Donald Trump: Die Welt ordnet sich neu - ohne die USA

kolumneGörlachs Gedanken: Donald Trump setzt Amerika aufs Spiel

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Alexander Görlach ist Affiliate der Harvard University, wo er im Government Department zum Konzept des Abendlands arbeitet. Er ist ferner Senior Fellow des Carnegie Council for Ethics in International Affairs, Kommentator für die New York Times und Herausgeber des Online-Magazins www.saveliberaldemocracy.com.

Photo Credit: David Elmes, Harvard University

Kolumne

Beim G20-Gipfel trifft Donald Trump erstmals als Staatschef auf den russischen Präsidenten – und wird wohl die Schlagzeilen bestimmen. Doch während die Trump-Show weitergeht, ordnet sich die Welt neu.

Was bei einer Umfrage herauskäme, in der man die Deutschen befragte, ob sie sich auf den Besuch von US-Präsident Donald Trump freuen oder nicht? Der amtierende US-Präsident hat anders als sein Vorgänger Barack Obama in der Alten Welt nicht viele Freunde. Er hat sich dies wegen seiner Absage an eine globale Klimapolitik, einer hässlichen Rhetorik gegen Minderheiten und eine isolationistische Handelspolitik selbst zuzuschreiben. Der G20-Gipfel ist aber, so wie alle Veranstaltungen dieser Art darauf ausgelegt, größtmögliche Einigkeit zu demonstrieren und einer wartenden Weltöffentlichkeit Ergebnisse zu präsentieren. Das alles wird erschwert, nahezu unmöglich gemacht, seit Donald Trump als 45. Präsident der USA in das Weiße Haus eingezogen ist.

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Ergebnisse zu erzielen ist nie leicht in einem Gremium wie den G20, nun scheint es nahezu aussichtslos. Das Bekenntnis zum Welthandel geben neuerdings die Chinesen ab, der US-Präsident träumt von Importzöllen auf deutsche Autos. Er fand den Brexit gut, Madame Le Pen und umgarnt nunmehr die semi-autokratischen Polen. Das und vieles mehr ist zutiefst unsympathisch. Und so wie der Präsident nach seinen peinlichen Auftritten bei der NATO und G7-Gipfel politisch isoliert war, umgeben von kopfschüttelnden Alliierten, dürfte diese Annahme fast schon eine Binse sein: Politiker wie Wahlvolk werden die Anwesenheit von Donald Trump wohl nicht gerade als hilfreich betrachten.

Nachdem der neue Spezi von Donald Trump, der König von Saudi-Arabien seine Reise abgesagt hat, bleibt nur noch ein Highlight für den US-Präsidenten, für das sich die weite Anreise lohnen mag: die erste persönliche Begegnung im Amt mit Wladimir Putin. Trump ist innenpolitisch in mehrere Untersuchungen verstrickt, die, grob gesprochen, seine und die Beziehungen seines Teams zu Herrn Putin und dessen Nomenklatura zum Gegenstand hat. Allerdings steht zu befürchten, dass diese Untersuchungen folgenlos für Trump bleiben.

Er selbst nennt seinen Stil mittlerweile „modern day presidential“. Damit versucht er seinen Tweets, in denen er sich abfällig über Frauen äußert, einen Glanz zu verleihen. Auch wenn einzelnen, wenigen Republikanern ob dieses unwürdigen Verhaltens der Kragen geplatzt ist, hängen viele der Parteigenossen an der Macht, deren Garant ein Präsident derselben Parteienfamilie im Weißen Haus ist. Dabei teilt er aus, was das Zeug hält, verträgt aber umgekehrt keine Kritik. Sein jüngster Schlag ist ein Video, in dem er auf einen anderen Mann einboxt, über den das Logo des Nachrichten-Senders CNN gelegt ist. Dieses Video, es ist echt und zeigt einen inszenierten Boxkampf aus Trumps vergangenem Leben, in dem er als mittelmäßiger TV-Host und halbseidener Unternehmer von sich reden machte. 

Die Begegnung mit Angela Merkel wird angesichts der charakterlichen Nicht-Dispostion des US-Präsidenten eher kühl, womöglich sogar eisig verlaufen. Die erste Begegnung der beiden im Weißen Haus verlief schlecht: Trump weigerte sich, im Oval Office die Hand Merkels für die Fotografen zu schütteln. In der gemeinsamen Pressekonferenz sagte er, dass Merkel und er wenigstens gemeinsam hätten, beide von Obama ausgespäht worden zu sein. Das Gesicht Merkels hierbei sprach Bände. Später nannte der US-Präsident die Deutschen „sehr schlecht“ und bezog sich dabei auf die Importe Made in Germany, die in die USA eingeführt werden.

Ein Trend ist erkennbar, der die USA weit über die Präsidentschaft Trumps hinaus schädigen und schwächen wird: der Präsident zieht sich und damit sein Land zurück aus internationalen Gremien und Abkommen. Das Freihandelsabkommen TTP, die Nachbarschaft mit Mexiko und Kanada, deren Fundament das Abkommen NAFTA ist, die NATO, die G7 und die G20. Anhänger werden diesen Zungenschlag mögen. Aber Multilateralismus und Kooperation der vergangenen 70 Jahre ist der Grund für Frieden in der westlichen Welt. Deswegen ist China ja auch so begeistert dabei, in die Rolle zu schlüpfen, die die USA frei gegeben haben. Auch die G20 werden in einem ersten Moment durch die Schwäche der USA als Ganzes in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Machtverhältnisse werden sich auch dort schnell neu finden – ohne die USA. Von Herrn Trump ist in Hamburg nichts zu erwarten. Er könnte ebenso gut auch zu Hause bleiben.

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