleister – angeblich weil sich die chinesischen Anbieter nach mühsamen Reformen noch im Aufbau befinden. Auch für ausländische Banken gilt deswegen die Begrenzung auf zwei neue Niederlassungen pro Jahr. Erschwerend kommt hinzu, dass sie für jede neue Leistung, vom Konsumentenkredit bis zum Sparplan, eine gesonderte Lizenz beantragen müssen, bis zu deren Genehmigung manchmal ein Jahr oder mehr vergeht. Nicht selten lehnt die chinesische Finanzaufsicht Anträge auf zusätzliche Filialen mit der Begründung ab, das betreffende Institut sei noch zu klein, um Finanzprodukte in großem Stil anzubieten. „Das ist absurdes Theater“, schimpft der Vertreter einer renommierten französischen Bank in Shanghai, „erst bremsen sie unser Wachstum, und dann erzählen sie uns, wir seien zu klein.“

Noch schwieriger ist der Markteinstieg in China für die Musikbranche. Rund 85 Prozent aller in China vertriebenen Musik-CDs sind Raubkopien, 99 Prozent der im Internet vertriebenen Songs sind nicht lizenziert. Wer aber in China auf offiziellem Wege CDs vertreiben will, muss sich durch einen wahren Behördendschungel quälen. Bevor sie in den Handel geht, müssen mindestens drei offizielle Stellen eine CD genehmigen, darunter auch die Zensurbehörde, die jeden Liedtext auf politische Korrektheit prüft.

Aber der Druck auf China wächst. „Ich teile ihren Frust“, sagte EU-Handelskommissar Peter Mandelson bei seiner jüngsten China-Visite einer Gruppe europäischer Unternehmer in Shanghai und versuchte, ihnen Mut zu machen. Während des EU-China-Gipfels in Peking verwies er Ende 2007 auf das galoppierende Handelsbilanzdefizit zwischen Europa und China und beharrte auf einem fairen Zugang zum chinesischen Markt. Dabei scheute Peter Mandelson auch nicht davor zurück, sich mit Chinas früherer Vizepremierministerin Wu Yi anzulegen, die eine Rede Mandelsons öffentlich kritisiert hatte. „Europa wird sich nicht gegenüber China abschotten“, so Mandelson, „wir wollen aber die gleichen Chancen, die chinesischen Firmen in Europa haben.“

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