Griechenland: Finanzminister zaubert Milliarden aus dem Hut

Griechenland: Finanzminister zaubert Milliarden aus dem Hut

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Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos will das Sparprogramm durchboxen.

von Rebecca Eisert

So schnell wird aus der griechischen Tragödie eine Komödie. Urplötzlich tauchen auf einem Regierungskonto mehr als eine Milliarde Euro auf.

Die Auszahlung weiterer Hilfskredite an Griechenland sind vorerst verschoben. Die Euro-Staaten wollen die Sparpläne der Griechen nochmals einer genauen Prüfung unterziehen, bevor sie weitere Milliarden freigeben. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker kündigte am Dienstag an, dass das hochverschuldete Griechenland daher im November mit der nächsten Überweisung rechnen könne

Ist Griechenland doch nicht pleite?

Eine solche Nachricht, meint man, sollte in Athen einen Sturm der Empörung auslösen. Doch weit gefehlt. Während die Bürger auf den Straßen gegen die Reformen demonstrieren und die Beamten im öffentlichen Dienst in einen 24-stündigen Streit getreten sind, um gegen die Suspendierung von 30.000 Mitarbeitern bei eingeschränkter Bezahlung zu protestieren, bleibt Finanzminister Evangelos Venizelos gelassen.

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Dass die nächste Tranche von acht Milliarden Euro  erst in einigen Wochen zur Verfügung steht, bereitet ihm kein Kopfzerbrechen, im Gegenteil: "Bis Mitte November - das ist klar - gibt es kein Problem", so zitieren verschiedene Medien Venizelos. Bis Mitte November soll Griechenland problemlos Renten und Gehälter zahlen können.  Bisher  hatte es geheißen, ohne weitere internationale Kredite sei Griechenland bereits Mitte Oktober zahlungsunfähig.

Ungeahnte Schätze schlummerten auf Regierungskosten

Woher also stammt der plötzliche Geldsegen? Aus Regierungskreisen heißt es, Beamte hätten eine letzte Geldreserve von 1,5 Milliarden Euro gefunden. Der Milliarden-Schatz soll aus einem Banken-Stabilisierungsfonds stammen, der im Zuge der Finanzkrise im Jahr 2008 eingerichtet worden war.

Indessen gehen die Sparmaßnahmen der Regierung weiter. Neben der Suspendierung zahlreicher Angestellter im öffentlichen Dienst hat sie auch die Einführung einer zusätzlichen Grundsteuer angekündigt. Mittlerweile regt sich jedoch selbst in den Reihen der regierenden Sozialisten Widerstand gegen die Einführung neuer Steuern. Griechenland erlebt derzeit eine schwere Rezession. Analysten gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 5,5 Prozent zurückgehen wird. Die Arbeitslosenquote ist angesichts zahlreicher Insolvenzen auf über 16 Prozent gestiegen.

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