ThemaUSA

Golden State: Kalifornien ist im Goldrausch

10. Februar 2013
Stellt Bürger vor die Qual der Wahl - Kaliforniens Gouverneur Brown Quelle: dpaBild vergrößern
Stellt Bürger vor die Qual der Wahl - Kaliforniens Gouverneur Brown Quelle: dpa
von Matthias Hohensee

Der US-Bundesstaat hat die Beinahe-Pleite umsurft und erstrahlt in neuem Glanz - vor allem durch Steuererhöhungen für Besserverdienende. Doch ist der Aufschwung erst einmal vorbei, leidet die Wirtschaft doppelt.

Anzeige

Zu triumphieren gab es nichts. Als der Republikaner Arnold Schwarzenegger am 3. Januar 2011 sein Amt als Gouverneur von Kalifornien dem Demokraten Jerry Brown übergab, hinterließ er eine Haushaltslücke von etwa 28 Milliarden Dollar – rund ein Viertel des gesamten Jahresetats. Seine Sparbemühungen, viele in heftigen Kämpfen mit Gewerkschaften ausgetragen, hatten wenig gefruchtet. Aus einer stagnierenden Wirtschaft mit einer zweistelligen Arbeitslosenrate konnte sich Schwarzenegger nicht heraussparen. Kalifornien stand am Rand des Bankrotts und hatte mal wieder seinen Ruf bestärkt, weit über seine Verhältnisse gelebt zu haben.

Zwei Jahre später erstrahlt der Golden State in neuem Glanz. Wirtschaftsnobelpreisträger und "New York Times"-Kolumnist Paul Krugman preist Kalifornien sogar als Vorbild für die hoch verschuldeten USA – nicht nur, weil es seinem Rat gefolgt ist, die Steuern zu erhöhen.

Im aktuellen Haushalt, den Gouverneur Brown Mitte Januar präsentierte, klafft erstmals seit Jahren keine Finanzierungslücke mehr. Während US-Präsident Barack Obama noch immer nicht weiß, wie er der Verschuldung des Bundesstaates Herr werden soll, prognostiziert dessen Parteifreund im laufenden Haushaltsjahr sogar einen Überschuss von 785 Millionen Dollar; im nächsten sollen es 851 Millionen Dollar sein. Brown will mit dem Geldsegen eine Rücklage von einer Milliarde Dollar bilden, als Notgroschen für schwere Zeiten.

Der Bürger zahlt - Wie sich Kaliforniens Jahresbudget speist (in Milliarden Dollar) (zum Vergrößern bitte anklicken)
Der Bürger zahlt - Wie sich Kaliforniens Jahresbudget speist (in Milliarden Dollar) (zum Vergrößern bitte anklicken)

"Kalifornien hat den Abgrund überwunden", sagt Stephen Levy, Direktor des Center for Continuing Study of the California Economy in Palo Alto. Wie hat Brown das geschafft?

Zunächst einmal profitiert der 74-Jährige, der schon von 1975 bis 1983 Kalifornien führte und dessen Vater Pat in den Sechzigerjahren das Land regiert hat, von einem zarten Wirtschaftsaufschwung. Mit dem leichten Anziehen der Immobilienpreise hat sich die Baubranche etwas erholt, der niedrige Dollar hilft dem Agrar -und Technologiesektor.

Die größten Pleitekandidaten der USA

  • Kalifornien

    Kaliforniens Haushaltsloch brachte schon Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger zur Verzweiflung. Weder die Schließung von Gefängnissen noch die Sperrung von Nationalparks konnten die Finanzkrise des Landes lösen. In diesem Jahr wird im bevölkerungsreichsten US-Staat wohl eine Lücke im Haushalt von 25,4 Milliarden Dollar klaffen. Zur Einordnung: Das ist fast ein Drittel (29,3 Prozent) des Gesamtetats von 2011. Nun wird überall gespart – außer bei der Filmförderung für Hollywood.

  • Illinois

    Der fünftgrößte US-Staat war jahrelang die Heimat von US-Präsident Barack Obama. Er arbeitete in Chicago und ist noch heute in der „windy city“ äußert beliebt. Die Finanzlage des Landes ist besorgniserregend. Für 2012 erwartet Illinois ein Haushaltsloch von 15 Milliarden Dollar (44,9 Prozent des aktuellen Budgets). Die Bonität des Staates gilt schon jetzt als gering. Investoren leihen Illinois nur für hohe Zinsen ihr Geld. Die Schuldenspirale dreht sich damit immer weiter.

  • Minnesota

    Der Bundesstaat an der Grenze zu Kanada hat nicht nur viele Gewässer ("Land der tausend Seen"), sondern auch viele Schulden. Für das Gesamtjahr 2012 gehen die Behörden von einem Haushaltsloch von knapp vier Milliarden US-Dollar aus. Schon im Juli 2011 war Minnesota zeitweise zahlungsunfähig. Zoos und Nationalparks wurden geschlossen, Bauarbeiten an Straßen wurden eingestellt und 22.000 staatliche Bedienstete in den unbezahlten Urlaub geschickt.

  • Connecticut

    Der kleine Ostküstenstaat zwischen New York und Rhode Island steckt ebenfalls in der schwersten Finanzkrise seiner Geschichte. Im Haushalt 2012 fehlen 3,7 Milliarden Dollar (20,8 Prozent des 2011er-Etats). Selbst die private Elite-Uni Yale in Connecticut bleibt von der Krise nicht verschont. In ihrem Uni-Budget für 2011/12 fehlen 68 Millionen Dollar.

  • Louisiana

    Der Südstaat musste in den vergangenen Jahren viele Tiefschläge verkrafte. Erst wütete Hurrikan „Katrina“ über das Land, dann folgte eine schmerzhafte Rezession und 2010 schließlich noch die Ölkatastrophe. Der Haushalt ist vollkommen überlastet. Es klafft 2012 ein Loch von 1,7 Milliarden US-Dollar (22 Prozent des 2011er-Etats).

  • Nevada

    Der Wüstenstaat ist durch eine Stadt weltbekannt: Las Vegas. Die Spielermetropole zieht jährlich Touristen aus allen Teilen der Erde an. Der Haushalt des Bundesstaates kann davon aber nicht profitieren. 2012 wird der Haushalt eine Lücke von 1,5 Milliarden Dollar aufweisen. Allerdings: Die Summe entspricht fast der Hälfte des derzeitigen Etats Nevadas.

  • Oregon

    Der nördliche Nachbar von Kalifornien wird 2012 wohl ein Haushaltsloch von 1,8 Milliarden US-Dollar verkraften müssen. Diese Summe beträgt ein Viertel des Gesamthaushaltes von 2011. Es wird drastisch gespart: Sowohl bei Kranken und Rentnern als auch bei Schülern und Studenten.

Erstmals seit vier Jahren ist die Arbeitslosenrate wieder unter die Zehn-Prozent-Marke gefallen. Im Budget 2013 erwartet der Staat Mehreinnahmen von 3,1 Milliarden Dollar, vor allem durch höhere Einkommen-, Verbrauchs-und Gewerbesteuern.Dank Kürzungen beim Bildungs- und Sozialetat und Steuererhöhungen für Besserverdiener

Gegen Widerstand aus seiner eigenen Partei hielt Brown auch einen strikten Sparkurs durch. Weil viele Haushaltsposten nicht gekürzt werden können, ohne Bundeszuschüsse zu verlieren, oder aber eine Reihe von Ausgaben gesetzlich vorgeschrieben sind, betrafen die Streichungen fast ausnahmslos den Bildungs- und Sozialetat. "Im Grunde hat er die Mehrausgaben, die während des Dotcom-Booms gegen die Warnung vieler Ökonomen eingeführt wurden, wieder zurückgedreht", sagt Levy.

Anzeige
Kommentar | 1Alle Kommentare
  • 11.02.2013, 16:50 Uhrsteigenberger

    Immerhin hat Brown es geschafft das Etatdefizit von Arnie wieder

    auszugleichen = 28 Mia.$, eine vorzeigbare Leistung, die aber nicht

    durch Zurückfahren der Bildungsausgaben erreicht werden darf;

    gerade Kalifornien hat ein gewaltiges Drop-Out-Problem bei den

    Highschülern - ca. 45% scheitern beim Schulabschluss, zudem gibt es

    gewaltigen Bildungsnachholbedarf bei den mexikanischen Immigranten.

    Schwarzenegger hat einen Teil des Defizits auch durch den

    beschleunigten Energieumbau hin zu erneuerbaren Energien verursacht

    die Projektkosten fallen heute an, die "kostenlosen" Erträge kommen

    aber erst in Zukunft dem Bundesstaat zu Gute !

    California , der Sonnenstaat ,ist Amerikas Öko-Vorzeige-Staat mit durchaus profitablen

    Ökoenergieerzeugungen!

    Es bleibt zu hoffen, dass auch die Bürger davon profitieren durch

    niedrigere Energiepreise u. nicht nur die Initiatoren !

Alle Kommentare lesen
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.