Griechenland: Rückkehr zur Drachme böte mehr Chancen als Risiken

Griechenland: Rückkehr zur Drachme böte mehr Chancen als Risiken

Griechenlands Bankrott rückt näher, selbst ein Austritt aus der Währungsunion erscheint möglich. Welche Folgen hätte eine Rückkehr zur Drachme für die Banken und die Wirtschaft in Griechenland und Europa? Und wäre damit auch das Ende des Euro besiegelt?

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ARCHIV: European Union's flag flies as the temple of Parthenon atop of the Acropolis hill is seen, background, in Athens (Foto vom 14.09.11). Der Praesident des ifo Instituts fuer Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, haelt einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone fuer unausweichlich. Nur durch die Rueckkehr zur Drachme verbunden mit einer Abwertung der Waehrung koenne das Land "sehr schnell wieder wettbewerbsfaehig" werden, sagte Sinn der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstagausgabe vom 15.09.2011). "Griechenland ist nicht mit Dauertransfers geholfen. Sondern Griechenland muss wieder auf eigene Beine kommen." (zu dapd-Text) Foto: Thanassis Stavraki/AP/dapd

Eigentlich sollte es ein geruhsames Wochenende werden. Viele Börsianer hatten sich am Tag der Deutschen Einheit, an dem trotz Feiertag gehandelt wird, frei genommen, um ein langes Wochenende zu genießen. Doch dann, mitten beim gemütlichen Sonntagsfrühstück, schlägt die Nachricht wie eine Bombe ein. Im Radio erklärt der Sprecher, Griechenland habe die Währungsunion verlassen, die Drachme werde wieder eingeführt. Regierungschef Giorgos Papandreou hat angeordnet, alle Banken für eine Woche zu schließen, den Börsenhandel auszusetzen und die Konten der Bürger auf Drachmen umzustellen.

Am Abend treten Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und EZB-Chef Jean-Claude Trichet gemeinsam vor die Fernsehkameras, um Bürger und Finanzmärkte zu beruhigen, bevor am frühen Montagmorgen die Börsen in Asien eröffnen. Der Austritt der Griechen bedeute nicht das Ende der Währungsunion, beschwichtigen sie. EZB, EU und Regierungen seien entschlossen, mit allen Mitteln Spekulationen auf den Austritt weiterer Euro-Staaten zu bekämpfen. Der Euro bleibe die gemeinsame Währung Europas.

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Erneute Prüfung

Sieht so der 2. Oktober 2011 aus? Ausgeschlossen ist das nicht. Denn in dieser Woche reist eine Expertengruppe der EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Athen, um erneut zu prüfen, ob die Griechen die Spar- und Reformauflagen erfüllen, die ihnen die Staatengemeinschaft als Gegenleistung für die milliardenschweren Hilfskredite auferlegt hat. Fällt das Urteil negativ aus, könnten Europäische Union und Internationaler Währungsfonds die Auszahlung der nächsten Tranche von acht Milliarden Euro an Athen verweigern. Griechenland wäre pleite, der Austritt aus der Währungsunion die logische Konsequenz.

Den meisten Bankern und Börsianern graut vor diesem Szenario. Die Rückkehr zur Drachme wäre „ein Desaster für Griechenland, eine Krise für die gesamte Welt“, sagt Willem Buiter, Chefökonom der Citigroup. Die Ökonomen der Schweizer Bank UBS malen ein noch dramatischeres Schreckgespenst an die Wand. Sie erinnern daran, dass der Zusammenbruch von Währungsunionen in der Vergangenheit meist in Bürgerkrieg und Militärdiktatur endete. Der Abschied Griechenlands vom Euro – eine Frage also von Krieg und Frieden auf dem alten Kontinent?

Widerstand gegen Euro-Rettungspolitik

Hans-Werner Sinn, Chef des Münchner ifo Instituts, hält von solchen apokalyptischen Zerrbildern wenig. „Wenn Griechenland fallengelassen wird, verlieren viele reiche Leute einen Teil ihres Vermögens. Das ist genau der Punkt. Es geht nur darum“, sagt Sinn. Und: „Griechenlands Rückkehr zur Drachme ist alternativlos.“

Griechenland ist bankrott, ohne Schuldenschnitt hat das Land keine Chance auf wirtschaftliche Genesung. Angefeuert durch den Rücktritt des EZB-Chefvolkswirts Jürgen Stark aus Protest gegen die Finanzierung der Staatshaushalte der Krisenländer durch die EZB wächst der Widerstand im Deutschen Bundestag und in der Bevölkerung gegen die Euro-Rettungspolitik. Umfragen zufolge lehnt die Mehrheit der Bundesbürger weitere Hilfszahlungen an Griechenland ab.

Kein Wunder, dürfte Griechenland seine Konsolidierungsziele doch auch in diesem Jahr weit verfehlen. Das Loch im Staatshaushalt wird bei zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen, 2,4 Prozentpunkte höher als geplant. Anders, als die griechische Regierung glauben machen will, beruht nur ein Drittel der Zielverfehlung auf der scharfen Rezession.

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