Griechenland-Krise: Herr Venizelos muss zur Schuldenberatung

Griechenland-Krise: Herr Venizelos muss zur Schuldenberatung

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Garten

Griechenland hat mehr als 350 Milliarden Euro Schulden. Ausgeschrieben: 350000000000. Streichen wir einmal ein paar Nullen und machen Griechenland zu einer Privatperson. Nennen wir sie Evangelos Venizelos - und schicken Herrn Venizelos zu einer Schuldenberatung.

Wäre Griechenland ein Mensch, hätte es niemals so hohe Schulden anhäufen können. Keine Bank hätte Herrn Venizelos Kredite gegeben, um alte Schulden zu bezahlen und wahrscheinlich hätten ihm auch die Nachbarn nicht immer wieder ein paar Scheine  zugesteckt.

Betrachten wir trotzdem einmal, wie es zu Herrn Venizelos Schulden kam: Er beschäftigt jede Menge Hausangestellte. Wie viele genau, weiß er selbst erst seit kurzem. Mehr als sieben Prozent der Mitglieder seiner Großfamilie sind bei ihm beschäftigt, machen für ihn die Abrechnung, chauffieren ihn zur Arbeit und unterrichten seine Kinder. (Griechenland hat 10,8 Millionen Einwohner, davon sind 768.009 Beamte) 83 Prozent von ihnen kann er nicht kündigen. Steht so im Vertrag.

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24.000 € mehr Ausgaben

Herr Venizelos hat einen kleinen Garten, in dem er Trauben, Tabak, Oliven, Getreide und ein bisschen Obst anbaut. Außerdem hält er sich eine Ziege und ein Schaf, in seinem Teich schwimmen Fische. Deshalb verkauft er seinen Nachbarn Käse, Fisch, Olivenöl, selbstgebackenes Brot und kleine Handarbeiten, die er produziert.

Außerdem zahlen seine Nachbarn ihm etwas dafür, ihn in seinem hübschen Garten besuchen zu dürfen. Abends sitzen sie gerne bei einem Glas Mavrotragano auf seiner Terrasse. Mit diesen Geschäften nahm Herr Venizelos letztes Jahr 90.000 Euro ein. Allerdings hat er für seine ganzen Hausangestellten und für Maschinen, chemische Erzeugnisse, Lebensmittel, Fertigerzeugnisse und anderen Kleinkram 114.000 Euro ausgegeben. Da er nicht zum ersten Mal mehr ausgegeben hat, als er verdiente, kam er im letzten Jahr auf 330.000 Euro Schulden.

Herr Venizelos muss zum Schuldenberater

Weil er immer weiter Geld ausgibt, aber nicht mehr einnimmt, sind es mittlerweile rund 350.000 Euro. Weil seine Nachbarn nicht wollen, dass Herr Venizelos wegziehen muss, haben sie beschlossen, ihm Geld zu leihen. Aber nur, wenn er verspricht, wirklich sparsam zu sein, damit er ihnen ihr Geld zurück geben kann. Bis 2015 will er seinen Keller ausgemistet und das Tafelsilber verkauft haben. Er rechnet damit, dass ihm das 50.000 Euro einbringt. So geht es nicht weiter.

Herr Venizelos beschließt deshalb, eine anerkannte Schuldnerberatung aufzusuchen – die Caritas und die Verbraucherzentralen bieten solche Dienste an. Birgit Höltgen, Kredit-Expertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt die nächsten Schritte: „Mit deren Hilfe versucht er, sich außergerichtlich mit seinen Gläubigern zu einigen. Es wird versucht, einen Insolvenzvergleich zu erzielen und einen Teil der Schulden zu erlassen.“ Herr Venizelos strebt also einen Schuldenschnitt an.

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