Griechenland-Krise: Wirbel um Geheimtreffen und Austrittsgerücht

Griechenland-Krise: Wirbel um Geheimtreffen und Austrittsgerücht

Ein geheimes Treffen der EU-Finanzminister zur Griechenlandkrise ließ den Eurokurs abstürzen. Spekulationen über eine Abschaffung des Euro in Athen wurden zurückgewiesen. Doch wäre das überhaupt möglich?

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Eine griechische Euromünze

Die Aufregung war riesig am Freitagabend: Griechenland könnte den Euro abschaffen, lautete das Gerücht, dass die Märkte elektrisierte. Der Kurs des Euro stürzte auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Wochen. Doch was ist dran an den Spekulationen?

Fakt ist: Die Finanzminister der größten Euro-Länder haben auf einem Geheimtreffen über die Lage im hochverschuldeten Griechenland diskutiert. Ein möglicher Austritt des südeuropäischen Landes aus der Euro-Zone sei bei der Zusammenkunft aber kein Thema gewesen, betonten zahlreiche Beteiligte.

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„Es ist klar, dass während des Treffens weder diskutiert noch als Thema auf den Tisch gebracht wurde, ob Griechenland in der Euro-Zone bleiben wird“, hieß es aus dem griechischen Finanzministerium.

Druck auf Griechenland

An dem Treffen in Luxemburg hatten die Finanzminister aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien sowie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet und EU-Währungskommissar Olli Rehn teilgenommen. Auch der griechische Finanzminister Giorgos Papakonstantinou war nach Angaben seines Hauses anwesend. Deutschland wurde von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seinem Staatssekretär Jörg Asmussen auf dem Treffen vertreten.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erklärte, es habe eine breite Diskussion über Griechenland und andere internationale Wirtschaftsthemen gegeben. Einen Bericht von „Spiegel Online“, wonach auch über griechische Überlegungen, den Euro-Währungsraum zu verlassen, gesprochen werden sollte, wies der luxemburgische Finanzminister zurück. „Wir haben nicht über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone diskutiert. Das ist eine dumme Idee. Das ist ein Weg, den wir niemals gehen würden.“

Es müsse aber am 16. Mai beim Treffen der Euro-Finanzminister darüber gesprochen werden, ob Griechenland „einen weiteren Wirtschaftsplan“ benötige. Details dazu nannte Juncker nicht. Experten werteten die Austritts-Spekulationen als Zeichen für die Unzufriedenheit der griechischen Regierung mit den Bedingungen des Rettungspakets. In Kreisen der EU hieß es, es gebe Zweifel daran, dass Griechenland die Bedingungen für die Auszahlung der nächsten Kredittranche des Hilfspakets erfüllen könne. Es herrsche Druck, über eine Umschuldung zu entscheiden. Und es gebe Verhandlungen über eine Lösung zwischen den EU-Ländern und dem IWF.

Kritik an Geheimtreffen

Dass es ein solches Treffen überhaupt gibt, war erst wenige Stunden zuvor durchgesickert. Spiegel Online hatte berichtet, Griechenland erwäge einen Austritt aus dem Währungszone und bei dem geheimen Krisentreffen am Abend gehe es darum.

EU-Diplomaten hatten anschließend den Termin bestätigt, aber erklärt, es gehe nicht um einen Austritt Griechenlands. Junckers Sprecher Guy Schuller hatte den Bericht gar offiziell dementiert. „Ich verneine vollkommen, dass es ein Treffen gibt, diese Berichte sind falsch“, hatte er gesagt.

Die Informationspolitik hätte die Spekulationen verschärft, kritisierte der Europa-Abgeordnete Wolf Klinz (FDP). Er habe davon aus den Medien erfahren, sagte der Vorsitzende des Sonderausschusses zur Wirtschafts- und Finanzkrise am Samstag im Deutschlandfunk. „Es hätte zu mehr Sicherheit beigetragen und weniger Spekulationen angeheizt, wenn man es gewusst hätte“, erklärte er. „Ich habe auch den Eindruck, man sollte hier lieber mit offenen Karten spielen.“ Es sei kein Geheimnis, dass sich Griechenland schwer tue mit der Umsetzung der zugesagten Reformen. Ein derartiges Treffen erreiche zudem nicht das Ziel, die Märkte zu beruhigen. Im Gegenteil „tritt noch mehr Unruhe ein“. Klinz plädierte für eine möglichst zügige Umschuldung Griechenlands. Je länger dieser Schritt hinausgezögert werde, umso höher fielen schließlich die Lasten aus, sagte er.

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