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Google-Zensur in China: "Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel"

von Oliver Voß

Google droht, sich aus China zurückzuziehen. WirtschaftsWoche-Korrespondent Matthias Kamp erzählt, wie sich die Zensur auf seine Arbeit auswirkt, welche Seiten blockiert sind und wie er die Zensoren austrickst.

Kommentator für die Wirtschaftswoche Matthias Kamp Quelle: Katharina Heese für Wirtschaftswoche
Kommentator für die Wirtschaftswoche Matthias Kamp Quelle: Katharina Heese für Wirtschaftswoche
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Benutzt Du Google überhaupt oder sind andere Suchmaschinen in China besser?

Ich benutze Google in China jeden Tag, sowohl den chinesischen als auch den englischen und deutschen Dienst. Es gibt leider noch nichts besseres. Zumindest wären die deutschen und englischen Googleportale von einem Rückzug des Unternehmens aus China aber wohl kaum betroffen.

Auf welche Internetseiten hast Du keinen oder nur eingeschränkten Zugriff?

Viele. Fast alles, was mit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 zu tun hat, ist gesperrt. Außerdem Seiten, die sich mit dem Tibetkonflikt und den Problemen in der Uigurenregion Xinjiang auseinandersetzen. Darüber hinaus blockiert Peking Seiten von Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch oder Amnesty International. Keinen Zugriff erlaubt die Regierung auch auf China Labor Watch und China Labor Bulletin. Das sind Organisationen, die sich um die Rechte chinesischer Arbeiter kümmern. Die Zensur dort ist besonders ärgerlich, weil die beiden Organisationen wertvolle Informationen zur Lage auf dem chinesischen Arbeitsmarkt haben, die ich brauche.

 Wie ist es mit Seiten wie Facebook oder Twitter - gibt es da auch Behinderungen?

Facebook und Twitter sind seit vergangenem Sommer gesperrt. Besonders die Zensur bei Twitter nervt, denn ich habe bis zu der Sperre eifrig getwittert. Aber auch die Chinesen regt die Sperre bei Facebook und Twitter auf. Die empören sich in chinesischen Internetforen lauthals.

Mit welchen Tricks kann man die Filter umgehen?

Es gibt so genannte Virtual Private Networks (VPN), die den Internetverkehr an den Zensurservern vorbeileiten. Die kann man im Internet herunterladen, und sie kosten meist einen geringen Jahresbeitrag. Die Regierung jagt die aber auch und zerschießt sie dann. Ich hatte bis Ende Dezember Hotspotshield.com. Als ich Anfang Januar aus dem Urlaub zurückkam, ging er nicht mehr. Jetzt bin ich dabei, mir ein neues VPN einzurichten. Es wie ein Katz-und-Maus-Spiel.

Wie merkst Du die Zensur sonst im Arbeitsalltag? Was gibt es für Einschränkungen?

Bei ausländischen Journalisten ist die Überwachung natürlich extrem streng. Wir können es nicht beweisen, sind aber ziemlich sicher, dass zum Teil E-Mails mitgelesen oder abgefangen werden. Man merkt es daran, dass ab und zu die Übertragungsgeschwindigkeit für einige Minuten schlagartig runtergeht oder sich der Computer genau in dem Moment, in dem man eine Mail schickt, aufhängt. Vor einigen Jahren hat sogar mal ein Mitarbeiter meines früheren Internetproviders im Vertrauen zugegeben, dass unser Büroaccount "besonders" verwaltet werde.

Hat sich die Situation nach den Olympischen Spielen geändert?

Die Zensur ist in den Monaten danach sehr viel strenger geworden. Das hat aber wenig mit den Olympischen Spielen zu tun, während derer vorübergehend auch einige Seiten von Menschenrechtsorganisationen zugänglich waren. Die Unruhen in Tibet 2008, die Ausschreitungen bei den Uiguren im vergangenen Jahr und die Internetpetition "Charter 2008", die zu demokratischen Reformen in China aufruft, hat bei der Kommunistischen Partei die Alarmglocken schrillen lassen. Sie fühlt sich offenbar bedroht und spioniert und zensiert nun mehr den je.

Welche Folgen hätte Rückzug Googles aus China für die Menschen dort?

Viele junge, gut ausgebildete Leute in den Städten würden es sehr bedauern. Denn sie bekommen bei Google trotz der Zensur auch mal Infos, die sie bei chinesischen Suchmaschinen nicht bekommen. Allerdings kann Google sich auch nicht alles von den Behörden in China bieten lassen. Irgendwann verliert man seine Glaubwürdigkeit. Wenn die Gmail-Konten chinesischer Menschenrechtler von den Behörden geknackt werden, gefährdet man im schlimmsten Fall außerdem Menschenleben.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.02.2010, 08:50 UhrAnonymer Benutzer: Otto Kamp

    Diese Story war perfekt und wissensreich. Man hat viel darüber erfahren und weiß jetzt mehr über china.

    Otto Kamp

  • 04.02.2010, 13:23 UhrAnonymer Benutzer: Xin

    ich denke, dass er hier gesagt hat ist echt viel übertrieben. Das ist eher ein Spiel von ausländischen Journalisten, um dafür zu sorgen, dass man diese Artikel liest.

    Die chinesische Suchmaschine www.baidu.com ist gar nicht schlecht. Sie benutzen auch viele Leute in China.

  • 15.01.2010, 20:09 UhrAnonymer Benutzer: james connolly

    ausgerechnte die yankeeregierung heult wieder am lautesten auf. google hat gegen den chinesichen platzhirsch wirtschaftlich keine chance und macht nun einen auf superdemokrat. google hat aber keine probleme z.b. werbung füpr die npd zu machen. und die yankeeregierung hat keine probleme damit, dass yahoo nachweislich schon oppositionelle an ihre häscher geliefert hat...

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