Glossar Schuldenkrise: Was hinter ESM, Hebel und Haircut steckt

Glossar Schuldenkrise: Was hinter ESM, Hebel und Haircut steckt

Fast schon täglich verwirren uns Politiker und Finanzmarkt-Experten mit neuen Abkürzungen und Begriffen zur Schuldenkrise. Ein Überblick über die wichtigsten Schlagwörter der aktuellen Diskussion und ihre Bedeutung.

EFSF

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Viele Begriffe rund umd die Rettung von Euro-Staaten, Foto: Uli Deck/dpa

EFSF ist die Abkürzung für European Financial Stability Facility (dt. Europäische Finanzstabilisierungsfazilität), umgangssprachlich auch Euro-Rettungsschirm genannt.  Deutschland trägt an diesem Stabilitätsfonds über 27 Prozent der Einlagen und des Risikos. Sofern man von dem derzeit geltenden Rahmen ausgeht, beträgt der ausgeweitete tatsächliche Kapitalrahmen des Fonds 411 Milliarden Euro, wovon Deutschland für fast 120 Milliarden Euro geradesteht. Inklusive Garantien stehen fast 780 Milliarden Euro zur Verfügung, dann würde Deutschland über 211 Milliarden Euro bürgen. Die Ausweitung auf 411 Milliarden Euro wurde als nötig angesehen, weil der Fonds den Ausfall von größeren Staaten nicht finanzieren könnte. Aber auch diese Summe steht nun zur Diskussion, weil über einen Hebel nachgedacht wird. Als erste Staaten erhielten Irland und Portugal Geld aus dem Fonds. Der EFSF ist als vorübergehender Rettungsschirm gedacht, für den die Staaten bürgen, aber nicht unbedingt eigene Haushaltsmittel aufwenden.

Infografik zum EFSF

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ESM

Anders ist das beim ESM (Europäischer Stabilitätsmechanismus). Dieser soll später das Provisorium EFSF ablösen, ist also der neue Super-Rettungsschirm für Euro-Staaten, denen eine Pleite droht. In ihn sollen die Eurozonenstaaten auch tatsächlich Gelder einzahlen, so dass die Haushalte der Staaten unmittelbar belastet werden. Geplant ist ein Kreditvolumen von derzeit 500 Milliarden Euro, ab Mitte 2013 soll er agieren.

Hebel

Der Hebel ist die finanztechnische Streckung des EFSF-Kreditrahmens. Dies geschieht durch eine Art Versicherung: Der Fonds bürgt für einen Teil des Ausfallrisikos, welches Anleger bei Anlagen in bestimmten Euro-Staatspapieren tragen. Wenn also ein Anleger 100.000 Euro anlegt und der EFSF im Falle eines Ausfalls einen Teil davon trägt – im Gespräch sind 20 bis 30 Prozent – dann kann der EFSF mit geringen Garantiemittel hohe Kredite absichern. Er würde also im Rechenbeispiel für 20.000 bis 30.000 Euro geradestehen. Die Spekulation auf einen Staatsbankrott verschiedener Länder würde so uninteressant werden – vorausgesetzt, die Absicherung ist beeindruckend genug. Damit könnte die gefährliche Sogwirkung, die von einer Pleite Griechenlands ausgeht, gestoppt werden. Ohne Risiko ist aber – natürlich – auch diese Strategie nicht. Zur Diskussion stehen Hebelwirkungen von ein bis zwei Billionen Euro.

Eurobonds

Bonds – oder zu deutsch: Rentenpapiere – sind Schuldpapiere, die ein Staat ausgibt. Für die Aufnahme der Schulden muss der Staat dem Gläubiger Zinsen zahlen. Und die Höhe der Zinsen richtet sich unter anderem danach, wie risikobehaftet das Investment für den Gläubiger ist, also wie wahrscheinlich es ist, dass er die komplette Höhe nebst Zinsen vom Schuldner zurückerhält. Entsprechend müssen Staaten wie Griechenland, Portugal, Spanien oder Italien hohe Zinsen für ihre Bonds bezahlen, Deutschland und Frankreich hingegen wenig. Denn die einen sind von Staatspleiten bedroht, die anderen haben die erdenklich besten Noten, die ihnen Ratingagenturen geben könnten. Oder umgekehrt ausgedrückt: Die schwächelnden Schuldenstaaten müssen in der Krise erst recht viel für das dringend benötigte frische Geld ausgeben. Die Idee von Eurobonds ist es, dass die Euro-Staaten ihre eigenen Landesbonds zugunsten eines einzigen Bonds aufgeben – und die Hoffnung der Krisenstaaten ist natürlich, dass sich dadurch die Refinanzierungskosten für ihre Schulden merklich vermindern. Die topgewerteten Staaten befürchten hingegen zukünftig höhere Zinskosten und argumentieren, dass durch eine Europäisierung der Schulden die Spar- und Restrukturierungsanstrengungen der Krisenstaaten gemindert werden könnte. Zudem haben Ratingagenturen einem potenziellen Eurobonds auch eher schlechte Benotungen vorausgesagt. Um den Eurobonds ist also ein Streit entbrandt.

Schuldenschnitt/Haircut

Der Schuldenschnitt, im Fachjargon auch Haircut (engl, für Haarschnitt), ist ein mögliches Szenario für den Fall, dass Griechenland oder ein anderer Staat pleite geht. Denn formell gibt es ja nicht so etwas wie ein Insolvenzverfahren für Staaten. Der Staat kann aber einfach die Forderungen – zum Beispiel die Löhne der Staatsangestellten oder auch die Zinszahlungen für die Schulden – nicht mehr bedienen. Die Gläubiger müssten dann auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten – bei Griechenland sind 50 Prozent im Gespräch. Und sie machen das in der Hoffnung, dass sie so wenigstens einen Teil ihrer Einlagen wiedersehen. Größter Gläubiger im Falle von Griechenland ist aber ohnehin letztendlich der Steuerzahler, der im Zweifel auch für die Stützung von Banken aufkommt, die aufgrund des Haircuts ins Straucheln geraten.

Unterkapitalisierung

Eine Unterkapitalisierung bedeutet, dass ein Unternehmen mit zuwenig Eigenkapital ausgestattet ist. Oder umgekehrt: Das Unternehmen finanziert sich zu stark über Fremdkapital. Es drohen Insolvenzen. In Bezug auf die Bankenwelt gibt es hier klare Regeln. Ab 2019 müssen sie laut Basel III mindestens sieben Prozent Kapital aus Rücklagen oder eigenen Aktien haben. Diskutiert wird auch eine zwangsweise Aufstockung auf neun Prozent.  Derzeit liegt die geforderte Eigenkapitalquote bei fünf Prozent. Dies gilt gemeinhin als Risiko. Die Banken könnten damit, so die Vermutung, Krisensituationen nicht mehr meistern.

Schuldenbremse

Immer wieder im Gespräch rund um den richtigen Umgang mit den Haushaltsfinanzen ist die Schuldenbremse. Anders als eine Schuldengrenze setzt sie nicht das Ziel, dass die Schulden unter eine Grenze sinken, sondern sie schreibt konkrete Mechanismen zur Schuldenreduzierung vor. Mehrere europäische Länder haben sie bereits in ihren Verfassungen verankert, so auch Deutschland. Experten räumen ihr allerdings kein Potenzial für die Lösung akuter Probleme ein, sondern sehen sie eher als langfristiges Mittel hin zu ausgeglichenen Haushalten.

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