Großbritannien: Randale gegen David Camerons Sparprogramm

Großbritannien: Randale gegen David Camerons Sparprogramm

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David Cameron nach Krawallen in Croydon, London

von Yvonne Esterházy

Jugendliche randalieren in Großbritannien, kriminelle Banden zünden Gebäude an, Randalierer plündern Geschäfte. Die Krawalle haben vier Menschen das Leben gekostet - und die Hilflosigkeit der Polizei demonstriert.

"Großbritannien ist am Rande des Bürgerkriegs" so die Einschätzung der Tagesthemen – ganz so dramatisch ist es nicht, aber die Krawalle haben die Bruchstellen der britischen Gesellschaft und die problematischen Konsequenzen der harten Sparpolitik der konservativ-liberalen Regierung offengelegt.

Die Polizei und die Politik hatten das Ausmaß der Krise nach den Unruhen im Londoner Stadtteil Tottenham unterschätzt, waren nicht schnell und entschlossen vorgegangen, um die Krawalle zu stoppen. Der Einsatz von Wasserwerfern gegen Demonstranten ist in England verpönt – nur in Nordirland war das bisher erlaubt. Nun wird die Polizei darüber nachdenken – ebenso wie über die Verwendung von Plastikgeschossen. Mit einem Aufgebot von 16.000 Polizisten ist es gelungen, in der britischen Hauptstadt London gestern Nacht für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Das zeigt: wenn die Polizei entschlossen vorgeht, kann sie die kriminellen Exzesse des aufgebrachten Mobs verhindern

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Verlorene Generation

Doch die Eindämmung der aktuellen Gewalt ist eine Sache – die Bekämpfung der Ursachen eine andere. "Wer sind die Randalierer? Junge Männer aus armen Stadtteilen.... aber das ist nur die halbe Geschichte... sie stammen aus einem komplexen Mix verschiedener sozialer und rassischer Schichten" schrieb der linksliberale Guardian. Tatsache ist, dass die einst so gelassenen Briten zunehmend aufbegehren – vor allem die Jüngeren. Ihre Perspektivlosigkeit findet nun ein Ventil in den Krawallen. Rund 20 Prozent der 16 bis 24 jährigen Briten haben weder einen Job noch eine Ausbildungsstelle. Schon sprechen Experten von einer "verlorenen Generation" ("Lost Generation").

Verschärft wird die Lage durch die von der Regierung beschlossene Verdreifachung der Studiengebühren auf 9000 Pfund im Jahr. Wiederholt gab es in den vergangenen Monaten Proteste dagegen. Einige eskalierten, Polizei und Demonstranten lieferten sich erbitterte Straßenschlachten.

Es demonstrierten nicht nur Jugendliche aus den Arbeitervierteln sondern auch Schüler und Studenten aus der Mittel- und Oberklasse. Einer von ihnen, Charlie Gilmour, Geschichtsstudent in Cambridge und Sohn des millionenschweren Pink-Floyd-Gitarristen David Gilmour wurde im Sommer zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt, weil er ein Fenster eingeschlagen, eine Mülltonne gegen ein Auto geschleudert und sich anschließend von einem Kriegerdenkmal abgeseilt hatte.

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