Griechenland: Common Bond? No!

KommentarGriechenland: Common Bond? No!

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

von Malte Fischer

Die EU hat Griechenland finanzpolitisch unter Kuratel gestellt. Jetzt fordern die Griechen, die EU solle ihnen durch eine Gemeinschaftsanleihe helfen. Das ist eine ganz schlechte Idee.

Anfang vergangener Woche war es so weit.

Zum ersten Mal seit Bestehen der Währungsunion hat die EU-Kommission ein Mitgliedsland unter haushaltspolitische Aufsicht gestellt. Wegen seiner ausufernden Schulden muss sich Griechenland einem harten Sparkurs unterwerfen und sein Defizit von 12,7 Prozent im vergangenen Jahr bis 2012 unter den Maastrichter Referenzwert von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts drücken.

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Sollte Griechenland gegen die Sparauflagen verstoßen, kann die EU Bußgelder verhängen oder die Auszahlung von EU-Mitteln stoppen.

Für Griechenland kommt das einer wirtschaftspolitischen Entziehungskur gleich.

Ähnlich einem Drogensüchtigen windet sich die Regierung und späht nach einer Ersatzdroge. Die, so glaubt man in Athen, könnte in einer Gemeinschaftsanleihe (Common Bond) bestehen. Dabei handelt es sich um eine Anleihe, die von mehreren Ländern des Euro-Raums gemeinsam emittiert und garantiert wird.

In der vergangenen Woche ließ Griechenlands Finanzminister Giorgos Papakonstantinou wissen, der Euro-Raum habe eine Pflicht, Griechenland zu helfen. Die Emission eines Common Bond sei deshalb eine gute Idee.

Was für Griechenland ein perfekter Deal zu sein scheint, wäre für den Rest der Euro-Zone der GAU

Weil Schuldner mit guter Bonität wie Deutschland mit Schuldenkaspern wie Griechenland gemeinsam ins Obligo gingen, würde sich für den Common Bond ein Zinssatz über demjenigen für Bundesanleihen und unter demjenigen für griechische Staatsanleihen bilden.

Deutsche Steuerzahler müssten also höhere Zinsen zahlen und so einen Teil der Kosten für das höhere Ausfallrisiko Griechenlands tragen. Die steigenden Zinsausgaben belasteten den deutschen Staatshaushalt und schmälerten so die Bonität Deutschlands als Schuldner am internationalen Kapitalmarkt.

Am Ende des Tages müsste Deutschland dann auch für eigene Staatsanleihen höhere Zinsen zahlen.

Hinzu kommt, dass die Zeichnerstaaten des Common Bond – anders als bei der Vergabe bilateraler Kredite – keine Möglichkeit haben, den Mittelzufluss an Griechenland daran zu knüpfen, dass die Regierung Reformen umsetzt.

Der größte Nachteil aber wäre, dass ein Common Bond den Sanktionsmechanismus des Marktes in Form höherer Zinsen für unsolide Länder außer Kraft setzte.

Das wäre fatal, zumal der im Europäischen Stabilitätspakt angelegte Sanktionsmechanismus ohnehin aufgeweicht wurde.

Kommt die Gemeinschaftsanleihe, droht aus der Währungsunion binnen weniger Jahr eine Schulden- und Inflationsunion zu werden.

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