Großbritannien nach dem Brexit-Votum: Notenbank hält Londoner Finanzstandort für unersetzbar

Großbritannien nach dem Brexit-Votum: Notenbank hält Londoner Finanzstandort für unersetzbar

, aktualisiert 12. Oktober 2016, 13:16 Uhr
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Storm clouds are seen above the Canary Wharf financial district in London, Britain, August 3, 2010. REUTERS/Greg Bos/File Photo

Quelle:Handelsblatt Online

Noch ist unklar, ob und wenn ja, in welchem Umfang, nach dem Brexit Geschäft aus London abwandert. Banker glauben, dass vor allem Frankfurt profitieren könnte. Die britische Notenbank will davon aber nichts wissen.

LondonNach einem Brexit kann nach Ansicht der britischen Notenbank kein Finanzstandort in der EU die Rolle Londons übernehmen. Die britische Hauptstadt biete in Europa als Finanzplatz „ziemlich einzigartige“ Strukturen, sagte der Vizechef der Notenbank, Jon Cunliffe, am Mittwoch vor einem Parlamentsausschuss. Davon profitierten in der Finanzbranche tätige Unternehmen „auf beiden Seiten des Ärmelkanals“, da sie damit Kosten sparen könnten. „Ich sehe nicht, dass das Finanz-Biotop London in naher Zukunft irgendwo in der EU nachgebildet werden kann“, fügte der Währungshüter hinzu. Er könne sich vorstellen, dass einige im Bereich Finanzdienstleistungen angesiedelte Aktivitäten nach New York verlegt würden.

Derzeit herrsche „große Unsicherheit´“, ob und wenn ja, in welchem Umfang, Geschäft aus der britischen Hauptstadt nach einem Brexit abwandern werde. Nach einem EU-Ausstieg steht nach Ansicht von Experten insbesondere die Abwicklung von Euro-Derivategeschäften – das sogenannte Clearing – zur Disposition. Finanzplätze wie Paris und Frankfurt gelten als erste Anwärter, die Rolle Londons zu übernehmen. Deutsche Banker, Börsianer und Anwälte sehen einer Umfrage zufolge die Main-Metropole ohnehin als großen Gewinner eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union.

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Ob die Briten weiter Zugang zum europäischen Binnenmarkt mit seinem zollfreien Warenverkehr bekommen, muss in Austrittsverhandlungen geklärt werden. Premierministerin Theresa May will bis spätestens Ende März 2017 den Antrag für den EU-Ausstieg nach Brüssel schicken. Für das Londoner Finanzzentrum ist insbesondere der sogenannte EU-Pass wichtig. Dieser ermöglicht Banken den ungehinderten Zugang zu den Kapitalmärkten der EU. Cunliffe sagte, es wäre ein „mühevoller Prozess“, ein Nachfolgemodell für das derzeitige Pass-System zu finden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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