Großbritannien: Die Lage spitzt sich zu

Großbritannien: Die Lage spitzt sich zu

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IWF-Chefin Christine Lagarde zeigt sich skeptisch, wenn es darum geht, dass Großbritannien seinen Sparkurs brechen könnte.

von Yvonne Esterházy

Wirtschaftlich geht es im Vereinigten Königreich schlechter als bisher angenommen. Dafür ist neben der Sparpolitik der Regierung und der Eurokrise vor allem die Schwäche der britischen Industrie verantwortlich.

Christine Lagarde zog die Schultern hoch und klapperte demonstrativ mit den Zähnen: "brrr. Mich fröstelt", antwortete die IWF-Chefin auf die Frage, wie es um die britische Wirtschaft stünde, wenn die Regierung sich entschieden hätte, keinen radikalen Sparkurs einzuschlagen.

Madame Lagarde war nach London gekommen, um den Briten die neue IWF-Analyse über Großbritannien - sozusagen das ökonomische Jahreszeugnis - diesmal persönlich vorzutragen.

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Doch obwohl die IWF-Chefin Premierminister David Cameron und Finanzminister George Osborne für ihre konsequenten Bemühungen zur Reduzierung des riesigen britischen Haushaltsdefizits lobte, mahnte sie gleichzeitig weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft - Zinssenkungen, eine Reduktion der Mehrwertsteuer eventuell sogar ein erneutes Anwerfen der Notenpresse - an, um der Konjunktur neue Wachstumsimpulse zu geben. "Wichtig wären Maßnahmen zur Förderung der Nachfrage", so Lagarde.

Bauproduktion eingebrochen

Denn Großbritannien befindet sich wieder in der Rezession. Nicht nur das: im ersten Quartal ist die britische Wirtschaft sogar noch deutlicher als erwartet geschrumpft: die Revision der Wachstumszahlen durch das Statistikamt ergab am Donnerstag, dass das Bruttoinlandsprodukt in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 0,3 Prozent gefallen ist - mehr als die ursprünglich ausgewiesenen 0,2 Prozent.

Bereits in den letzten drei Monaten 2011 war die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zurückgegangen, damit durchlebt das Vereinigte Königreich seinen zweiten Konjunktureinbruch seit der Finanzkrise von 2007/08 - erst 2009 war es aus der schwersten Rezession der Nachkriegszeit aufgetaucht.

Die Bauproduktion brach um fast fünf Prozent zum Vorquartal ein - dies ist der größte Rückgang seit drei Jahren. Die Arbeitslosenrate verharrt auf dem höchsten Stand seit 16 Jahren und ein Fünftel der Jugendlichen hat keinen Job - "eine verlorene Generation" warnen Kritiker.

Die sozialen Folgen sind vor allem im Norden und Nordosten des Landes dramatisch: Der Lebensstandard vieler Briten sinkt, plötzlich sind selbst Familien, die sich bisher zum Mittelstand zählten, auf Lebensmittelpakete von Wohltätigkeitsorganisationen angewiesen.

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