Grubenunglück in der Türkei: Gewerkschafter sprechen von Massenmord

Grubenunglück in der Türkei: Gewerkschafter sprechen von Massenmord

, aktualisiert 14. Mai 2014, 18:39 Uhr
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Weinende Bergleute stehen nahe der Unglücksmine in der Türkei.

Die Türkei trauert um die Opfer des verheerenden Bergbau-Unglücks: Die Flaggen im Land werden auf halbmast gesetzt, während die Zahl der Opfer immer weiter steigt. In mehreren Städten protestieren Menschen. Gewerkschafter sprechen von „Massenmord“.

Mindestens 238 Menschen sind in der Türkei beim weltweit schwersten Grubenunglück seit mehr als zwei Jahrzehnten ums Leben gekommen. Noch rund 120 Kumpel seien unter Tage eingeschlossen, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Mittwochnachmittag laut der Nachrichtenagentur Anadolu. Wie Erdogan am Ort der Katastrophe erläuterte, wurden mindestens 80 Menschen bei dem Brand in dem Kohlebergwerk verletzt. Gewerkschaften sprachen von „Massenmord“ in der Zeche Soma. Sie kritisierten die Arbeitsbedingungen.

Energieminister Taner Yildiz sagte in Soma, die Hoffnung schwinde, noch Überlebende zu retten. „Es ist schlimmer, als zunächst erwartet.“ Zum Zeitpunkt des Unglücks am Dienstagnachmittag seien 787 Arbeiter in der Zeche gewesen. Möglicherweise werde die Katastrophe zum schlimmsten Grubenunglück in der Geschichte der türkischen Republik.

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In der Nacht zum Mittwoch mussten die Rettungskräfte immer mehr Leichen aus dem Kohlebergwerk am Unglücksort Soma bringen.

Medienberichten zufolge hatte ein Defekt in der Elektrik zunächst eine Explosion und dann den Brand verursacht, der nach Angaben von Yildiz in 150 Metern Tiefe ausbrach. Wegen des Unglücks rief die Regierung eine dreitägige Staatstrauer aus. Im ganzen Land und an den Vertretungen im Ausland wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt.

In mehreren türkischen Städten kam es zu Protesten. In der Hauptstadt Ankara ging die Polizei Medienberichten zufolge mit Tränengas und Wasserwerfern gegen mehrere Hundert Demonstranten vor, die zum Energieministerium marschieren wollten. Die Sicherheitskräfte hätten über Megafon auf die von der Regierung verfügte Staatstrauer für die Opfer der Katastrophe hingewiesen. Aus den Reihen der Demonstranten seien Molotow-Cocktails und Steine geworfen worden.

Chronologie großer Grubenunglücke

  • 2013

    83 Arbeiter werden von einem massiven Erdrutsch auf einer Goldmine in Tibet begraben.

  • 2012

    Mindestens 60 Menschen kommen im Nordosten des Kongos bei einem Erdrutsch in einer Goldmine ums Leben.

  • 2011

    Eine Gasexplosion in einem Kohlebergwerk in Sorange im Südwesten Pakistans kostet mindestens 52 Menschen das Leben.

  • 2010

    - 29 Männer kommen bei einem der schwersten Grubenunglücke in der Geschichte Neuseelands ums Leben. Eine riesige Gasexplosion zerstört alle Hoffnungen auf die Bergung der Kumpel, die nach einer ähnlichen Explosion fünf Tage zuvor verschüttet worden waren.

    - 33 verschüttete Bergleute werden in Chile nach 69 Tagen aus einer Gold- und Kupfermine gerettet.

    - Eine Explosion im Kohlebergwerk Upper Big Branch im US-Staat West Virginia kostet 29 Bergarbeiter das Leben.

  • 2007

    Beim schwersten Grubenunglück nach Ende der Sowjetunion kommen in der Ukraine mindestens 90 Bergleute bei einer Methangasexplosion in einer Kohlemine bei Donezk ums Leben.

  • 2006

    65 Kohlekumpel sterben bei einer Gasexplosion in San Juan de Sabinas in Nordmexiko.

  • 2005

    Eine Explosion in einem Kohleschacht kostet 203 Bergleuten in der Region Fuxin im Südwesten Chinas das Leben. Zwölf weitere Kumpel werden nie gefunden. Es gilt als das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Volksrepublik.

Mehrere Gewerkschaften haben für die kommenden Tage zu Protesten aufgerufen. Der größte türkische Gewerkschaftsbund Türk-Is rief seine Mitglieder zur Arbeitsniederlegung an diesem Donnerstag auf. Gewerkschafter sollten der toten Bergleute gedenken, teilte Türk-Is mit.

Der Bergmann Sami Kilic, der neun Jahre in der Zeche arbeitete und bei den Rettungsarbeiten half, sagte dem Sender CNN-Türk, bei einer Explosion unter Tage funktioniere die Stromversorgung nicht mehr. Ventilatoren könnten nicht mehr arbeiten, der Luftstrom werde unterbrochen. „Auch wenn die Männer Masken haben sollten, wird eine Rettung schwierig.“ Die Masken reichten für 45 Minuten Frischluft. „Aber innerhalb von 45 Minuten kann man nicht die eineinhalb Kilometer nach oben kommen.“

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